
Wolff Baron von Keyserlingk
Die heutige Matinee im Frankfurter Holzhausenschlösschen erinnerte an den 20. Todestag von Hermann Burger, er nahm sich mit einer Überdosis Schlaftabletten am 28. Februar 1989 im Alter von 46 Jahren zuhause in Brunegg (Schweiz) das Leben. 16 Tage vorher war der von ihm bewunderte Schriftsteller Thomas Bernhard gestorben.
Clemens Greve, Geschäftsführer der Frankfurter Bürgerstiftung Holzhausenschlösschen, begrüßte die zahlreichen Gäste und stellte die Gesprächsteilnehmer Christian Brückner, Hanne Kulessa und Wolff Baron von Keyserlingk vor. Dankenswerterweise hatte er eine kleine „Burger-Zeitung“ mit verschiedenen Veröffentlichungen des Autors und mit Beiträgen über den Schriftsteller zusammengestellt, die er den Besuchern in Kopien zur Verfügung stellte.
Hermann Burger antwortete einmal auf die Frage, was sein größtes Unglück sei: „Eine moderne Zivilisationskrankheit: die Depression“. Gleichzeitig hieß sein Lebensmotto „Carpe diem“. War beides vereinbar?
Hanne Kulessa stellte den Autor, von Marcel Reich-Ranicki hoch geschätzt und gefördert, kurz vor, skizzierte das Porträt eines Sprachkünstlers, dessen Interesse den Außenseitern und Einzelgängern galt. 1967, in dem Jahr, in dem Burger heiratete, erschien auch sein erster Gedichtband Rauchsignale bei Artemis, Zürich. Eines der herausragendsten Werke, sein Romandebüt Schilten. Schulbericht zuhanden der Inspektorenkonferenz, wurde 1976 im gleichen Verlag publiziert. Skurril und detailversessen erzählt ein Dorfschullehrer vor der Konferenz nicht über die Entwicklung des Unterrichts, sondern über Totenkult und Friedhöfe.
Hanne Kulessa ist Hermann Burger mehrfach begegnet, erinnert sich an Gespräche. „Ich will nicht enden wie Robert Walser“, äußerte der Schriftsteller ihr gegenüber. Schreiben war nicht nur Arbeit für ihn, sondern Leben.
Hermann Burger interessierte sich für Magie, Zauberei, verehrte den großen Entfesselungskünstler Houdini. Ende der 70er Jahre lernten sich Burger und Wolff Baron von Keyserlingk kennen, eine Freundschaft entstand. In Als Autor auf der Stör, 1987 bei S. Fischer erschienen, porträtiert Burger den Zauberkünstler. Daraus liest – bezwingend wie immer – Christian Brückner. Eine weitere Kostprobe aus Burgers Werk, ein Text aus dem Erzählband Diabelli, 1979 bei S. Fischer, fasziniert das Publikum ebenso.
Über seine Freundschaft zu Hermann Burger berichtet Wolff Baron von Keyserlingk. „Ich war ein Fan seiner Schreibe, er ein Fan meiner Zauberei“, so etwa ließe sich diese Beziehung überschreiben.
Zum Abschluss der Matinee führte Baron von Keyserlingk einen „Macho-Trick“ vor („das können nur Männer, deshalb nenne er das Kunstück so“, sagte der Zauberer). Zusammen mit Hanne Kulessa waren alle erstaunt und verwirrt – ein so simpler Trick. Und man kommt nicht dahinter.
Das Geheimnis heißt, sich damit zu beschäftigen. Mit den Büchern von Hermann Burger, angeboten im Holzhausenschlösschen vom bewährten Partner, der Buchhandlung „Wendeltreppe“, lohnt die Beschäftigung allemal.
JF