40 Prozent aller Hörbuchkäufer würden laut GfK für eine schönere Verpackung mehr Geld ausgeben. Schöne Hörbücher gibt es schon zahlreich auf dem Markt und bescheren Buchhändlern eine größere Marge.

wieder die schönsten Hörbücher in einer Sonderausstellung
Die Regel gilt auch heute noch: Hörbuchkäufer sind wenig preissensibel – weil sie wissen, wie hochwertig die meisten Audioproduktionen sind. Für ein Hörbuch eines aktuellen Romans, das 6 CDs umfasst, würden zwei Drittel der von der GfK Befragten gut 20 Euro bezahlen – ein weiteres Drittel würde sogar 25 Euro akzeptieren. Tatsächlich noch mehr bezahlen würden Hörbuchkäufer nur, wenn es sich um eine aufwändige Hörspielproduktion handelt, prominente Sprecher eingesetzt werden – oder: wenn eine besondere Verpackung gewählt wird.
„Unser anspruchsvoller Kunde soll die Sicherheit haben, für sein Geld ein rundum individuelles und wertiges Hörbuch in der Hand zu haben“, erklärt Hörverlag-Vertriebsleiterin Anke Hardt. Je virtueller der Alltag, desto größer sei das Bedürfnis nach Haptik: „Hörbücher lassen sich heben, öffnen, drehen, entdecken und sind so schön, dass man sie gerne verschenkt oder einfach selbst besitzen möchte. Die Verkaufszahlen bestätigen dies.“
Aber auch hier gilt es zu segmentieren: Im Massenmarkt geht der Trend zum „normalen“ Hörbuch in der (Plastik-)Multibox – einerseits für den schnellen Konsum, andererseits als kalkulierbare Hülle für Nachauflagen. Auf der anderen Seite finden hochwertige Editionen und ideenreiche Verpackungen immer mehr Sammler und Liebhaber.
„Es wird eine friedliche Koexistenz geben, in der sich Haptik und digitale Angebote je nach Verwendungsbedarf ergänzen. Buchhandlungen der Zukunft werden beides anbieten“, hofft Boris Udina, Vertriebsleiter bei audio media. „Ein gutes Cover wirkt immer: im Regal wie auch im Internet.“
Dass das Auge mithört, unterstreicht die Leipziger Buchmesse nun schon zum dritten Mal mit einer einmaligen Ausstellung: Zwischen Hörbuch-Café und Gemeinschaftsstand der Hörbuchverlage wird in großen Glasvitrinen eine Auswahl der wichtigsten „schönsten Hörbücher“ präsentiert, aber auch ausgefallene Ideen und Mammutwerke sind zu sehen.
2007 und 2008 nutzten viele Messegänger die Gelegenheit, sich über die „Ear- und Eyecatcher“ zu informieren, darunter auch viele Buchhändler, die ihren Kunden etwas Besonderes bieten und sich auf der Messe Anregungen holen möchten. Gerade zu festlichen Anlässen wie Ostern, Weihnachten oder Valentinstag kann sich ein Aktionstisch mit „Hinguckern“ lohnen, schon wegen der höheren Marge durch höhere Verkaufspreise.
„Nach unserer Einschätzung nimmt die Bedeutung der Verpackungsoptik trotz – oder gerade wegen – der zunehmenden Digitalisierung nicht ab, sondern sogar zu“, stellt Melanie Buschkühl fest, Pressesprecherin bei Terzio. „Viele Kunden wünschen sich eine hochwertige, stimmige Verpackung. Das gewisse Etwas ist ausschlaggebend, nicht zwingend der Preis.“
Ein Beispiel sei das Jazz-Hörspiel „Major Dux“ von Martin Baltscheit und Sandra Weckert, bei dem bewusst eine Anmutung gewählt wurde, die an klassische Jazzplatten erinnert. „Hier haben Inhalt und hochwertige Ausstattung perfekt harmoniert und damit die Zielgruppe punktgenau angesprochen – sicherlich ein wesentlicher Anteil am Erfolg dieses Hörspiels.“
Auch Eichborn/Lido leistet sich den Luxus aufwändiger Verpackungen, zum Beispiel bei Gustav Schwabs „Klassischen Sagen“ in edlen Digipacks im Schuber und mit umfangreichem Booklet. „Dadurch wollen wir uns mit den physischen Produkten auch klar vom Download abgrenzen und gerade bei Sachthemen einen Mehrwert für den Käufer schaffen“, erklärt Lido-Chefin Christine Härle.
