
bei der Lesung
Einen Erzähler „von europäischem Rang“ nannte ihn die FAZ. Und doch ist der Berliner Schriftsteller Rudolf Lorenzen, Jahrgang 1922, weitgehend unbekannt. Der Berliner Verbrecher Verlag legt Lorenzens Werke neu auf.
Seit dem Start der Werkausgabe vor knapp zwei Jahren sind bereits vier Bücher erschienen, darunter die Romane Alles andere als ein Held und Die Beutelschneider. Gestern stellte der Verbrecher Verlag im Kreuzberger „Monarch“ die Neuerscheinung Bad Walden vor.
Jörg Sundermeier, einer der beiden Verleger, entlockte dem Autor die spannende Entstehungsgeschichte des Buches: Als Lorenzen 1980 für das ZDF einen Kriminalroman als Filmvorlage auswählen sollte, verfasste er kurzerhand selbst ein Drehbuch. Er habe aber keinen der üblichen Ermittlungskrimis geschrieben, sondern ein eigenes Genre ersonnen, den Bedrohungsroman, erzählte Lorenzen. Zwar wurde das Drehbuch angenommen und der Film „Grüße aus Bad Walden“ noch im selben Jahr gesendet, doch der Regisseur habe das Thema des Bedrohungskrimis nicht verstanden und versucht, das Drehbuch zu entschärfen und zum Ermittlungskrimi zu verdichten.
Das gefiel Lorenzen gar nicht: „Um das Thema für mich zu retten, schrieb ich das Drehbuch zum Roman um.“ Doch auch die Romanfassung, die 1981 im Fischer Verlag als Taschenbuch erschien, erlebte ein ähnliches Schicksal wie der Film: Die ursprüngliche Handlung ging verloren. Für die Neuerscheinung hat Lorenzen den Roman komplett überarbeitet und weitgehend neu geschrieben: Jetzt ist die Bedrohung allgegenwärtig und Lorenzen zufrieden.
Die Zuhörer applaudierten begeistert, als Verleger Werner Labisch aus dem Buch gelesen hatte und Lorenzen musste viele Bücher signieren.
Übrigens: Die Leser können Lorenzen nicht nur wieder, sondern auch neu entdecken. Lorenzen arbeitet schon wieder an einem neuen Roman, nachdem er einen weiteren gerade fertig geschrieben hat. Ohne Liebe geht es auch knüpft an Alles andere als ein Held an und wird voraussichtlich im Herbst 2009 erscheinen. Zudem arbeitet der Verlag an einer Sammlung mit Lorenzens Hörfunkbeiträgen über Tanzmusik aus dem 19. und 20. Jahrhundert: Rhythmen, die die Welt bewegten.
ML
Homepage der Verlags: (www.verbrecherei.de
Auf den Fotos:
Werner Labisch und Rudolf Lorenzen (v.l.) bei der Lesung
Jörg Sundermeier und Rudolf Lorenzen (v.l.) im Gespräch