
Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch.
Frankfurter Rundschau
„Die Würde der Limabohne“: Breits vor drei Jahren hat die Schweizer Biologin Florianne Köchlin in ihrem Buch Zellgeflüster beim Lenos Verlag Basel mit Ihrer neuen Sicht auf die Pflanze Aufsehen erregt, jetzt ist ihr neues Buch ebenfalls bei Lenos raus: PflanzenPalaver. Belauschte Geheimnisse der botanischen Welt. Julia Kopasch hat sie auf fast zwei Seiten interviewt.
Die Soldaritätsaktion für den Anti-Mafia-Autor Roberto Saviano geht weiter, inzwischen sind 150 000 Unterschriften weltweit gesammelt. Sie fordern den italienischen Staat auf, den Autor zu schützen, der offenbar wegen seines Buches Gomorra (in Deutschland bei Hanser) bedroht wird.
„Teenie-Star in der Kleinstadt“ berichtet über Michael Collins’ dunklen Krisen-Krimi Tödliche Schlagzeilen, der bei btb erschienen ist und ein Gesellschaftsroman auf hohem Niveau sei, so Sylvia Staude.
„In einem Anfall von Schwermuth“, die Überschrift ist ein Zitat aus einem Bericht nach dem Freitod von Christiane Hegel. Bei Thorbecke ist nun Biografie Hegels Schwester erschienen, deren Leben Alexandra Birkert auch nur in Konturen darstellen könne, aber dafür umso bedrückender, so Judith von Sternburg.
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Steht die Wiederentdeckung des Dichters Jean Amery bevor? Den Eindruck könnte der Aufmacher im FAZ-Feuilleton erwecken, den Jürg Altwegg unter „Wiederkehr eines Schiffbrüchigen“ verfasst hat. Seinem Verleger habe Amery geschrieben, er sei eine schlechte Investition gewesen, Bild nannte ihn den „Selbstmorddichter“. Sein letztes Buch war Örtlichkeiten, das unveröffentlichte Manuskript Die Schiffbrüchigen tauchte nach seinem Tod auf. Irene Heidelberger-Leonhard hat nicht nur seine Werke bei Klett-Cotta herausgegeben, sondern auch 2004 die Biografie Revolte in der Resignation geschrieben.
„Die Seele des Dackels im Staubsauger“ überschreibt Marius Miller seine Rezension von Feridun Zaimoglu]s Liebesbrand (Kiepenheuer & Witsch) und findet, der Roman sei bereits „eine Art Unfall“. Während der Titel bereits nach den Brigitte-Leserinnen schiele, hindere seine literarische Entwicklung Zaimoglus Begabung.
„Liebe wird uns zerreißen“: In seinem Roman Bombel ((weissbooks) treibe Miroslaw Nahacz den Leser durch eine morbide Welt, meint Stephanie Peter.
Annotiert wird unter „Blinder-Fleck-Schreck“ Hanno Milesi: Der Nachzügler aus dem Verlag Luftschacht und Arno Schmidt Traumflausen (Suhrkamp) unter „In der Höllenstadt“.
Ein ausführliches Portrait schreibt Jan-Frederik Bandel über den Verleger des März Verlages und von Olympia Press Jörg Schröder. Der Titel Schröder erzählt wird nun im Desktop Verlag erscheinen und eine limitierte Jubiläumskassette wird im Martin Schmitz Verlag zu haben sein.
Außerdem gratuliert die Zeitung dem Schriftsteller Walter Kappacher unter „Prüfer unserer Lebensart“ zum Siebzigsten. Zuletzt erschien Der lange Brief 2007 als Neuauflage.
Süddeutsche Zeitung
Um den neuen Booker-Preisträger geht es unter „Die Körper der Armen und der Reichen“. Aravind Adiga wurde für den Roman Der weiße Tiger, auf Deutsch bei C.H.Beck ausgezeichnet. Alex Rühle lobt den hellen knappen Sarkasmus, der niemals belehrend wirke. Auf die Frage, was er mit seinem Preisgeld mache, sagt er trocken „Erstmal muss ich eine Bank finden, wo ich es überhaupt noch einzahlen kann.“
„Kein Wille zum Staat?“, diese Frage stellt Christoph Möllers in dem Buch Der vermisste Leviathan (Suhrkamp), wenn über die Staatstheorie der Bundesrepublik Deutschland räsoniert. Das Buch vermittle den Charme einer Vorlesung aus dem BA-Studiengang Öffentliches Recht, von wissenschaftlichen Standpunkt aus sei es aber spannend, so Dirk Lüddecke.
