Die Februarliste führt unverdrossen John le Carré mit Marionetten an, gefolgt von Matt Beynon Rees’ Ein Grab in Gaza. Rees ist ehemaliger britischer Korrespondent für den Nahen Osten und lebt heute als freier Schriftsteller in Jerusalem. Sein Amateurdetektiv Omar Jussuf repräsentiert die Stillen im Palästinensergebiet. Auch in seinem zweiten Roman ermittelt Omar Jussuf gegen die palästinensischen Machthaber.
Neu auf der Februarliste ist Christine Lehmann mit einem fulminanten Krimi, der auf dem Mond spielt, aber in den Realitäten Baden-Württembergs bzw.Schwabens geerdet ist. Absolut lesenswert! Die Schwedin Åsa Larsson legt mit Bis dein Zorn sich legt ihren vierten Roman vor, der wieder ganz in Kiruna angesiedelt ist. Und mit Kolyma lesen wir jetzt den zweiten Roman des jungen Briten Tom Rob Smith über die Gräuel der stalinistischen Sowjetunion. (Jurysprecher Tobias Gohlis)
Hier die komplette KrimiWelt-Liste für Februar:
1. (1) John le Carré: Marionetten. Ullstein
Hamburg: Terrorist oder kein Terrorist? Flüchtling Issa, tschetschenischer Muslim, will ein Vermögen an islamische Hilfsorganisationen spenden. Das lockt amerikanische, englische und deutsche Geheimdienste an. Und gutmeinende Helfer. Klare Fronten? Doch nicht im Krieg gegen den Terror. John le Carré at it’s best.
2. (-) Matt Beynon Rees: Ein Grab in Gaza. C.H.Beck
Gaza-Stadt/Rafah: Omar Jussuf, Lehrer und Amateurdetektiv aus Bethlehem, inspiziert Schulen im Gazastreifen. Hier herrschen die Unsitten: gekaufte Unidiplome, Geiselnahme, Raketenschmuggel, Attentate. Palästinenser tun das Palästinensern an. Omars Stimme der Vernunft schwillt an: von sarkastisch zu schrill.
3. (3) Kate Atkinson: Lebenslügen. Droemer
Edinburgh/Yorkshire: „Ein Zufall ist eine Erklärung, die darauf wartet zu passieren.“ Joannas Familie wurde schon einmal umgebracht, jetzt verweigert Jo dem Schicksal eine Wiederholung. Großes Spiel mit Zeit und Vorsehung. Tolle Figuren, witzig, tripelbödig: eine Attacke gegen müde Erzählkonvention. Entdeckung.
4. (8) Pete Dexter: Paris Trout. Liebeskind
Cotton Point, Georgia: Paris Trout, Geschäftsmann und Kredithai, ist sein eigenes Gesetz. Das ihm erlaubt, zwei schwarze Frauen abzuknallen, seine Frau zu misshandeln, keine Steuern zu zahlen. Lakonischer Bericht von Trouts Herrschaft und Untergang, von Aufbegehren, Unterwerfung, Rassenwahn. Ein Meisterwerk.
5. (7) Stefan Kiesbye: Nebenan ein Mädchen. Jens Seeling
Wedersen, Niedersachsen: „Sollten sie jemals die Leiche finden, wird es zu spät für Fingerabdrücke sein. Wahrscheinlich wird sie ungestört ruhen, während wir anderen erwachsen werden.“ So endet der letzte Sommer einer Jungenbande. Phänomenales Debüt, starker Text.
6. (5) Ian Rankin: Ein Rest von Schuld. Manhattan
Edinburgh: Der russische Dichter Todorow wird erschlagen. DI John Rebus verbeißt sich in seinen letzten Fall. Er will die Oberwelt und die Unterwelt zu packen kriegen und Cafferty, den alten Todfeind, mit. Doch statt Schottland zu säubern, wühlt Rebus sich selbst in den Sumpf. Der letzte Rebus: Groß im Abgang.
7. (-) Christine Lehmann: Nachtkrater. Ariadne im Argument-Verlag
BaWü/Mond: Schwabenreporterin Lisa Nerz ist auf dem Mond gelandet. Wie, weiß sie nicht. War der Tod des Astronauten Thorsten Veith Unfall oder Mord? Lisa bringt die Mondstation Artemis komplett durcheinander und an den Rand des Abgrunds. Science-fantastisch, bestialisch stinkend, witzig. Fulminant. Ultralunar.
8. (-) Åsa Larsson: Bis dein Zorn sich legt. C. Bertelsmann
Kiruna, Lappland: „Ich erinnere mich, wie wir gestorben sind“. Wilma, 17, wurde beim Tauchen ertränkt. Und sitzt bei Staatsanwältin Martinsson am Bett. Ihren toten Freund soll sie finden, das Geheimnis des Flugzeugs am Seegrund klären. Geister, Kriegsschuld, Männerschwäche, starke Frauen. Larssons Norden – einmalig.
9. (-) Richard Stark: Keiner rennt für immer. Zsolnay
Massachusetts: Parker tötet einen Spitzel, das ist der Anfang. Beim Versuch, das Geld einer Bank zu rauben, verheddern sich Parker und Kumpel in den Ambitionen der beteiligten Amateure. So wird man nicht reich. Zum Schluss sind hunderttausend Dollar auf seinen Kopf gesetzt. Doch Parker kann man nicht schlagen.
10. (-) Tom Rob Smith: Kolyma. DuMont Buchverlag
Moskau/Kolyma/Budapest 1956: Sowjet-Grauen Teil II. Ex-Geheimpolizist Leo muss einen Sträfling aus dem Lager Kolyma befreien. Sonst wird seine Tochter umgebracht. Chrustschows Rede über Stalins Verbrechen wirkt als Katalysator der Auflösung. Hass, Vergeltung, Intrigen – so verenden Imperien.
Die Februar-Ausgabe der KrimiWelt-Bestenliste wird auch im NordwestRadio (heute live, ca. 8:35 Uhr, und am Sonntag in der Literaturzeit zwischen 15:00 und 16:00 Uhr) sowie in der Literarischen Welt vorgestellt.
Buchhändler können einen dreifarbigen Flyer mit der aktuellen KrimiWelt-Bestenliste bestellen. Kontakt: KrimiWelt, c/o asv vertriebs GmbH, Süderstraße 77, 20097 Hamburg, E-Mail: krimiwelt@axelspringer.de, Fax: 040/34 72 76 68..