
Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch.
Frankfurter Rundschau
„Auf vermintem Terrain“ leben die Kosovaren heute noch, die sich vor einem Jahr selbständig gemacht haben. Zwei Bücher zum Thema werden im Aufmacher des Feuilletons vorgestellt:
> Oliver Jens Schmidt: Kosovo. Kurze Geschichte einer zentralbalkanischen Landschaft, Böhlau
> Sakia Drude: Hundert Wochen Kosovo. Alltag in einem unfertigem Land, Karin Fischer Verlag
„Von vorne anfangen“, musste der chinesische Schriftsteller Ha Jin in Berlin. Der Autor von Ein freies Leben (Ullstein) berichtet im Interview über das Leben im fremden Land und den amerikanischen Traum.
Wer es immer noch nicht weiß, kanns noch mal nachlesen: Die Verlagsgruppe Lübbe zieht nach Köln [mehr…].
Wolfgang Kraushaar liefert heute eine Aktennotiz zur gestörten Adorno-Vorlesung im Juni 1969.
„Thomas Mann auf Grubeneinfahrt“: Im Düsseldorfer Schauspiel hat John von Düffel Joseph und seine Brüder von Thomas Mann dramatisiert.
Frankfurter Allgemeine Zeitung
„Kieselsteine des Lebens“: Die Essays des polnischen Dichters Adam Zagajewski, die bei Hanser unter Verteidigung der Leidenschaft erschienen sind, feierten das Visionäre und das Leidenschaftliche in der Literatur.
An der Frankfurter Goethe Universität bekommen es die Studenten im Sommersemester mit Uwe Timm zu tun, der die Poetik-Dozentur übernimmt.
Süddeutsche Zeitung
Noch mal Suhrkamp: „Alles schläft, eine geht“ überschriebt Volker Breidecker seinen Bericht über den „Abschied vom gestern“, wie er im Frankfurter Literaturhaus diskutiert wurde [mehr…]. Der Rest sei Erinnerung oder verlagstechnisch ausgedrückt: „Backlist“.
„Als Ortschaften noch fest umgürtet waren: Stadtansichten aus der Zeit um 1600“: Sie haben es sicher erraten, es geht um das Buch Städte der Welt aus dem Taschen Verlag auf dem MA-Tisch.
Unter „Gelber Stern, rotes Brandmal“ wird Hélène Berr gewürdigt, die mit ihrem Pariser Tagebuch 1942-1944 ein „großes Dokument der Selbstbehauptung“ hinterlassen habe. Die Übersetzung von Elisabeth Edl bei Carl Hanser sei „vorzüglich“.
„Den blaue Hauch üb ich noch heute“ überschreibt Hans-Peter Kunisch seinen Bericht über Frantisek Listopads Lyrik, die unter dem Titel Jahrmarkt Böhmen in der Edition Tannhäuser erschienen ist.
„Reden ohne Unterlass“: In Liebe – Eine Übung habe Niklas Luhmann (Suhrkamp) das Lieben beobachtet.
Die Welt
Gar kein gutes Haar lässt Gerd Ueding am Buch Demenz von Tilman Jens über die Erkrankung seines Vaters Walter Jens (Gütersloher Verlagshaus) und bezeichnet es in der Überschrift zum Feuilleton-Aufmacher gleich als „Literarischer Vatermord“. „Infam ist die Methode und infam ist das Portrait, das dabei herauskommt“, so Ueding.
Unter „Konkurrenz für das E-Buch“ schreibt Hendrik Werner über das Vorgehen von Google, das jetzt gesammelt die Rechte der Autoren für die Google-Buchsuche einholen will. Das sei eine Art „Ablasshandel in Sachen geistiger Enteignung“ für bereits gescannte Bücher, sei aber keine noble Geste, sondern Dienst nach Vorschrift. Das Vorgehen des Börsenvereins und der VG-Wort, um höhere Erlöse zu fordern sei richtig, Werner glaubt aber nicht an Erfolg.
Neue Zürcher Zeitung
Der in Sarajevo geborene und in Chicago lebende Schriftsteller Aleksandar Hemon, der in den USA als Nachfolger Vladimir Nabokovs gefeiert wird, hat einen neue Roman geschrieben. Andreas Breitenstein hat Lazarus gelesen (erschienen im Knaus-Verlag), und kann sich der Lobeshymnen nur anschließen: „So grandios ist ‚Lazarus’, dass neben den ‚geklauten Autos’ und der ‚Traurigkeit’ bald auch Aleksandar Hemons Romane zum ‚Exportschlager’ seiner bosnischen (Halb-) Heimat werden könnten“.
Dieter Kühn hat Gertrud Kolmars Leben und Werk (S.Fischer) aufgeschrieben. Beatrice von Matt hat die Biographie nicht überzeugt: „Er scheitert an der Person, vor allem aber am Werk der grossen Lyrikerin“.
Felix Philipp Ingold hat das nun erstmals auch in deutscher Übersetzung erschienende Buch gelesen, in dem der Wissenschaftstheoretiker und Soziologe Bruno Latour seine weit ausholenden Gespräche mit dem Philosophen Michel Serres aufgezeichnet hat (Aufklärungen. Gespräche mit Bruno Latour, Merve-Verlag). Die Originalausgabe erschien bereits 1992 in Paris. Ingold ist von der Aktualität des Werkes beeindruckt: „Als heutiger Leser ist man verblüfft, ein durchaus aktuelles, wenn nicht prophetisches Werk vor Augen zu haben, in dem alle derweil eingetretenen Krisen und Katastrophen – internationaler Terrorismus, exportierte Kriege und akuter Klimawandel, zunehmende Armut, Seuchengefahr und Energieknappheit sowie die jüngste weltwirtschaftliche Depression – vorweg benannt, in ihren Ursachen erkannt, in ihren Konsequenzen bedacht sind“.
Weitere Rezensionen:
Iris Därmann mit ihrem neuen Buch Figuren des Politischen, erschienen bei Suhrkamp. Die Soziologin und Philosophin kritisiert, „die europäische Philosophie habe das Politische an der Politik verraten“.
Der ungarische Schriftsteller István Vörös mit seinem Buch Heidegger als Postbeamter, erschienen bei Edition Korrespondenzen. „Fünfzehn Gesänge enthält Vörös’ kleiner Opus; allesamt Trouvaillen für den Kenner“.
Der 2005 verstorbene Autor Richard H. Popkin mit seiner Autobiographie Mit allen Makeln. Erinnerungen eines Philosophiehistorikers, erschienen im Felix Meiner Verlag. „Sowohl als Forscher wie auch als Zeitgenosse hat Popkin nichts Stromlinienförmiges; die zuweilen dramatischen persönlichen Tiefpunkte gehören auch zur Geschichte dieser mit allen Makeln erzählten intellektuellen Biographie“.
Westdeutsche Zeitung
Werner Mefferts historischer Roman Maries Schuldschein, erschienen bei Droste, wird unter „Geschichte als Schmöker“ ausführlich und wohlwollend besprochen. Der Rezensent findet, „Werner Meffert schafft den Spagat zwischen einer anrührend zarten Liebesgeschichte und politischer Geschichtsschreibung“.