„Alles ist vorherbestimmt“: Das Buch Schlaflos von Jon Fosse bei Rowohlt erzähle eine biblische Geschichte. Jedoch das „kalkuliert Altertümelnde nimmt letztlich gegen die Erzählung ein“, so Jutta Person.
Die Welt
„Von Lemmingen und Yetis“, die bevölkern die Comics von Joscha Sauer, der mit Nichtlustig4 nach langer Zeit wieder einen neuen Band vorlege. Nun will er seine Figuren in Bewegtbilder zum Leben erwecken, doch braucht noch einen Sponsor.
„Mit dem Herzen sieht man besser“, Elmar Krekelers Begeisterung über die Verfilmung von Jose Saramagos Stadt der Blinden hält sich in Grenzen: Die Charaktere blieben kalt und „Das Gegenteil von gut ist immer wieder gut gemeint“, schließt er.
DIE ZEIT
„Deutschlands Schicksal“, heißt der Aufmacher im Literaturteil von Navid Kermani. Er berichtet aus Anlass des Erscheinens der 20. Auflage wie die Frankfurter Hölderlin-Ausgabe die Philologie revolutioniert habe. Kermani hat soeben das dtv-Tschenbuch Der Schrecken Gottes verfasst. Die Frankfurter Ausgabe Sämtliche Werke von D.E. Sattler herausgegeben, erscheint bei Stroemfeld, die Ausgabe Sämtliche Werke, Briefe und Dokumente in zeitlicher Folge bei Luchterhand.
„Ach was, ich habe ein dickes Fell“, zur Verfilmung seines Buches darf sich Jose Saramago im Interview mit Evelyn Finger in der ZEIT selbst äußern und er erklärt, warum er immer noch Kommunist sei. In der ersten Frage räumt er gleich mit einer „Legende“ auf: Er lebe keineswegs im fernen Spanien, sondern wieder in Lissabon, wo er jetzt ein Haus gekauft habe und Steuern zahle.
„Alter Fortschritt – fehlende Neugier“: Der Titel zeigt bereits, dass laut Otto Kallscheuer das Sonderheft des Merkur mit dem Titel Neugier zum Thema des europäischen Denkens mehr verspricht als es hält. Aber gleich mit in den Strudel seiner Ablehnung gerät das Buch Fortschritt von Massimo L. Salvadori aus dem Wagenbach Verlag, das dort ende, wo es beginnen müsse. Erwähnung findet ebenfalls Das Wissen von Morgen, das Jan Brockmann herausgegeben hat und im Fischer Taschenbuch erschien.
Annotiert wird Daoud Hari: Der Übersetzer aus dem Karl Blessing Verlag, außerdem Sinfonie in blau von Anjela Wittkowski bei Anja Beecken Architekten (nur beim Verlag, Sapanische Allee 37, 14129 Berlin) und Der Architekt Gustav Oelsner von Peter Michaelis herausgegeben bei Dölling und Galitz
„Verwirrend – aber stabil“, die Geschichte des amerikanischen Wahlsystems stecke voller Seltsamkeiten, hat Dieter Buhl in dem Buch Duell ums weiße Haus von Ronald D. Gerste entdeckt.
„Geiseln der Zeit“ überschreibt Tobias Gohlis sein Lob auf „grandiosen Roman“ von Jean-Francois Vilar Die Verschwundenen aus dem Verlag Assozaition A.
Christiane Grefe ist dem afrikanisch-französischen Schriftsteller Wilfried N’Sondé in Berlin begegnet, dessen Buch Das Herz der Leopardenkinder bei Antje Kunstmann erschienen ist. Intergration sei nicht mehr das Thema (In welche Gesellschaft eigentlich?), meint er, längst gelte es, „eine ganz neue Form des Zusammenlebens“ zu lernen.
Neue Zürcher Zeitung
Im Feuilleton widmet sich Oliver Pfohlmann in seinem Artikel Rirarutsch, wir fahren in der Leichenkutsch heute Ilse Weber und ihrer Lyrik. Im Carl Hanser Verlag erscheint eine Sammlung ihres Erbes. Wann wohl das Leid ein Ende hat. Briefe und Gedichte aus Theresienstadt soll eine Legende erklären und das erhalten, was für so viele Menschen überlebenswichtig war.
Ralf Konersmann bringt einen Essay zur Kulturkritik heraus und liefert damit laut Claudio Steiger Voraussetzungen und Ansätze für Diskussionen zu diesem Thema.