Hier die ausführliche Auflösung des Rätsels ([mehr…]):
Der Mann, der am 4. Oktober 1859 starb und dessen Name zum Synonym für die Literaturgattung Reiseführer wurde, hieß Karl Bädeker und änderte den Namen nach internationalen Erfolgen in Baedeker. Er war der Sohn von Gottschalk Dietrich B. (1778-1841), dessen Vater Zacharias B. 1775 in Essen die noch heute bestehende Buchhandlung gegründet hatte, die jetzt zur Buch und Kunst GmbH und damit zur Thalia-Gruppe gehört. Der Urgroßvater, der wie sein Enkel Gottschalk Dietrich (= G.D.) hieß, war Stadtbuchdrucker in Dortmund (1713-1778).
Karl Baedeker eröffnete am 1. Juli 1827 in Koblenz eine Buchhandlung und erwarb dort später den Verlag von Friedrich Röhling. Dieser hatte 1828 den ersten Rheinreiseführer herausgebracht, die „Rheinreise von Mainz bis Cöln, Handbuch für Schnellreisende“ von J.A. Klein. Baedeker brachte den Reiseführer 1835 neu heraus und bearbeitete und aktualisierte ihn. Die zu seinen Lebzeiten erschienenen fünf weiteren Reiseführer schrieb er selbst. Später ging die Herausgabe an Redakteure bzw. Autoren über. Die Anekdote vom „Erbsenzählen“ geht auf den Freiherrn Karl Gisbert Friedrich von Vincke zurück und ist unter „Karl Baedeker“ in Wikipedia nachzulesen.
Die „Roten Baedeker“ wurden zum Prototyp des modernen Reisehandbuchs. Vorbild waren die „Red Books“ des englischen Verlegers John Murray jun., von dem Baedeker auch die Tradition der ein oder zwei Sterne für die Kennzeichnung besonderer Sehenswürdigkeiten übernahm. Bis 1900 erschienen 76 Reiseführer in 654, z.T. englisch- und französischsprachigen Auflagen.
Baedekers Sohn Ernst übernahm den Verlag nach dem Tod des Vaters, starb aber schon 1861. Den Verlag führt dann Karl Baedeker II., ab 1869 zusammen mit Fritz Baedeker. 1872 wurden Verlag und Redaktion der Reiseführer nach Leipzig in getrennte Büroräume verlegt. 1878 schied Karl Baedeker II wegen Krankheit aus der Firma aus. Heinrich Ritter, Herausgeber der Reiseführer und seit 25 Jahren Mitarbeiter im Verlag, wurde Teilhaber. 1897 trat Hans Baedeker in die Firma ein und wurde 1899 Teilhaber; Ernst Baedeker II. wurde 1905 Prokurist und 1909 Teilhaber.
1917 starb Heinrich Ritter. Dietrich (Diez) Baedeker wurde Teilhaber. 1925 starb Fritz Baedeker, Hans Baedeker wurde Seniorchef. 1936 wurde Karl-Friedrich Baedeker (Karl Baedeker IV.) Redakteur. Ab 1939 erschienen keine neuen Bücher mehr, 1944 Zerstörung von Verlag und Archiv bei einem Bombenangriff auf Leipzig.
1948 wurde der Verlag in Malente in Schleswig-Holstein neugegründet, 1956 übersiedelte er nach Freiburg i.B. 1951 wurde zusätzlich von Karl Friedrich Baedeker, Oskar Steinheil und Kurt Mair in Stuttgart der Baedeker-Autorführer Verlag als Zweigniederlassung gegründet. Für den Shell Touring Service wurde eine Serie kleiner Auto-Reiseführer für deutsche Reisegebiete herausgebracht, ab 1953 auch große Länderführer für die europäischen Staaten. 1979 begannen die bis heute fortgeführten Baedeker Allianz Reiseführer zu erscheinen, daneben gibt es die Baedeker Städteführer.
Nach dem Tod von Karl Friedrich Baedeker (1979) und dem Unfalltod seines Sohnes Florian (1980) verkaufte Eva Baedeker den Freiburger Verlag an Langenscheidt. 1987 wurden die beiden Baedeker Verlage (Stuttgart-Ostfildern und Freiburg/München) zur Karl Baedeker GmbH vereinigt. 1997 erwarb Mairs Geographischer Verlag den Verlag Karl Baedeker mit allen Namensrechten zu 100 %. Die Gesamtgruppe firmiert heute als MAIRDUMONT.
Quelle: Baedeker Allianz Reiseführer. Ein Name wird zur Weltmarke. Stuttgart: Verlag Karl Baedeker GmbH 2003
Siehe außerdem:
Reiseleben. Sonderheft 1, 1984: Wer war Karl Baedeker?
Hinrichsen, A.W.: Baedekers Reisehandbücher 1832–1944. Holzminden 1981
Ein Exemplar von Bücher und Buchhändler von Wolgang E. Heinold hat Ruth Fink, Thalia Regionalmarketing, Hamburg gewonnen.