Mit einem Umsatzsprung von 10 Prozent hat der Markt auf den Relaunch der Reiseführer beim Trescher Verlag reagiert. Verleger Detlev von Oppeln erläutert, was ihn bewogen hat, „Farbe zu bekennen“.

buchmarkt.de:Sie haben die Lonely-Planet-Anmutung verlassen und haben auf vierfarbig umgestellt. Warum?
Von Oppeln: Weil die Marktentwicklung eindeutig ist: Die Käufer erwarten mittlerweile, daß Reiseführer Farbe bieten. Wir wollten aber nicht nur Farbfotos abdrucken, sondern haben bei dieser Gelegenheit auch unsere Typographie der Textteile und der Karten erheblich verfeinert – und nicht zuletzt ein handliches Format eingeführt.
Durch die Farbe konnten wir eine übersichtlichere Hervorhebung der Inhalte erzielen, Farbfotos ermöglichen eine stimmungsvollerer Darlegung der Urlaubsregionen, als das mit Schwarzweißfotos möglich war. Mit dem neuen Format lassen sich die Bücher auf der Reise bequemer mitnehmen, und durch das neue Papier sind die Reiseführer wesentlich leichter geworden.
Verlieren Sie damit nicht auch ein wenig den Außenseitercharme und werden damit vergleichbar mit den Großen wie Langenscheidt? Was macht Sie noch unverwechselbar?
Unverwechselbar bleiben die inhaltliche Tiefe und die gründliche Recherche. Unsere Autoren stecken wir nach wie vor in kein so strenges Korsett, wie das bei manchen Großen üblich ist. Im Gegenteil, wir ermuntern sie, ihre profunden individuellen Kenntnisse und ihre eigenen Gewichtungen in die Reiseführer einfließen zu lassen. Und nicht zu vergessen: Wir haben seit 15 Jahren Erfahrungen mit den östlichen Regionen und sind als der Spezialist für den Osten anerkannt. Das macht uns auch weiterhin unverwechselbar.
War das nicht teuer? Wie haben Sie das gewuppt?
Natürlich ist eine sofortige Umstellung aller Reiseführer nicht zu leisten. Den Relaunch realisieren wir, indem wir die Bücher nach und nach umstellen. In spätestens zwei Jahren werden alle Trescher-Reiseführer im neuen Layout sein. Diese Umstellung ist natürlich zunächst etwas teurer, als alles beim Alten zu lassen. Wir sind aber optimistisch, daß wir mit dem attraktiveren Auftritt unsere Stellung im Markt ausbauen können und daß sich der Relaunch somit schon mittelfristig auszahlt. Die Erfahrungen des ersten Jahres stützen diese Einschätzung.
Die Titel tragen nicht mehr das Verb entdecken, eine bewusste Entscheidung? Warum?
Es war eine sehr bewußte Entscheidung. Wir haben seit den 90er Jahren als erster Verlag die osteuropäischen Länder für die deutschsprachigen Leser quasi ›entdeckt‹. Da viele Regionen seitdem aber zu ganz normalen, vertrauten Urlaubszielen geworden sind – denken Sie beispielsweise allein an die Länder, die mittlerweile Mitglied der EU sind –, fanden wir es an der Zeit, uns von dem Wort „entdecken“ im Titel zu lösen.
Der Osten ist ja nun abgedeckt, wie geht es weiter? Wo sehen Sie die Themen? Müssen Sie jetzt die Konkurrenz aufnehmen?
Noch ist „der Osten“ nicht abgedeckt, und wir werden unsere Titel natürlich immer wieder den sich ändernden Bedürfnissen der Reisenden anpassen. Insbesondere werden wir die Regionen kleinteiliger bearbeiten und, wo es sinnvoll ist, auch Städteführer anbieten. Wir werden zusätzlich unser Engagement weiter in die fernöstliche Welt verlagern. Hier gibt es für deutsche Verlage noch einiges zu recherchieren.
Und wie in den vergangenen 15 Jahren, so werden wir auch zukünftig Reiseführertitel finden, die andere Verlage nicht oder nicht mehr verfolgen.