Gestern ging das 5. WEKAZukunftsforum zu Ende. Am Ende stellte es vor die Frage: Welche Zukunft hat der (Fach)-Buchhandel in Zeiten zunehmender Digitalisierung?
Deutlich wurde, dass sich Fachbuchhändler zu wenig mit dem Vertrieb von digitalen Inhalten positionieren. Geschäftsführer Werner Pehland untermauerte seine Feststellung, die er zu Beginn der Tagung gegenüber buchmarkt.de äußerte [mehr…], dass der Buchhandel nicht an den Wachstumsgeschäftsbereichen der WEKA partizipiere.
Im letzten Jahr habe die WEKA über 7 Mio. Umsatz allein im Online Bereich gemacht. Doch der Handel partizipiere nur im einstelligen Prozentbereich am Online-Geschäft, während sein Anteil im Vertrieb der WEKA-Produkte insgesamt bei knapp 20 Prozent liege. „Da liegt noch Potenzial“, so Pehland.
Dazu stellte er einen Vergleich auf: Den Anteil am WEKA-Gesamtumsatz bestreiten Loseblattwerke zu 42, CD Roms zu 26, Online zu 24, Seminare zu 8 Prozent. Dagegen sehe die Umsatzverteilung von WEKA-Produkten beim Handel anders aus: Der vertreibe zu 56 Prozent Loseblattwerke und nur zu 7 Prozent Online-Produkte. „Der Buchhandel ist dort schwach, wo bei uns das Wachstum stattfindet“, so Pehland, der den Handel gern weiter einbinden möchte.
Insbesondere der letzte Teil der Tagung machte nachdenklich. Marius Dannenberg, Professor für neue Medien und E-Business an der Hochschule in Darmstadt, gab Einblicke in Zukunftsvisionen elektronischer Entwicklung und wie sie auch den Buchmarkt erreichen kann.
Dabei machte er deutlich, dass die E-Book-Technologie, wie sie jetzt diskutiert werde, erst am Anfang stehe. „Einst kostete ein Byte Arbeitsspeicher so viel wie ein Einfamilienhaus, heute so viel wie eine Büroklammer“, sagte er. Am Anfang brauchte man für einen Computer einen Raum, heute gäbe es den Laptop und das Handy. Diesem Trend werden auch die E-Books folgen. „Wir erleben da erst die Einstiegsmodelle“, so Dannenberg.
Er zeigte wie heute schon an der Entwicklung immer kleinerer Datensepeicher, die die Festplatten ablösen werden, gearbeitet wird. Er stellte vor, wie viele Firmen weltweit an der Technologie des E-Paper arbeiten, in Deutschland wird das sogenannte OLED entwickelt, das bereits ohne einen sichtbaren Computer mit Inhalten beladen werden kann. Erste Tests in Schweden zeigen, dass E-Paper sogar als Lautsprecher fungieren und Hörbücher abspielen können. „Je mehr die Geräte nicht mehr wie ein Computer aussehen, desto mehr wird sich die Elektronik durchsetzen und dafür müssen Geschäftsmodelle erfunden werden“, so Dannenberg. Er befürchtet, dass mit der weiteren Entwicklung von Technologien traditionelle Vertriebsformen bedroht seien „Sie müssen aufpassen: Gibt es Substionspotenziale, so dass Sie überflüssig werden?“, fragte er offen.
Dannenbergs Vortrag fand auf Gut Kerschlach statt, dem Domizil von Unternehmenseigner Werner Mützel, der das Gut als Biobauernhof betreibt und der gemeinsam mit Chief Executive Officer Dr. Heinz Weinheimer den Vortrag ebenfalls verfolgte. „Die Zukunft gehört der Digitalisierung“, sagte Mützel gegenüber buchmarkt.de im Anschluss.
Zuvor hatte Mützel die Fachbuchhändler über das Gut geführt. 1996 hatte er sich damit einen Traum erfüllt. „Ich bin bei uns in Kissing mit vielen Tieren in der Umgebung aufgewachsen und wollte immer einen eigenen Hof haben“, sagte er. So habe er sich die ehemaligen Klostergebäude an der südlichen Spitze des Ammersees gekauft und zu einem Biobauernhof umgebaut.
Thematisch ging es auf der Tagung um Strategien, sich auf die neue Zukunft einzustellen. So zeigte Helge Alexander Dittmann, Psychologe und selbständiger geschäftsführender Gesellschafter der Interconnection Consulting Group neue, praxisorientierte Auswirkungen des Neuromarketings für den Verkauf auf. „Neuromarketing ist das große Zukunftsthema im Verkauf“, so Dittmann.
Die meisten Entscheidungen treffe der Käufer unbewusst nach einem Raster von unterschiedlichen Kriterien. Diese orientierten sich an dem Wunsch nach Sicherheit, Erregung, Autonomie und Statusbewusstsein. „Motive erkennen und Motiv gerecht verkaufen“ sei die zukünftige Herausforderung im Verkauf und nannte ein Beispiel: „Der Kunde kauft Fachinformationen zum Brandschutz nicht wegen der Information, sondern damit er auf der sicheren Seite ist, um in seinem Unternehmen nichts falsch zu machen und sich zu schützen“, so Dittmann.
WEKA-Geschäftsführer Mirko Meurer stellte die Strategien im Verlagsbereich Bau vor. Meurer will unter anderem das Fachzeitschriftengeschäft ausbauen. Dazu gehöre die Übernahme er Zeitschrift Dachbau Magazin zuum 1.1.2009. Die Zukunft liege in der mobilen Anwendung bereit gestellter Informationen für Bauleiter, so Meurer, der darin den kommenden Trend sieht. Deshalb werde die Ausrichtung auf Software, Portale und Workflow-Tools weiter ausgebaut.
Elmar Wach Berater und Inhaber der Elmar/P/Wach eCommerce Consulting gab praktische Tipps zu Gestaltung von Webshops. Er ist überzeugt: „Der Kunde hat eine neue Rolle bekommen, der Austausch und die Meinungen von Kunden wird sich viel stärker auf den E-Commerce auswirken.“
Die Funktionsweise des neuen WEKA Business Portals stellte Michael Bruns, Leiter Produktmanagement, bei der WEKA vor. Ziel sei es, das Internetprortal noch weiter zu vereinheitlichen. So sollen in Zukunft auch die CD-Roms die gleiche Oberfläche erhalten wie das Online-Portal. „Wenn ein Kunde zu Online wechselt, dann soll er keinen Unterschied spüren“, so Bruns.
Als Highlight hatten Vertriebs- und Marketingleiterin Handel Christiane Rothuber und ihr Team für ihre Gäste einen Besuch in der BMW-Welt und eine Werksführung durch den Münchener Standort des Autobauers organsiert. Dort konnten die Fachbuchhändler aus ganz Deutschland erleben wie aus Rollen von unterschiedlichen Blechen unterstützt von tausenden von Computer gesteuerten Robotern mehrere verschiedene Autotypen gefertigt wurden und vom Band rollten.






