Von „Programm-Stalinisten“ bei der ARD schreibt Joachim Huber im „Berliner Tagesspiegel“ und fragt: „Heilige Einfalt, was ist da in die ARD gefahren?“
Was hat uns das GEZ-Fernsehen nun wieder beschert? Das Erste hat die Übertragung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels am Sonntagmittag abrupt abgebrochen. Mitten ins Wort des Preisträgers Anselm Kiefer hinein meldete sich aus dem Off die Moderatorin Cécile Schortmann und gab mit Worten das plötzliche Ende der Übertragung aus der Frankfurter Paulskirche bekannt. Das war um 12 Uhr 15, es wurde umgeschaltet zum „Presseclub“ in Köln.
Programmdirektor Günter Struve, die letzte Instanz für den Programmablauf im Ersten, sagte dem „Tagesspiegel“: „Der Ausstieg ist bedauerlich, aber es hat tausend heilige Schwüre des Börsenvereins gegeben, dass die Verleihung pünktlich zu Ende geht.“ Und dann gab Struve noch einen Tipp: Bei HR-Online könnten die Interessierten die gesamte Rede nachlesen – „mehrfach, wenn sie wollen.“
Real geht es um zehn Minuten, die die Überziehung gedauert hätte (und Überziehungen, das wissen wir jetzt, toleriert das Öffentlich-Rechtliche nur bei Kulturhighlights am Samstag…)
Das Erste hat die wegweisende Tat, die eine Übertragung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels ist, ad absurdum geführt. Zahlreich seien die Proteste beim Hessischen Rundfunk und bei der ARD-Zuschauerredaktion gewesen, hieß es.
„Der Vorgang vom Sonntag zeigt zweierlei“, kommentiert Huber: „Bei der ARD arbeiten Programm-Stalinisten. Was nicht sein darf, das kann auch nicht sein. Zudem dem Argwohn, das Fernsehen sei kulturfeindlich, Vorschub geleistet wird. Wenn das ZDF mit dem Absetzen von Elke Heidenreichs ‚Lesen!’ [mehr…] droht, dann lässt der Marktführer ARD das nicht auf sich sitzen und zieht beim Friedenspreis des Deutschen Buchhandels blank.“