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Bertelsmann mit „solider Entwicklung“, aber Gewinn sinkt von 405 auf 270 Mio. € / Ostrowski: „In fast allen Geschäften gute Marktpositionen“

Hartmut Ostrowski

Bertelsmann wies im Jahr 2008 eine „solide Geschäftsentwicklung“ auf, meldet das Unternehmen heute zu Beginn seiner heutigen Bilanzpressekonferenz. Die Schulden seien „signifikant reduziert worden. Das Geschäftsjahr war geprägt von umfangreichen Portfoliomaßnahmen“.

Dazu der Vorstandsvorsitzende Hartmut Ostrowski: „Bertelsmann ist 2008 ein gutes Stück vorangekommen. Wir haben uns von schrumpfenden Geschäftsteilen getrennt und sind heute strategisch deutlich besser aufgestellt als noch vor zwölf Monaten. Bertelsmann verfügt jetzt in fast allen Geschäften über gute bis sehr gute Marktpositionen. Auch operativ sind wir stark. Mit 9,7 Prozent haben wir eine gute operative Umsatzrendite erzielt – im Rückblick sogar eine der bisher besten.“

Bertelsmann trennte sich 2008 von der 50-Prozent-Beteiligung am Musik-Joint-Venture Sony BMG [mehr…] und Teilen des in der Direct Group gebündelten Direktkundengeschäfts. Zugleich wurde mit dem neuen Musikrechtegeschäft BMG Rights Management [mehr…], der Neugründung UFA Sports oder der „Deutschland Card“ eine Vielzahl neuer Geschäfte an den Start gebracht. Über zwei Fonds investierte Bertelsmann außerdem in neue digitale Medien und Services sowie in zukunftsträchtige Geschäfte im asiatischen Raum.

Der Umsatz der fortgeführten Aktivitäten lag 2008 mit 16,1 Mrd. € und einer Abweichung um -0,5 Prozent weitgehend stabil auf Höhe des Vorjahres (16,2 Mrd. €; ebenfalls fortgeführte Aktivitäten). Bereinigt um Portfolio- und Wechselkurseffekte wuchs der Umsatz um 1,3 Prozent. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Sondereinflüssen (Operating EBIT) betrug 1.568 Mio. € nach 1.717 Mio. € im Vorjahr (-8,7 Prozent) und spiegelt damit die konjunkturelle Eintrübung in der zweiten Jahreshälfte wider. Die operative Umsatzrendite erreichte mit 9,7 Prozent (Vorjahr: 10,6 Prozent) einen hohen Wert.

Der Konzerngewinn fiel mit 270 Mio. € niedriger aus als im Vorjahr (405 Mio. €). Grund dafür sind neben Restrukturierungen, die gegen Ende des Geschäftsjahres zwecks Vorsorge für 2009 initiiert wurden, vor allem Wertberichtigungen im britischen TV-Geschäft und bei der Direct Group.

Die Direct Group, die sich mit ihren Clubs und Buchhandelsketten nach einer strategischen Neuordnung nunmehr auf europäische Kernmärkte konzentriert, gab beim Umsatz nach, legte hingegen beim Operating EBIT zu. Der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr gab vor dem Hintergrund einbrechender Anzeigenmärkte und einer anhaltenden Konsumschwäche sowohl beim Umsatz als auch beim operativen Ertrag nach, ebenso die Buchverlagsgruppe Random House, deren Umsatz und Ergebnis stark von negativen Wechselkurseffekten beeinflusst war.

Im Berichtszeitraum wurde ein Cash Flow aus der laufenden Geschäftstätigkeit in Höhe von 1.789 Mio. € (Vorjahr: 1.463 Mio. €) generiert. Der Anstieg basierte im Wesentlichen auf geringeren Steuerzahlungen und niedrigeren auszahlungsrelevanten Sondereinflüssen gegenüber dem Geschäftsjahr 2007. Der nachhaltige, um Einmaleffekte bereinigte operative Free Cash Flow betrug 1.624 Mio. € (Vorjahr: 1.714 Mio. €), wodurch sich die Cash Conversion Rate auf den Rekordwert von 105 Prozent gegenüber 95 Prozent im Vorjahr erhöhte.

Die Bilanzsumme lag zum Stichtag 31. Dezember 2008 mit 20,1 Mrd. € unter dem Vorjahreswert von 21,8 Mrd. €. Das Eigenkapital erhöhte sich von 6,1 Mrd. € auf 6,2 Mrd. €. Damit ergab sich eine Eigenkapitalquote von 31,0 Prozent (Vorjahr: 28,2 Prozent).

Bertelsmann verzeichnete 2008 wie in den vorangegangenen Jahren einen Mitarbeiterzuwachs. Der Konzern beschäftigte zum Ende des Geschäftsjahres 106.083 Mitarbeiter (Vorjahr: 94.490 in den fortgeführten Aktivitäten).

Random House gab 2008 beim Umsatz und beim Operating EBIT nach. Die Umsatzrendite erreichte 8,0 Prozent (Vorjahr: 9,4 Prozent). Der Umsatz von Random House sank um 6,3 Prozent auf 1,7 Mrd. € (Vorjahr: 1,8 Mrd. €), maßgeblich bedingt durch negative Wechselkurseinflüsse. Bereinigt um Wechselkurseffekte und Akquisitionen blieb der Random-House-Umsatz trotz eines durch die globale Wirtschaftskrise gedämpften Konsumklimas und stagnierender Buchmärkte stabil. Rückgänge in Nordamerika, vor allem in der zweiten Jahreshälfte, konnten durch einen höheren Buchabsatz und gesteigerte Marktanteile in europäischen Kernmärkten größtenteils aufgefangen werden.