So macht es dann auch Sinn, diesen Mehrwert auf der Verpackung offensiv anzupreisen: „Einem Großteil unserer Audionauten-Titel liegen Poster bei, um die wunderbaren Illustrationen der Buchvorlagen auch im Hörbuch mitzutransportieren“, so Ines Wallraff, Random House Audio. „Auch lassen wir eigens für Titel aus dem Audionauten-Programm Lieder komponieren. Dies wird auf unseren Titeln als Mehrwert über Sticker oder Einbindung auf dem Artwork hervorgehoben.“
Schöne Typographie, hochwertiges Leinen, gutes Papier – im Buchbereich ist Diogenes dafür bekannt, hält es aber auch so mit seinen Hörbüchern. Aufwändige Verpackungen kommen vor allem bei der Sammler-Edition zum Zuge, in der Diogenes-Klassiker und Hausautoren erscheinen. „Und die schöne Optik bringt auch etwas für den Verkauf“, freut sich Pressesprecherin Ruth Geiger. „Das zeigt das Beispiel der Editon von Maughams ‚Regen und andere Meistererzählungen‘, von der wir schon mehrere tausend Exemplare verkauft haben.“
Doch bei allem Sinn für Luxusverpackungen sollte der eigentliche Inhalt nicht vergessen werden, d.h. der Aufwand der Verpackung sollte nicht zu Lasten der Aufnahme gehen oder den Preis unverhältnismäßig verteuern. Zudem ist eine robuste Verpackung oft zwingend notwendig: „Gerade bei Kindertonträgern, die zwar gleiche Kosten verursachen, aber nur die Hälfte eines Erwachsenen-Hörbuchs kosten dürfen, können wir bei der Verpackung nichts drauflegen“, sagt Rainer Gussek von Audiolino.
Seine Kollegin Gabi Lukomski von Igel-Records fügt hinzu: „Ich bin auch nicht der Meinung, dass ein Jewelcase besonders schäbig oder unpassend wäre. Das grafische Design macht viel aus und kann eine Standardverpackung sehr anspruchsvoll wirken lassen.“
Bei großen Ausgaben, wie z.B. den „Tintenwelt“-Hörbüchern von Cornelia Funke, erfordert allein der Umfang eine spezielle Verpackungslösung, so dass die aufwändige Gestaltung das Hörbuch auch grafisch zu etwas Besonderem macht – analog zu einem wertvollen Geschenkbuch oder einem Bildband.
„Damit geben wir den Produktionen einen bibliophilen Charakter und stellen die Verbindung zum Buch her. Schließlich handelt es sich um ein Buch zum Hören, um Literatur für die Ohren“, stellt GoyaLiT-Pressesprecherin Christine Eschstruth fest. So sind die Funke-Hörbücher ebenfalls in Leipzig zu sehen, zusammen mit dem gleichsam schön gestalteten Hörspiel zum Film.
Insgesamt stehen in den Vitrinen der Buchmesse weit über 100 Exponate. Hier eine Auswahl weiterer schöner Hörbücher in der Ausstellung:
• die „Hörwerke“-Boxen des Hörverlags, u.a. mit Werken von Thomas Mann, ebenso die liebevoll gestalteten Proust-Boxen. Die Ausstattung ist brillant, die Booklets besonders umfangreich.
• Brandneu auf dem Markt sind die neu eingelesenen „Harry Potter“-Hörbücher, diesmal mit Felix von Manteuffel (Hörverlag). Seine Lieblings-Kaffeetasse aus dem Tonstudio, die er einem guten Zweck gestiftet hat, darf da natürlich nicht fehlen.
