Das Archiv seines Leipziger Verlags mit umfangreichen Unterlagen und Dokumenten hat der Reclam Verlag nun dem Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig zu Forschungszwecken zur Verfügung gestellt.
Die Rückführung des Archivs zu Forschungszwecken nach Leipzig ist auf drei Jahre befristet. Derzeit werden Unterlagen digitalisiert, damit das Material auch nach der Zeit des Forschungsprojekts der Leipziger Buchwissenschaft zur Verfügung steht.
Wie der für die Aufarbeitung des Archivs verantwortliche Buchwissenschaftler Prof. Dr. Siegfried Lokatis vom Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft erläutert, dient das Archiv des Leipziger Reclam Verlags nun der Aufarbeitung der komplizierten und spannenden Geschichte des DDR-Verlages.
Geplant sind eine Dissertation und ein Sammelwerk, das mit Hilfe der kundigen Zeitzeugen, Verlagsmitarbeiter, Autoren, Buchgestalter, Leser und Kooperationspartner die enorme Vielseitigkeit der Produktion dokumentieren und auch die Hintergründe mancher Buchprojekte freilegen soll.
Zahlreiche Bücher des Verlages, so Lokatis, hätten einiges dazu beizutragen, die Wende von 1989 mit vorzubereiten.
Das weitgehend vollständige und vorbildlich erschlossene Archiv umfasst die Verlagsakten aus dem Zeitraum zwischen 1945 und 1997, das Bildmaterial zur Universal-Bibliothek, ein Fotoarchiv, Kataloge, Plakate und Werbematerialien sowie ein Bucharchiv, das die Tätigkeit des ostdeutschen Verlages bis zur Schließung der Leipziger Zweigstelle 2006 spiegelt.
Von 1947 bis zur Reprivatisierung des Leipziger Verlags im Jahr 1991 gab es zwei Reclam Verlage: einen in Leipzig und einen in Stuttgart. Nach und nach zogen in den Jahren nach dem Mauerfall einzelne Verlags-Bereiche von Leipzig nach Stuttgart, bis es 2007 nur noch einen Reclam Verlag mit Sitz in Ditzingen bei Stuttgart gab.