Das Operating EBIT ging im Berichtszeitraum um 20,8 Prozent von 173 Mio. € auf 137 Mio. € zurück und spiegelt damit ebenso die Entwicklung von Konjunktur, Konsumklima und Wechselkursen sowie höhere Autorenkosten wider. Die Zahl der Mitarbeiter betrug zum Jahresende 5.779 (31. Dezember 2007: 5.764). Das Geschäftsjahr 2008 war für Random House durch einen Führungswechsel und eine Reorganisation der Verlagsstruktur in den USA geprägt. Zum 1. Juni 2008 übernahm Markus Dohle das Amt des Chairman und CEO von Random House [mehr…]. Zum Jahresende wurden fünf Verlagsgruppen zu drei Einheiten zusammengefasst (Crown Publishing Group, Knopf Doubleday Publishing Group und Random House Publishing Group); die Verlagsgruppe „Kinderbuch“ blieb unverändert.

Durch diese Umstrukturierungen fielen signifikante Einmalkosten an. Random House konnte für den Distributions- und Servicebereich neue Kunden unter Vertrag nehmen und verstärkte seine Aktivitäten im digitalen Bereich, darunter eine umfassende E-Book-Kampagne. Die Maßnahmen folgen dem Ziel, Random House auf nachhaltiges Wachstum auszurichten. Die Verlagsgruppe will ihre Markt- und Kundenorientierung bei fortgesetzten Investitionen in verlegerische Qualität stärken.

Random House erwarb im Laufe des Geschäftsjahres mehrere Verlage, darunter den Prestel [mehr…] Verlag und die Hugendubel Verlage [mehr…] in Deutschland sowie Watson-Guptill Publications in den USA. In Südafrika fusionierte Random House South Africa mit Struik Publishing zum neuen Marktführer Random House Struik.

Gruner + Jahr hat 2008 einen Umsatz unter Vorjahr erzielt; das Operating EBIT gab nach. Die Umsatzrendite erreichte 8,1 Prozent (Vorjahr: 9,3 Prozent). Ein Einbruch der Anzeigenmärkte in der zweiten Jahreshälfte und die anhaltende Konsumschwäche ließen den Umsatz um 2,2 Prozent auf 2,8 Mrd. € (Vorjahr: 2,8 Mrd. €) sinken. Die Rückgänge betrafen vor allem Deutschland, Spanien, Frankreich und Polen. Die G+J-Geschäfte in China entwickelten sich über Vorjahr.

Der internationale Medien- und Kommunikationsdienstleister Arvato steigerte im Geschäftsjahr 2008 sowohl den Umsatz als auch das Operating EBIT. Die Umsatzrendite betrug 7,4 Prozent (Vorjahr: 7,4 Prozent). Der Umsatz erhöhte sich um 1,5 Prozent auf 5,0 Mrd. € (Vorjahr: 4,9 Mrd. €). Dazu trugen alle drei großen Geschäftsbereiche Arvato Print, Arvato Services und Arvato Digital Services bei.

Die Druckdienstleistungssparte Arvato Print entwickelte sich in Summe gut und steigerte trotz schwieriger Bedingungen in den relevanten Kernmärkten Umsatz und Ergebnis. Eine starke Performance wies das Offsetdruckgeschäft auf: Die Mohn-Media-Gruppe trieb die Entwicklung zu einem integrierten Dienstleister rund um die Druckproduktion weiter voran und setzte damit ihren Wachstumskurs fort.

Die Club- und Buchhandelsgeschäfte der Direct Group, die sich nach einer strategischen Neuordnung nunmehr auf den deutsch- und französischsprachigen Raum, die Iberische Halbinsel, Italien und die Ukraine konzentrieren, wiesen in den genannten Märkten 2008 einen gesunkenen Umsatz und ein gestiegenes Operating EBIT auf.

Die Umsatzrendite erhöhte sich auf 1,7 Prozent (Vorjahr: 1,4 Prozent). Der Umsatz in den fortgeführten Aktivitäten lag mit gerundet 1,3 Mrd. € um 3,7 Prozent unter dem Vorjahreswert (1,3 Mrd. €). Die Clubs und Buchhandlungen konnten sich damit vergleichsweise gut in stagnierenden bis schrumpfenden Buchmärkten behaupten. Einbußen im traditionellen Clubgeschäft mit Abnahmeverpflichtung wurden größtenteils durch Diversifikationsgeschäfte aufgefangen. Das Operating EBIT stieg auf 22 Mio. € (Vorjahr: 18 Mio. €).

Negative Konjunktureinflüsse vor allem in Spanien und Frankreich konnten durch Kostenmanagement, ein verbreitertes Produktangebot sowie Wachstum in Osteuropa mehr als ausgeglichen werden. Die Zahl der Mitarbeiter betrug zum Jahresende 9.268 (31. Dezember 2007: 10.050). Im Berichtszeitraum wurden gemäß der neuen strategischen Ausrichtung die Clubgeschäfte in Nordamerika, Großbritannien und den Niederlanden/Flandern verkauft. Die Clubaktivitäten in Asien, darunter die Buchclubs und die Buchhandelskette 21st Century in China, wurden mangels wirtschaftlicher Perspektive eingestellt. Für weitere kleinere Clubs in Märkten außerhalb des neuen strategischen Fokus lief der Verkaufsprozess zu Ende der Berichtsperiode noch.

Die Clubs in Deutschland und Frankreich entwickelten sich 2008 weitgehend stabil. Der deutsche Club erzielte zum dritten Mal in Folge einen leichten Gewinn, vor allem dank der wachsenden Akzeptanz von Angeboten außerhalb des Buch- und Musiksortiments wie Reisen, Versicherungen und Mobildienste.

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