• Random House Audio steuert die 40-CD-„Shakespeare Box“ bei, eine Zusammenstellung aus deutschen Hörspielarchiven und das umfangreichste Hörwerk zu Shakespeare in Deutschland.
• Die Reihe „Afrika erzählt“ von steinbach sprechende bücher, ausgezeichnet mit dem Deutschen Hörbuchpreis 2008 – eine wunderbare Zusammenstellung unbekannter afrikanischer Romane.
• „Chocolat“ von Steinbach: Der Film ist weltberühmt, die Geschichte wunderschön – und das Hörbuch in original Lindt-Pralinenschachtel wirklich schmackhaft.
• So schön und edel wie Bücher sind die schmuckvollen Samtboxen des Argon Verlags, z.B. „Verstand und Gefühl“ (Jane Austen) und „Mario und der Zauberer“ (Thomas Mann).
• Die beeindruckende Lesung von Ulrich Noethen: „Vom Winde verweht“ auf 40 CDs (Hoffmann und Campe). Die Hoffnung ist groß, dass auch das 53-CD-Mammutwerk „Krieg und Frieden“ (DAV) es noch rechtzeitig in die Ausstellung schafft.
• Eine wahre Augenweide: „Die Tore der Welt“ von Ken Follett als „Limited Edition“ mit nur 1300 Exemplaren (Lübbe Audio).
• Von Patmos stammt „Der Hör-Conrady“, das größte Lyrik-Projekt Deutschlands: gut 1100 Gedichte von mehr als 460 Dichtern, gelesen von 14 bekannten Sprechern.
• Passend zum ersten Holz-Hörbuch der Welt („Der Sängerkrieg der Heidehasen“) stellt die Hörcompany auch Holztheaterbühnen aus – zum Basteln und zum Weiterspielen der Hörspielgeschichten.
• Ein Fest für die Sinne sind die fantasievoll gestalteten Bücher „Ägypten“, „Drachen“ und „Magie“ des Hörverlags mit beiliegender Hörspiel-CD.
• Reisehörbücher der besonderen Art stellt die Länder-Reihe von Silberfuchs (z.B. „Deutschland“, „Türkei“, „Israel“) – bis ins Detail schön gestaltet und umfassend informativ.
• Beeindruckend ist auch die Reihe „Wegwärts“ von Headroom, gerade nominiert für den Deutschen Hörbuchpreis 2009 als beste verlegerische Leistung. Stadtpläne von exotischen Zielen der Welt bilden die Umhüllung der optisch wunderschönen Digipacks.
• Verpackungsspezialist Audiobuch steuert Audio-Adventskalender und Hörbücher in ausgefeilten Geschenkverpackungen bei. Ein aktueller Tipp zum Valentinstag und für die Osterzeit sind die Audiobuch-Hörbücher in Herz- und Ei-Form.
• Wer schon fürs Weihnachtsfest plant, findet sicher Anklang mit dem Hörbuch „Warten aufs Christkind“, einer Keksdose aus Blech mit beiliegender CD und den passenden Förmchen zum Backen (Hörverlag).
• Zeitlos passend ist das Geschenkhörbuch „Happy Birthday“, ebenfalls vom Hörverlag: Die Box enthält eine Geschichtensammlung und eine Einwegkamera für spontane Geburtstagsfotos.
• Leihgaben der Deutschen Grammophon sind Schellackplatten aus den 30er Jahren und die ersten deutschen Hörbücher nach dem 2. Weltkrieg: „Faust I“ und „Faust II“.
• Auch das erste US-Hörbuch ist zu sehen: „A child’s christmas in Wales“ von Dylan Thomas. Die LP-Aufnahme gibt es heute als moderne CD zu kaufen (Caedmon Records).
Fazit: „Die Verpackung hebt den Wert des Hörbuchs, denn nicht selten kosten Hörbuchproduktionen fünfstellige Euro-Beträge“, erklärt Theresia Singer von Headroom. „Deshalb demonstrieren eine schöne Verpackung und ein aufwändiges Booklet auch nach außen: Wir machen uns Mühe! Wir produzieren Schönes!“
rw