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Im November auf Platz 1: Volker Braun

30 Literaturkritiker und -kritikerinnen nennen monatlich – in freier Auswahl – vier Buch-Neuerscheinungen, denen sie „möglichst viele Leser und Leserinnen“ wünschen, und geben ihnen Punkte (15,10,6,3).

Die Addition ergab für November folgendes Resultat (in Klammern die Position der Oktober-Bestenliste):

1. (7. – 8.) 85 Punkte
VOLKER BRAUN: Machwerk oder Das Schichtbuch des Flick von Lauchhammer
Suhrkamp Verlag

Mittelschwere Lektüre
Eine Welt ohne Arbeit, in der einer Arbeit sucht: Meister Flick. Und wenn er sie nicht bekommt, die 1-Euro-Jobs, die Aushilfsarbeiten, dann findet, erfindet er sich Tätigkeiten. Aber in einer Welt, der die Arbeit ausgeht, ist Arbeit Sabotage.

2. (-) 64 Punkte
ALICE MUNRO: Wozu wollen Sie das wissen?
Elf Erzählungen. Aus dem Englischen von Heidi Zerning.
S. Fischer Verlag

Mittelschwere Lektüre
„Es ist eine Literatur des Privaten, ein Erzählkosmos, in dem Weltereignisse bestenfalls eine Rolle am Rand spielen und Politik überhaupt keine. Sehr konkret geht es in den Geschichten der Munro zu, zugleich wirken sie, Jahreszahlen hin oder her, zeitlos, genauer: zeitenthoben, gegenwärtig.“ (Jochen Hieber)

3. (1) 46 Punkte
UWE TELLKAMP: Der Turm
Suhrkamp Verlag

Mittelschwere Lektüre
„Geschichte aus einem versunkenen Land“ nennt Uwe Tellkamp seinen monumentalen Roman im Untertitel. Er erzählt das letzte Jahrzehnt der DDR aus der Perspektive eines bedrängten Bürgertums, der Arztfamilien Hoffmann und Tietze, des Lektors Meno Rohde. Ihre Welt und ihre Kultur sind vom Untergang bedroht, aber dokumentieren zugleich die Erschöpfung eines ganzen Staates.

4. (-) 44 Punkte
DENIS JOHNSON: Ein gerader Rauch
Deutsch von Bettina Abarbanell und Robin Detje
Rowohlt Verlag

Mittelschwere Lektüre
„Denis Johnsons Roman, für den er mit dem National Book Award ausgezeichnet wurde, ist der Roman über den Wahnsinn des (Vietnam-) Krieges. Und er ist selbst ein Wahnsinn. Johnson erzählt von einem halben Dutzend Figuren, schickt sie durch ein verschlungenes Erzähl-Labyrinth, lässt sie Erlösung suchen. Ein Roman wie eine gigantische Operation in psychologischer Kriegsführung.“ (Elmar Krekeler)

5.-6. (9.-11.) 43 Punkte
CHRISTIAN KRACHT: Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten
Verlag Kiepenheuer & Witsch

Mittelschwere Lektüre
Wir befinden uns mitten in einem hundertjährigen Weltkrieg. Das faschistische Deutschland kämpft gegen die Sowjetische Republik Schweiz, die 1917 vom Revolutionär Lenin begründet worden war. Der Held ist ein schwarzer Politkommissar, der hinter einem Konterrevolutionär her ist. Ein geopolitischer Fantasy-Roman im Sound des Ersten Weltkriegs.

5.-6. (-) 43 Punkte
KENZABURO OE: Sayonara, meine Bücher
Aus dem Japanischen von Nora Bierich.
S. Fischer Verlag

Mittelschwere Lektüre
Ein alternder Schriftsteller und sein Freund, ein bekannter Architekt: Sie bedenken ihr Leben, um noch einmal etwas zu schaffen. Der Dichter arbeitet an einem Roman über zwei reflektierende Alte, der Architekt träumt mit seinen jungen Bewunderern von Terroranschlägen. Noch einmal stellt sich die Frage des berühmten japanischen Dichters Mishima: Was wiegt mehr, Kunst oder Aktion?

7. (6.) 41 Punkte
NORBERT NIEMANN: Willkommen neue Träume
Carl Hanser Verlag

Mittelschwere Lektüre
Der Held ist ein Fernsehjournalist in seiner midlife crisis. Er fährt zurück in seine Heimat, seine Mutter veranstaltet ein großes Fest. Aber wo ist das Glück, im Dorf oder in der Stadt? In der Welt der Medien oder sonstwo da draußen? Durch alle scheint ein Riß zu gehen, keiner scheint zuhause. Es kommt zum Eklat.

8. (-) 31 Punkte
JUDITH KUCKART: Die Verdächtige
DuMont Verlag

Leichtere Lektüre
Eine Frau gibt eine Vermisstenanzeige auf: Der Mann, den sie liebt, sei vor zwei Wochen in einer Geisterbahn verschwunden. Der Kommissar, der den Fall übernimmt, schaut aus wie George Clooney und verehrt Bob Dylan. Aus der Besorgten wird bald die Verdächtige. Ein Kriminalroman, gefangen in Melancholie.

9. (-) 28 Punkte
MARĺA CECILIA BARBETTA: Änderungsschneiderei Los Milagros
S. Fischer Verlag

Mittelschwere Lektüre
In der Änderungsschneiderei Los Milagros werden Schicksale geschneidert, Biographien vernäht, Leben geändert. Eines Tages erscheint Analía Morán, um sich aus dem Kleid ihrer Mutter ihr Hochzeitskleid machen zu lassen. Der Reigen beginnt – mit der Sprache als Schnittmuster.

10. (-) 27 Punkte
PETRA MORSBACH: Der Cembalospieler
Piper Verlag

Leichtere Lektüre
„Ohne Defekte keine Sehnsucht nach Kunst, also auch keine Kunst.“ Der Vater ein Trinker, der die Familie verlässt, die Mutter ein Dauervorwurf. Moritz Bauer stürzt sich auf das Instrument, das auch keiner recht mag. Er entdeckt seine Homosexualität. Mit zehn erfährt er von einer drohenden Erblindung. Es bleibt die Macht der Musik.

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