
Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch.
Frankfurter Rundschau
„Marx + Marx = Null“: Christian Schlüter schreibt über Das Kapital des Münchner Erzbischofs Reinhard Marx: „Koketterie eines Namensvetters“ (Pattloch) – aber es gibt noch zwei Buchtipps:
„Mit Chateau Latour und Cohen sehnsüchtig sein:“ Leonard Cohens Buch der Sehnsüchte aus seiner Zeit im Kloster (Blumenbar) sei eine „stille und kluge Lektüre auch für die, die nicht ins Kloster wollen“.
„Der gefährliche Schokoladenfabrikant“: Gemeint ist das Kinderbuch über den 11jährigen „Superman“ Tom Scatterhorn und der Saphir des Maharadscha von Henry Chancellor, „Ende gut, alles gut“ (Carlsen).
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Zuerst die Nachricht von einer „Noblen Kehrtwende“ im Streit innerhalb der Nobelpreis-Jury: Zumindest indirekt erklärt sie sich mit dem von der Mafia verfolgten Schriftsteller Roberto Saviano solidarisch, in dem sie ihn gemeinsam mit Salman Rushdie zu einem Gespräch über die Meinungsfreiheit eingeladen hat.
„Sex, Lügen und ein Prozess“: Sabine Brandt findet, dass der deutsche Titel Die sieben Seiten der Wahrheit des Romans von Elliot Perlmann (DVA) irreführend ist, aber die Lektüre „lohnt“ die Mühe.
„Es muss auch ohne Geheimnis gehen“: Hans-Peter Riese schreibt über Britta Schröder Konkrete Kunst: „Ein wichtiger Beitrag zur Geschichte der konkreten Kunst“ (Dietrich Reiner).
Kurz:
„Bierbrauers Stolz“: Es gibt wohl was zu lachen bei Andrea und Martin Schöb Piefkes, Krauts und andere Deutsche. Wie die Welt uns hält (Bucher)
„Hamburger Kopf“: Die Kurzkritik macht neugierig auf die Biographie von Volker Plagemann über Eduard Bargheer bei Ellert & Richer („dem wichtigsten Beitrag Hamburgs zur Malerei der Moderne“).
„Der Grabstein ist schon gemeißelt“: Joseph Hartmann schreibt über Jean-Eric Green, den Sohn von Julien Green, der ein Buch über „den Vater, Homosexualität und die Peinlichkeit Sarkozys geschrieben“ hat. Gibt’s aber wohl noch nicht bei uns.
Ach ja, Felix von Manteuffel, „Harry Potters neue Stimme“, wird auch vorgestellt … (kommt aber erst am 12. März 2009 beim Hörverlag).
Die Welt
Hans-Jörg Schmidt kommentiert neue Vorwürfe an Kundera Kunderas Gedächtnis und fragt, was „sonst noch so aus seinem Gedächtnis verdrängt hat …
… und Tilman Krause erinnert zu dessen 100. Geburtstag an den „Literarischen Herbergsvater“ Hans-Werner Richter.
Süddeutsche Zeitung
„Gefasste Haltung auf dem Todesweg“: Stephan Speicher schreibt über Moshe Zimmermanns Buch über die deutschen Juden seit 1938 Deutsche gegen Deutsche (Aufbau).
„Ein krosses Vögelchen auf der Polenta“: Kristina Maidt-Zinke findet zu viel „mittelschweizerischen Ernst“ in Gertrud Leuteneggers Roman Matutin (Suhrkamp)
und das LCB feiert Hans Werner Richters 100. Geburtstag. Tobias Lehmkuhl berichtet.
