
Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch.
Frankfurter Rundschau
Folgen des Suhrkamp-Umzugs: „“Die Wut der anderen“: Frankfurter Verlage vermissen die Unterstützung – Claus-Jürgen Göpfert hat sich umgehört und auch Dr. Uwe Rosenfeld, Geschäftsführer der Fischer-Verlage befragt. Auch wenn S. Fischers Wurzeln in Berlin liegen, der Verlag denkt nicht an einen Umzug..
„Wollte doch nur ein freier Deutscher sein…“: Beatrix Langner, Autorin einer Adelbert von Chamisso-Biographie bei Matthes & Seitz, hat sich in der 25-jährigen Geschichte des Chamisso-Preises (aktueller Preisträger: weissbooks.w-Autor Artur Becker [mehr…]) umgetan und erfreuliche Entwicklungen festgestellt.
„Putsch mit fatalen Konsequenzen“: Wolfgang Kraushaar rezensiert Im Dienste des Schah von Stephen Kinzer (Wiley-VCH).
Annotationen
Judith Engst Duden. Routiniert telefonieren – leicht gemacht (Dudenverlag): schl mit einer kleinen Satire über die Ratgeberliteratur bei Duden.
Marianne Musgrove Jules Traumzauberbaum (Beltz & Gelberg).
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Die FAZ kümmert sich um die Oscars, die ja auch so einiges mit Büchern zu haben: Nach einem Buch von Vikas Swarup (auf Deutsch „Rupien, Rupien“ bei Kiepenheuer & Witsch) entstand Slumdog Millionaire, und der ist acht Mal ausgezeichnet worden, u.a. in der Kategorie bester Film und beste Regie.
Veit Heinichen wollte eigentlich an seinem neuen Wohnsitz Triest nur seine (außerordentlich erfolgreichen und inzwischen auch verfilmten) Krimis schreiben. Aber seit über einem Jahr ist’s aus mit der Ruhe und Beschaulichkeit: Heinichen ist Opfer eines Rufmörders, der ihn mit wahllos erfundenen Details päderastischer Delikte behelligt – man könnt’ das alles einfach als Unsinn abtun, aber der Täter ist nicht nur außerordentlich hartnäckig, sondern auch clever und treibt sein Unwesen unerkannt immer weiter, um den Autor und Ex-Verleger zu zermürben. Der sich aber nicht aus Triest vertreiben lässt.
Chestertons frühe Kolumnen erstmals auf Deutsch: der Elsinor Verlag hat es möglich gemacht. Titel: Vom Wind und den Bäumen oder Gewichtige Kleinigkeiten.
Edward Upward ist gestorben. Mit 105 Jahren. Er war Weggefährte von W.H. Auden und arbeitete mit seinem Freund Christopher Isherwood. Kurz vor seinem Tod gab er noch einmal ein Interview – das die FAZ jetzt abdruckt.
Die Welt
Auch in der Welt dreht sich alles um die Oscars – kein Platz für Bücher.
Süddeutsche Zeitung
Burkhard Müller hat Adolf Muschgs Roman Kinderhochzeit (Suhrkamp) gelesen: „An Aktion fehlt es dem umfangreichen Roman keineswegs.“ Und weiter: „Zuletzt entscheidet das Schicksal des Buches daran, ob man diesen Schweizern, die sich sämtlich eines Lebensstils befleißigen, als wäre jeder von ihnen ein wandelndes Bankgeheimnis, das verborgene, leidenschaftliche Innenleben abnehmen mag oder nicht.“ Müller tut es.
Unter „Wir müssen einen Schnitt machen“ rezensiert Bärbel Küster Van Goghs Ohr. Paul Gauguin und der Pakt des Schweigens von Rita Wildegans und Hans Kaufmann (Osburg Verlag). Das Buch bezweifelt, dass Vincent van Gogh sich selbst das Ohr abschnitt und stellt die Vermutung an, dass Paul Gauguin der Täter war. Küster findet, „die Autoren bringen ein dichtes Netz von Beweismaterialien hervor, das spannend zu lesen ist.“
Tobias Lehmkuhl hat Gerhard Falkners Gedichtband Hölderlin Reparatur (Berlin Verlag) gelesen. Lehmkuhl meint: „Leider ist das Schriftbild nur sehr unbequem zu lesen und alles andere als schön. Trotz kleinster Type sind die Seiten vollgequetscht bis an den Rand.“ Und weiter: „Leider fällt auch im weiteren Verlauf des Bandes die Spannung deutlich ab; viele Gedichte wirken wie Zufallsprodukte, häufig so, als seinen sie bloß um der Pointe willen entstanden.“
Kurz rezensiert von Lothar Müller wird Marleen Stoessels Lob des Lachens. Eine Schelmengeschichte des Humors (Insel Verlag). „Zum Glück verfolgt die Autorin ihre Lieblingsschelme, -narren und –trickster zwar gelehrt, aber auch vergnüglich durch die Länder und Zeiten.“
Außerdem widmet sich der Berliner Historiker Alexander C. T. Geppert in seinem Aufsatz Space Personae. Cosmopolitan Networks of Peripheral Knowledge, erschienen im Journal of Modern European History (C.H.Beck) der „heterogenen Gruppe von Weltraumenthusiasten“. Tobias Winstel hat den Aufsatz gelesen.
Neue Zürcher Zeitung
„Mit vollem Bauch sieht man besser schwarz“, titelt Joachim Güntner über Günter Grass und dessen Tagebuch, in dem er den deutschen Einigungsprozess 1990 festgehalten hat, Unterwegs von Deutschland nach Deutschland. Tagebuch 1990., Steidl-Verlag. Güntner: „Sein Tagebuch fixiert ein Denken, das einmal in Kraft war. Schon diese Fixierung ist ein Verdienst.“
„Alles fliesst“ in Daniel Zahnos „Romanschnulze“ Die Geliebte des Gelatiere aus dem Weissbooks-Verlag, so Roman Bucheli. Und meint das nicht unbedingt negativ: „Daniel Zahno hat mit leichter Hand einen luftigen Roman geschrieben, der zwischen Trash und Drama, zwischen Schnulze und Romanze eine unentschiedene Mitte hält.“
„Betrug, Verachtung, Hass und Mord“: Alles dabei in Guillermo Martínez’ „sehr argentinischem“ Krimi Der langsame Tod der Luciana B. (Eichborn-Verlag), der sei bis zur letzten Seite spannend, aber auch mit Schwächen in der Konstruktion, so Uwe Stolzmann.
Annotiert wird unter
> „Philosophisches Tagebuch“, Thomas Raeber: Ja und Aber, an Grenzen der Wahrheit. Tagebuch-Notate 1992–2007 Mit einer kompakten Darstellung der beim Schreiben entstandenen Philosophie und einem Beitrag von Martin Götz. Wissenschaftsverlag Richard Rothe
> „Bugatti, Tatra, Saab“, Niklaus Schefer: Philosophie des Automobils. Ästhetik der Bewegung und Kritik des automobilen Designs, Verlag Wilhelm Fink
> „Renaissance“: Eckhard Kessler: Die Philosophie der Renaissance. Das 15. Jahrhundert. C. H. Beck
> “Cézanne interdisziplinär“, Torsten Hoffmann (Hrsg.): Lehrer ohne Lehre. Zur Rezeption Paul Cézannes in Künsten, Wissenschaften und Kultur (1906–2006) Rombach-Verlag