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Die Berichte der Medien von der Amazon-Pressekonferenz: Kindle-Inszenierung schürt Erwartungsdruck / Streit um E-Book-Preis

Die breite Berichterstattung über den Kindle 2 von Amazon, der gestern in New York den Medien auf einer Pressekonferenz vorgestellt worden ist, zeigt einen hohen Erwartungsdruck auf das „neue“ Medium. Noch ist nicht einmal Kindle 1 bei uns auf dem Markt, doch viele große deutsche Blätter hatten ihre Korrespondenten in der Pressekonferenz.

Eine solche Begeisterung kenne man sonst nur von Apple-Veranstaltungen, hat der Spiegel beobachtet und berichtet: „Als am Montagnachmittag europäischer Zeit Amazon-Chef Jeff Bezos die Bühne eines New Yorker Theaters betrat, applaudierten nicht nur die anwesenden Journalisten höflich. Rund um den Globus verfolgten Zuschauer die Pressekonferenz über Liveblogs im Internet. Im Minutentakt ploppten Informationshäppchen auf den Webseiten der Tech-Blogger auf, die jedes Detail über das neue Lesegerät gierig aufschnappten und in knappen Sätzen online stellten.“ (http://www.spiegel.de/netzwelt/spielzeug/0,1518,606538,00.html)

Erleben konnten die Journalisten auch, dass der neue Kindle nun auch vorlesen kann. Das klänge etwas schnarrig, wird aber schon in den Berichten gelästert. Dennoch geht eine gewisse Begeisterung von Design und verbesserten technischen Daten aus wie sie auch die Pressemitteilung gestern aufzählte [mehr…].

Die Konferenz begann amerikanisch und nicht ohne Pathos, lässt sich dem stern entnehmen. „Der Kindle ist weit mehr als nur ein Gerät“, erklärte demnach der 45-jährige Internet-Unternehmer Bezos und der stern schreibt weiter: „Es stehe im Zentrum eines Lese-Erlebnisses, bei dem Hard- und Software nahtlos ineinandergreifen – ähnlich wie bei iPod und iTunes. ‚Ein E-Book ohne große Auswahl an Titeln ist nutzlos’, so Bezos. Das ließ sich als Seitenhieb auf den Rivalen Sony verstehen, der mit seinem Sony Reader ein ähnliches Gerät anbietet wie Amazon mit dem Kindle, jedoch nur knapp die Hälfte an Titeln im Programm hat“, so der stern.

Deutlich wurde, dass Amazon Google und Apple als Herausforderung ansieht: „Amazon hopes that the Kindle becomes the iPod of the literary world“, schreibt die New York Times (NYT). Die Batterieleistung der Handies sei begrenzt und man werde Augenschmerzen bekommen bei dem kleinen Bildschrim, führte Bezos seinen Angriff laut NYT.

Zu einer Auseinandrsetzung scheint es über die Preisgestaltung gekommen zu sein. Caroly K. Reidy von Simon & Schuster sagte, sie akzeptiere die geringeren Preise (es bleibt bei $9,99 pro E-Buch) nicht. Bezos konterte, das verlangten die Leser. Allerdings setzt sich möglicherweise auch bei Bertelsmann in den USA die deutsche Random House-Denke durch: Der E-Buch-Markt brauche Wettbewerb, ließ sich Richard Sarnoff, von Bertelsmann Digital Media Investment vernehmen.

Unbeantwortet blieb die Frage nach den Zahlen über den bisherigen Verkauf. „Hype und Wirklichkeit lassen sich beim E-Book schon deswegen schwer trennen, weil Amazon bei den Absatzzahlen des Kindle alles andere als ein offenes Buch ist“, schreibt die Süddeutsche, die sich eines dpa-Berichtes aus New York bedient. Dort heißt es weiter: „Wie viele Kindle-Geräte der ersten Generation seit dem Start Ende 2007 verkauft wurden, ist nicht bekannt. … Zwei Analysten schätzten den Absatz im Jahr 2008 zuletzt auf 375 000 bis 500 000 Geräte. Sie ermittelten diese Zahlen aber auch nur indirekt aus bestimmten Posten in den Geschäftsberichten von Amazon und seines Kindle-Mobilfunkpartners Sprint.“

Und so rechnen andere anders: Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) zitiert Analyst Mark Mahaney von der Citigroup. Der schätzt, „dass Amazon im vergangenen Jahr insgesamt 500.000 Kindles verkauft hat“. Und rechnet weiter: „Für das laufende Jahr erwartet er eine Verdopplung auf mehr als 1 Million Einheiten, für 2010 geht er sogar von mehr als 3,5 Millionen aus. Im Jahr 2010 könnte das Geschäft mit dem Kindle und zugehörigen Büchern Amazon einen Umsatz von 1,2 Milliarden Dollar bringen“, so die FAZ.

Der stern nennt nur 250.000 verkaufte Geräte. Aber es gäbe wichtige Besitzer „darunter die Talkmoderatorin Oprah Winfrey, die in ihrer Fernsehsendung so vom Kindle schwärmte, dass Amazon mit den Bestellungen nicht mehr nachkam: Seit Wochen ist der Ur-Kindle ausverkauft, viele Möchtegern-Besitzer gingen zu Weihnachten leer aus.“

Immerhin hat es laut stern auf der Pressekonferenz Indizien gegeben, die die Taschenrechner beschäftigen dürften: „Jeff Bezos sagte, 10 Prozent aller auf Amazon verkauften Bücher entfallen mittlerweile auf digitale Kindle-Versionen.“ Und: „Amazon gab am Montag auch eine Partnerschaft mit dem amerikanischen Bestseller-Autoren Stephen King bekannt, der ein Buch exklusiv für den Kindle schreibt“, so der stern Der hat seinen Roman Ur wie berichtet extra für den Kindle umgedichtet.

Wichtige Antworten für uns gab es aber nicht: „Leseratten außerhalb der USA müssen auf das Gerät allerdings noch warten: Trotz Bezos‘ Beteuerung, Bücher in allen Sprachen der Welt anbieten zu wollen, hielten Amazon-Manager sich zur Frage einer internationalen Kindle-Version sehr bedeckt. ‚Wir bekommen viele Anfragen, und wir wollen den Kindle auf jeden Fall auch in anderen Ländern anbieten, aber derzeit gibt es keinen konkreten Zeitplan’, sagt Produktchef Jay Marine.

Eine Hürde dürfte sein, dass Amazon in jedem Land einen Telekompartner benötigt, ähnlich wie Apple für sein iPhone, weil der Kindle immer und überall Zugriff auf den digitalen Buchladen haben soll – nicht nur in der Nähe von WLan-Hotspots. Obendrein muss Amazon für jedes Land mit Verlagen verhandeln, um die Rechte für den digitalen Vertrieb der Bücher zu regeln. ‚Vieles muss zusammenkommen’, sagt Amazon-Vizepräsident Ian Freed, ‚aber ganz klar: Eines Tages wollen wir den Kindle auch international anbieten.’ Nur so kann Jeff Bezos‘ Traum in Erfüllung gehen“, schreibt der stern.

Matthias Koeffler

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