„Woher kommt das Sanfte?“: Meike Fressmann stellt Slavenka Drakulics Leben spenden. Was Menschen dazu bewegt, Gutes zu tun (Zsolnay) vor. Ihr Buch frage „nach der Güte“; Drakulic weise „mit Recht darauf hin, dass die abstrakte Sorge vor möglichem Missbrauch durch skrupellosen Organhandel auch einen Zug ins Gedankenlose und Bequeme hat.“
„Ausgeschütterter Spielzeugschrank“: Christian Welzbacher hält Friedrich C. Hellers Die bunte Welt für eine „große Geschichte der Kunst des Bilderbuchs“: „Weil Heller den Verbindungen von Autor, Illustrator und Verleger, von Thema, Bebilderung und Erziehungsauftrag intensiv nachspürt, lässt sich ‚Die bunte Welt’ als beispielhafte moderne Kulturgeschichte lesen.“
„Das Lehrhaus soll uns lehren“: In seinem Buch Vom Ende der Emanzipation (Vandenhoeck & Ruprecht) beschäftigt sich Thomas Meyer mit dem deutsch-jüdischen Geist der Jahre nach 1933. In den mittlerweile sechseinhalb Jahrzehnten nach dem Holocaust, behauptet Rezensent Michael Brenner, sei keine neue Generation von jüdischen Theologen und Philosophen in Deutschland herangewachsen …: „In dieser Beziehung liegt das deutsche Judentum heute noch ebenso brach wie in der Stunde seiner Vernichtung.“
Außerdem:
„Stilsicher“ – „eine vortreffliche Goncourt-Wahl“: Die Pariser Jury zeichnet das „knappe, elegante, beinah stenographisch ausgedünnte Werk „Syngué sabour“ mit dem Untertitel „Pierre de patience“ („Stein der Geduld“) des Franko-Afghanen Atiq Rahimi aus (P.O.L.) aus.
„Geliehene Stimme“: Michael Krüger liest Le Clezios Der Afrikaner (Hörverlag) ein.
„Rekord“: Mit 1.200.000 Titeln sei die Zahl der lieferbaren Bücher so hoch wie nie, meldet die SZ und stützt sich dabei auf eine Mitteilung des Börsenvereins.
„Erkundungen im Land des Feuers“: Das ethnologische Museum in Berlin-Dahlem zeigt noch bis zum 16.11. die Ausstellung Aserbaidschan – Land des Feuers. 5000 Jahre Geschichte und Kultur im Kaukasus, danach wandert sie nach Dresden ins Museum für Völkerkunde (3.12.08 bis 22.2.09). Den Katalog dazu gibt es im Reimer Verlag.
„Die Totale des Durchschnitts“: Das ZDF verfilmt Susanne Fröhlichs Moppel-Ich unter dem Titel „Treupunkte“ und „scheitert wieder einmal beim Versuch, lustig zu sein“ – meint jedenfalls Christian Mayer.
„Klassentreffen“: Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski feierte in Kitzbühel seinen ehemaligen Chef und „Vorvor-Gänger“ Mark Wössner, der im Oktober 70 Jahre alt wurde. Ebenfalls anwesend: Thomas Middelhoff. Der „Kitzbüheler Kreis“, so Thomas Schuler, sei unter Wössners Ägide eine jährlich tagende Runde von ca. 15 Mitarbeitern gewesen, die Einladung dazu wie „ein Ritterschlag“: „Die Männer stellten die nächste Führungsgeneration von Bertelsmann dar. ‚Wössner boys‘ nennen sie sich noch heute.“
Neue Züricher Zeitung
“Ophelia des Erinnerns”: Angelika Overath hält Zora del Buonos Canitz‘ Verlangen (Mare-Buchverlag} für ein „großartiges Debut“: Ihr Buch zeige, „wie erfrischend es sein kann, wenn eine Autorin, die ihr Handwerkszeug beherrscht, einen großen fiktionalen Wurf wagt.“
„Europa weiterdenken“: Georg Kreis rezensiert Wolfgang Schmales Buch Geschichte und Zukunft der europäischen Identität (Kohlhammer). Schmales Vorschläge „setzen sich freilich dem Verdacht aus, die hohen Zielsetzungen des Europa-Projekts mit einer Art Discount-Idee herabzuwürdigen. Sie haben aber den großen Vorzug, der Realität besser zu entsprechen.“
„Nahaufnahmen aus Namibia“: „Kann ein Buch, in dem auf mehr als 300 Seiten eigentlich nichts Nennenswertes passiert, trotzdem fesseln?“, fragt Irene Binal, die Peter Orners Die Wiederkehr der Mavala Shikongo (Carl Hanser) gelesen hat und gibt die Antwort schon im Untertitel ihrer Rezension: „In kleinen Episoden entwirft Peter Orner ein großes Panorama“.
Karl-Markus Gauss hat sich Margit Schreiners Buch Schreibt Thomas Bernhard Frauenliteratur? Über Literatur, das Leben und andere Täuschungen (Schöffling) angenommen: Schreiners Metier sei nicht die kulturpessimistische Litanei, sondern das „Das Hohelied des Scheiterns“.