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Das Top-Thema der Medien, der Buchmesse sowie die Frage: Was ist wirklich wichtig: Gerät oder Inhalt?

Die Frage „Welches Schwein treiben wir, eine Woche vor Beginn der Buchmesse, medial durchs Dorf ?“, dürfte nun recht eindeutig beantwortet sein: Das E-Book. Hier ein Update zum Thema von Stefan Becht.

Während Axel Rühle in der Süddeutschen Zeitung in seinem E-Book-Test fragte „Ist dies das Ende des Buches?“, prophezeite der Kollege Martin Ebel im Schweizer Tages-Anzeiger: „Das E-Book wird den Buchhandel erschüttern wie ein Erdbeben“, BILD titelte dagegen schlicht: „Das E-Book kommt nach Deutschland“, und der Branchendienst turi2 wird in seiner Freitagsausgabe „Uodate2“ eine Umfrage zum Thema „Mobile Bücher“ bringen (wissen wir, weil auch BuchMarkt befragt wurde).

Mal ganz abgesehen von unser Meldung „Sony stellt auf der Buchmesse sein (altes) E-Book Lesegerät und seine Partner vor…“ [mehr…]. Mit anderen Worten: Die 60. Frankfurter Buchmesse steht ganz im Zeichen der elektronischen Lesegeräte.

Damit diese einigermaßen übersichtlich bleiben, hat BuchMarkt nicht nur in seiner September Ausgabe darüber berichtet, sondern hier http://www.buchmarkt.de/content/special/141-e-reader.htm ein „Special“ zusammengestellt, das die wichtigsten E-Books und ihre Eigenschaften im Überblick vorstellt (als PDF zum Herunterladen).

Und um die wichtigsten medialen Missverständnisse gleich aufzuklären: Amazon wird die Buchmesse nicht nutzen, um mit seinem Lesegerät Kindle in Europa zu starten, sondern lediglich dazu, wie von uns berichtet [mehr…], die Vorteile des Readers für Verleger am Mittwoch um 10.45 Uhr im Forum Innovation (4.2, P 421) zu präsentieren.

Zu Recht weist Sony darauf hin, dass sein E-Book PSR 505, welches in 2009 auf den deutschen Markt kommen und zwischen 200,- bis 300,- Euro kosten soll, das EPUB-Format lesen kann. Dies ist ein nicht propriertäres E-Book-Format von Adobe, welches es den Lesern erlaubt, Inhalte bei allen Anbietern zu kaufen, die ihre digitalen Texte im EPUB-Format anbieten. Im Gegensatz, zum Beispiel, zum Amazons Kindle.

Damit sind wir beim springenden Punkt: Was ist eigentlich drauf, bzw. drin in den E-Books und was nutzt das gestylte Gerät, wenn es kaum Lesefutter dafür gibt? In diesem Licht betrachtet gewinnen die Buchdigitalisierungs-Projekte von Google, Amazon, OCA, Gutenberg, Midvox und dem Börsenverein, über die wir hier [mehr…] ausführlich berichteten, und die Web-Angebote, bei denen die Nutzer ihre Inhalte kostenlos publizieren können, wie bei BoD http://www.bod.de, Tredition http://www.tredition.de oder Bookrix http://www.bookrix.de, eine ganz neue Bedeutung.

Überall dort gibt es bereits digitale Inhalte, die über das Internet zur Verfügung stehen. Je offener bzw. vielfältiger die Dateiformate der Inhalte sind, desto unabhängiger sind sie von den Plattformen, auf denen sie abgespielt bzw. gelesen werden können. Die Schlacht ums E-Book, das Abspiel-Gerät wird letztendlich, wie wir es bereits im Web erlebt haben, von den Inhalten entschieden werden. Auch das von Apple verwendete Dateiformat MP3 für seine Songs lässt sich problemlos auf anderen MP3-Playern als dem iPod oder iPhone abspielen. Gefordert sind deshalb im ersten Schritt die Verlage, die entscheiden müssen, wie sie ihre Inhalte digital aufbereiten, wem sie sie für was und für wieviel zur Verfügung stellen möchten.

Welche Rolle dem klassischen Buchhandel zufallen wird, ist wie das Lesen in der Kristallkugel. Klar ist jedoch eins: Im Moment haben E-Book-Inhalte in den USA einen Marktanteil von einem (in Zahlen: 1) Prozent. Sicherlich wird das wachsen. Aber wie wir alle wissen, ist der Gesamtumsatz des deutschen Buchhandels, um den alten Aldi-Süd-Witz hier nicht zu strapazieren, doch recht überschaubar. Vielleicht wäre es daher eine Überlegung wert, was noch so alles auf einem E-Book-Gerät abgespielt und vom Buchhandel mit angeboten werden kann. Ach ja, außer Ciando http://www.ciando.de ließ sich bei schneller Recherche auch kein wirklicher deutscher E-Book-Buchladen im Web finden – auch das könnte eine Chance sein.

STEFAN BECHT
stefan@stefanbecht.de

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