
„titanisch“ durch den Abend
Zehn Tage nach der Feier zum 20-jährigen Bestehen des Künstlerhauses Mousonturm in Frankfurt, die am 29. Dezember stattfand, waren Saal und Studio erneut ausverkauft: Unter dem Motto „schenken macht schön“ zelebrierte Tom Produkt ein Literaturfest.
Durch den Abend am 9. Januar führte Ex-Titanic-Chef und Moderator der legendären TitanicBoyGroup Oliver Maria Schmitt – nicht ohne nebenbei auf die bevorstehende Premiere seines neuen Buches Der beste Roman aller Zeiten, dass am 16. Januar bei Rowohlt Berlin erscheinen wird, hinzuweisen und zur Präsentation ins Pik-Dame in Frankfurt einzuladen.
Schmitt propagierte 2009 als das „Jahr des lebenslangen Leidens“ und versprach für den Abend eine Kostprobe davon. Mousonturm-Stammgäste und Titanic-Freunde wussten, worauf sie sich einließen – und begrüßten dementsprechend mit viel Beifall die ersten Lese-Gäste Wigalf Droste und Ralf Sotschek. Während Sotschek mit trockenem Humor von der Tradition des Truthahn-Essens in Irland berichtete, erzählte Droste von Kaffeehausgesprächen kurz vor Weihnachten und las aus Häuptling Eigener Herd.
Sotschek geiselte anschließend die berühmt-berüchtigte Urlaubs-Dia-Veranstaltung und stellte fest, dass sich nur Sadisten solcherlei ausdenken können, denn mit Hilfe des Projektors lasse sich vom Bediener desselben auch noch die Durchlaufgeschwindigkeit der Bilder regeln.
Droste spießte anschließend die Unart „to go“ auf, neben Kaffee gibt es auch „Essen to go“, offensichtlich eine Weiterentwicklung von „Essen auf Rädern“. Folgerichtig bezeichne dann auch „Coffee to go“ den direkten Weg von der Überholspur zur Schnabeltasse.
Ulrike Sterblich als Supatopcheckerbunny und Stese Wagner als Hilfscheckerbunny äußerten sich über den Bachmann-Preis, Tommes Mään und andere Schriftsteller und erklärten dem Publikum ihre Welt.
Frank Schulz schilderte gnadenlose Umzugsmomente, verwickelte Freundschaften und weitere Nerven raubende Alltäglichkeiten.
Über andere Völker und verschiedene Berufe gab Thomas Gsella in seinen bösen Reimen Auskunft.
Matthias Keidtel brachte seinen Helden Holm ins Spiel, einen Mann in den besten Jahren, bei der Tante lebend und völlig weltfremd, doch endlich auf allzu stelzigen Freiersfüßen unterwegs.
Diese ersten beinahe drei kurzweiligen Stunden vergingen rasch. Anschließend luden Jaques Palminger und seine Kings of Dub Rock zum musikalischen Teil des Abends ins Studio ein.
Der Abend war ein schönes und außerordentlich passendes Geschenk im gerade begonnenen 21. Jahr des vielseitigen Künstlerhauses Mousonturm.
JF