
missverständis, dem Känguruh
Die Überschrift macht die Problematik deutlich: Beim ersten Lesen denkt man an vielerlei. Doch es geht nicht um Politik, sondern um Kommunikation.
Dazu gab es heute eine Pressekonferenz und Preview im Museum für Kommunikation am Schaumainkai in Frankfurt. Museumsdirektor Dr. Helmut Gold wies darauf hin, dass es in der Exposition, die vorher im Berliner Museum für Kommunikation zu sehen war, nicht um den technischen Bereich von Verständigungsschwierigkeiten geht, sondern um Missverständnisse, die uns täglich begegnen und ganz unterschiedliche Auswirkungen haben – unbedeutende, tragische oder produktive.
Die Idee liegt bei beiden Kommunikations-Museen nahe. So sollte in den Häusern nicht nur gelungene, sondern auch misslungene Kommunikation präsentiert werden, äußerte Kurator Dr. Veit Didczuneit.
In zwölf Themenbereichen werden Ursachen und Folgen von Missverständnissen hinterfragt und anschaulich präsentiert. Sprache und Kommunikation geschieht in der Ausstellung dreidimensional.
Der Bereich „Mit allen Sinnen“ beschäftigt sich mit genauem Zuhören, richtigem Sehen, deutlichem Schreiben und Sprechen.
„Zwischen den Geschlechtern“ heißt ein weiterer Bereich, im Mittelpunkt steht das Thema Mann und Frau, symbolisiert durch ein mit Rosenblättern bestreutes Bett, in dem zwei Bildschirme – eingearbeitet in die Kopfkissen – Gestik, Mimik und Reaktionen von Frau und Mann zeigen.
Kinder und Jugendliche verstehen die Erwachsenen oft nicht – das ist eine uralte Erfahrung. Fehlendes Wissen führt oft zu komischen Situationen, von Axel Hacke im Weißen Neger Wumbaba herrlich beschrieben.
Ein Teppich ist Homonymen – Wörter mit Doppelsinn – gewidmet.
Unterschiedliche Sprachen führen seit biblischer Zeit zu Irrtümern und – äußerst tragisch – beispielsweise auch zu großen Unglücken wie dem Flugzeugzusammenstoß 1977 auf Teneriffa.
Gesten und Zeichen werden in einem anderen Bereich untersucht. Sie bedeuten weltweit nicht immer das Gleiche – so kann aus einem „alles O.K.“ der Taucher schnell anderswo eine Beleidigung werden.
Cartoons und Karikaturen verwenden Missverständnisse, um auf einen Blick groteske oder komische Situationen deutlich zu machen, sind aber nicht davor gefeit, selbst missverstanden zu werden.
Der Film, dem man sich in einer gemütlichen Kinoecke zuwenden kann, darf natürlich nicht fehlen. Von Charlie Chaplin bis Loriot sind hier Clips zu sehen.
Auf unterschiedliche Sitten in verschiedenen Ländern wird im Bereich „Reisen“ hingewiesen.
In der Kunst spielen Missverständnisse eine große Rolle. Schon in der Antike dienten sie beispielsweise Aristoteles als dramaturgisches Mittel.
Ein schönes Beispiel falsch verstandener Kunst, die berühmte Badewanne von Beuys, fehlt leider – sie sollte nicht Gegenstand einer Sammlung von Missverständnissen werden.
Eine „Allee der Missverständnisse“ vereint ausgewählte Beispiele von alltäglichen, folgenreichen und ungeklärten Missverständnissen.
Die interessante und aufschlussreiche Exposition wird morgen Abend mit einer Lesung von Felix von Manteuffel und Leslie Malton unter dem Thema Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel – Passagen aus Anleitung zum Unglücklichsein von Paul Watzlawick – offiziell eröffnet und ist bis zum 17. Mai 2009 zu sehen.
Zur Ausstellung ist in der Edition Braus ein umfangreicher Katalog erschienen, der auch über den Buchhandel erhältlich ist.
JF







