
mit Journalisten
Zur „Entenjagd online“ hatte sich eine Gruppe von 20 Social Web Networkern gestern zum Wissensaustausch im Artist River Side Hotel an der Spree in Berlin eingefunden.
Organisator Klaus Eck (nein, nicht der Random House-Verleger, sondern sein Namensvetter, der unermüdliche PR-Berater in Sachen Internet) konnte Albrecht Ude, einen schon seit 15 Jahren auf Onlinerecherche spezialisierten Journalisten als Referenten gewinnen.
Ude berichtete, wie ungeprüft Nachrichten den Weg in die Öffentlichkeit finden, weil Journalisten, so seine Erfahrung, in der Internetrecherche nicht geübt oder gar ausgebildet sind. Wie vermeidet ein Journalist, ein Webbenutzer, dass er nicht auf eine Ente wie die folgende reinfällt?
Kurz nach Silvester 2006 wurde die Nachricht ins Netz gestellt, der Bund der Juristen habe sich unter dem Vorsitz von Claus Grötz, Strafrichter am Bundesgerichtshof, für eine Abkehr vom bisherigen Folterverbot ausgesprochen. Daraus wurde dann eine Spitzenmeldung, die es sogar bis in die deutschen Top-Medien von Spiegel-online bis zum WDR geschafft hat. Selbst die Grünen hatten bereits eine empörte Stellungnahme dazu bereit.
Der Medienaufruhr, so Ude, wäre leicht zu vermeiden gewesen, wenn sich nur mal ein Journalist die Mühe gemacht hätte, die Domain des „Bundes Deutscher Juristen“ richtig anzusehen. Denn: Die Webseite war erst kurz vorher an der Start gegangen, ein „Bund Deutscher Juristen“ existiert genauso wenig wie ein BGH-Richter namens Claus Götz. Die Medien waren am Neujahrsmorgen auf eine gefakte Meldung hereingefallen.
Als positives Beispiel für eine Netzrecherche, wie sie einem Journalisten selbst vor Ort nicht besser hätte gelingen können, führte Ude dann noch den Amerikaner Mike Walker an, der allein durch die Kenntnis der Funktionsweise des Internets und trotz Unkenntnis der chinesischen Sprache nachgewiesen hat, dass die chinesische Sportlerin He Kexin nicht 16, sondern erst 14 Jahre alt ist und damit nicht an den Olympischen Spielen in Bejing hätte teilnehmen dürfen.
Die Diskussion nach dem kurzweiligen Vortrag war rege, der persönliche Austausch lebhaft, da der richtige Umgang mit Informationen aus dem Netz ist nicht nur für Journalisten ein wichtiges Thema ist.