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Wolff’s Bücherei Berlin: Helga Steinhilber verabschiedete sich in Ruhestand

Helga Steinhilber

Ihr Name ist seit mehr als 32 Jahren mit Wolff’s Bücherei in Berlin Friedenau verbunden und die Stammkunden konnten sich kaum vorstellen, dass sich das je ändern würde.

Doch am Samstagabend verabschiedete sich Helga Steinhilber mit einem großen Lesefest in den Ruhestand. Und alle, alle kamen. Es wurde eng in der Buchhandlung und fast jeder Stammkunde brachte einen Blumenstrauß mit.

Die Buchhandlung

1976 übernahmen Helga Steinhilber und Barbara Stieß die traditionsreiche Buchhandlung, die Andreas Wolff 1931 an diesem Standort gegründet hatte. Stieß, die sich vor 12 Jahren aus dem Geschäft zurückzog, moderierte den Abend und begrüßte nicht nur die Kunden, die im Laufe der Zeit „zu Weggefährten geworden seien“, sondern auch Autoren wie Hans-Ulrich Treichel und Ralf Rothmann, der von seiner ersten Lesung erzählte.

Ralf Rothmann vor der Collage
„Damals 1976“

Damals, 1978, las Rothmann in Wolff’s Bücherei mit zitternden Händen aus einem Lyrik-Manuskript. Ein Buch hatte er bis dahin nicht veröffentlicht. Seit er die Buchhandlung 1976 zum ersten Mal betrat und eine Lesung mit Nicolas Born erlebte, wurde der Ort für ihn eine Art Kraft- und Wärmezentrum, eine „heimliche Sozialstation“. Überhaupt habe Helga Steinhilber mit ihrem Buchladen seine Sehnsucht, selbst ein Buch zu schreiben angestachelt. Rothmann erinnerte sich an Sonntage, an denen er stundenlang vor dem Schaufenster stand und mal wieder genau die Bücher entdeckte, die ihn ansprachen. „Ich hatte ein Urvertrauen in ihre Auswahl.“

Einer der vielen Höhepunkte des Abends war der Auftritt des Malers Johannes Grützke an der Geige. Er begeisterte das Publikum zusammen mit der Sängerin Madalena Leal de Faria und den Autoren Anja Tuckermann und Tilmann Lehnert.

Auch die Kunden kamen zu Wort. „Helga Steinhilber verkauft nicht nur Bücher, sie lebt Literatur“, bedankte sich eine Kundin, die seit vielen Jahren zwischen den Bücherregalen in Wolff’s Bücherei zu Hause ist. Hier könne man noch Entdeckungen machen, finde nicht nur das, was im Moment auf den Bestsellerlisten steht. „Ich habe die Buchhandlung als kulturellen Ort wahrgenommen, getragen von dem Glauben an die Magie der Sprache“, sagte sie und sprach damit vielen anderen Kunden aus dem Herzen.

Der Abschied fällt Helga Steinhilber nicht leicht, aber sie freut sich auch auf die vielen kulturellen Veranstaltungen in der Stadt, für die sie nun Zeit hat. Bei ihren Kunden bedankte sie sich für „Vertrauen, Treue, Zuneigung und Verwöhnung“.

Und die Buchhandlung? Am Montag und Dienstag ist wegen Inventur geschlossen. Danach könnte es mit einem neuen Inhaber weitergehen. Die endgültige Entscheidung über die Zukunft des traditionsreichen Ortes in der Bundesallee 133 ist wohl noch nicht gefallen.

ML

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