Zur Buchmesse überrascht der Bielefelder Kamphausen Verlag mit einem neuen Buch des New-York-Times-Bestseller-Autors Neale Donald Walsch, dessen „Gespräche mit Gott“ weltweit eine Gesamtauflage von mehr als zehn Millionen Exemplaren erreicht haben und dessen Lebensgeschichte auch als Film ein Erfolg ist.
Verleger Joachim Kamphausen im Interview über Wahlverwandtschaften und die guten Chancen kleiner Verlage, auch große Autoren an sich zu binden und sich auf dem Markt zu behaupten.

BuchMarkt: Bislang sind die Bücher von Neale Donald Walsch in Deutschland durchgehend bei Goldmann Arkana erschienen. Wie und warum ist der Autor mit seinem neuen Projekt „Glücklicher als Gott“ zu Ihnen gewechselt?
Joachim Kamphausen: Das hat etwas mit den persönlichen Beziehungen zu den Autoren zu tun. Gerade auch bei Walsch. Wir haben seinen Film „Gespräche mit Gott“ in die Kinos gebracht und zur Deutschland-Premiere eine Tour mit ihm gemacht, auf der er sich von uns erklärtermaßen sehr gut betreut fühlte. Unterwegs habe ich ihn eines Abends gefragt, warum er nicht schon häufiger in Deutschland getourt ist, und da hat er gesagt: „Ich bin bisher nie dazu eingeladen worden.“ Als wir dann über sein neues Buch-Projekt sprachen, meinte er: „Dann macht Ihr das doch!. Wenn Ihr so engagiert seid, sollte das auch belohnt werden.“ So sind wir zu seinem neuen Buch gekommen.
Da spielen doch auch Konditionen und Agenturen eine entscheidende Rolle …
Kamphausen: Konditionen und Honorare müssen selbstverständlich stimmen. Aber hier ging es gar nicht in erster Linie ums Geld. Walsch und sein amerikanischer Verlag wollten einfach, dass sein neues Buch bei uns erscheint, und da musste die Agentur, die für die deutschen Rechte mit Goldmann Arkana schon in konkreten Verhandlungen steckte, zähneknirschend mit uns Kontakt aufnehmen. Zähneknirschend deshalb, weil jede Agentur natürlich den Verlag favorisiert, mit dem bereits erfolgreiche Geschäftsbeziehungen bestehen, vor allem wenn es sich dabei um einen großen Verlag handelt. Aber sie haben’s gemacht, und wir haben die Rechte bekommen.
Liegt das womöglich auch daran, dass viele Autoren glauben, dass sie bei einem kleinen, aber im Sortiment gut eingeführten Verlag, vielleicht besser gepflegt werden als bei einem großem, der sich für das einzelne Buch u.U. vergleichsweise weniger engagiert?
Kamphausen: Das ist ohne Frage richtig und spricht sich auch zunehmend bei bekannten und renommierten Autoren herum. Wie bei unserem Autor Eckhart Tolle, der von seinem Buch „Neue Erde“ in den USA zwei Millionen Exemplare verkauft hat, was auch für amerikanische Verhältnisse ziemlich viel ist. Sein Erstling „Jetzt“ ist bei uns herausgekommen, sein zweites und drittes Buch bei Arkana. Tolle hat bezüglich seiner neuen Projekte entsprechende Forderungen gestellt. Aber das ist auch in Ordnung, weil wir das in Deutschland mit ihm auch verdienen. Und nun können wir die neuen Projekte mit ihm realisieren, weil wir flexibler agiert haben, seine Touren organisieren, fortlaufend mit ihm im Gespräch sind und uns immer wieder neue Aktionen überlegen, um ihn und seine Produkte im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu halten. Sicher können die großen Verlage im ersten Jahr mit Vorauszahlungen und hohem Reinverkauf in den Buchhandel viel mehr Power entwickeln als kleinere. Aber was dann die Pflege der Backlist angeht, da sind wir sicher sehr viel nachhaltiger unterwegs und langfristig effektiver.
Nun ist ja gerade im Bereich der Esoterik die Backlist enorm wichtig, weil es da nicht nur nach den Drehzahlen geht.
Kamphausen: So ist es. Wir haben einen Novitäten-Anteil von 16 bis 17 Prozent am Gesamtumsatz. Das ist verglichen mit den Großverlagen – denke ich – absolut sensationell, denn die haben teilweise zwischen 40 und 60 Prozent Novitäten-Anteil. Und wir verbuchen z. B. bei Eckhard Tolle, unserem am besten verkauften Autor, seit 1998 jedes Jahr einen höheren Verkauf der Bücher und einen Anstieg des Umsatzes. Das ist für einen kleinen Verlag natürlich eine großartige Möglichkeit, sich im Sortiment gut aufzustellen. So können wir auch Bücher herausbringen, die zwar unserem Profil gut tun, aber nicht unbedingt wirtschaftlich interessant sind. Das geht aber nur, wenn Themen im Programm sind, die sich gut verkaufen. Unterm Strich zieht das wieder andere Autoren an und hat einen Schneeballeffekt: Mit jedem Titel eines guten Autors verkaufen wir auch Bücher aus der Backlist, die sonst nicht so gut laufen würden. Mit großen Namen, die wir vom amerikanischen Markt für uns interessieren können, erhöhen wir einfach die Attraktivität des Verlags.
Warum sind in der Esoterik-Szene kleinere Verlage und unabhängige, spezialisierte Buchhandlungen präsenter und häufiger erfolgreich als auf anderen Themenfeldern?
Kamphausen: Das hat schon etwas mit Vernetzung und Kompetenz zu tun. Autoren, Verlage, Handel und Leser sind hier wie eine große Gemeinde und miteinander vernetzt. Und wenn man sein Profil entwickelt – nicht nur, aber auch mit großen Namen wie Walsch und Tolle – wird das auch zur Kenntnis genommen. Gegenüber den Großen behaupten wir uns, indem wir unsere Stärken fortlaufend schärfen. Diese dann im persönlichen Verhältnis zum Autor, zum Vertreter und schließlich zum Kunden auszubauen und unter Beweis stellen zu können, ist eine motivierende Erfahrung. Es ist kein Zufall, dass es insbesondere im spirituellen Verlagswesen und Buchhandel so viele gibt, die sich im Konzert der Großen und der Filialisten erfolgreich behaupten können und keine Angst haben müssen. Dazu beigetragen hat sicherlich, dass es lange Jahre einen wachsenden Markt im spirituellen Bereich gegeben hat, der eigentlich fast ausschließlich von kleinen esoterischen Buchhandlungen aufgebaut und anfangs nicht unerheblich von kleinen Verlagen bedient worden ist. Dann haben irgendwann die Großen erkannt, dass das ein interessantes Segment ist, und sind eingestiegen.
Sie waren vor der Buchmesse wieder mit Mr. Walsch quer durch Deutschland unterwegs, u. a. auch in Hamburg beim „Spirit Cinema“-Festival. Haben Sie mit ihm auch über weitere gemeinsame Projekte gesprochen?
Kamphausen: Ja, wir haben eine Reihe neuer Projekte ins Auge gefasst. Seine Begründung für seine Bereitschaft, mit uns weiter zu machen: „Die Kleinen machen’s mit mehr Liebe, auch zum Detail, mit mehr persönlichem und inneren Engagement, kümmern sich intensiver um die Person des Autors und in der Regel sehr viel mehr um seine Backlisttitel.“







