Der Vorstand der Arbeitgemeinschaft Wissenschaftlicher Sortiments-und Fachbuchhandlungen (AWS) hat heute einen offenen Brief an Dr. Hans Beck gesandt, der zeigt, dass die Entwicklung im E-Book Markt für den Fachbuchhandel bedrohliche Formen annimmt.
Der Brief zeigt auch das Konfliktpotential für die gesamte C.H.Beck-Gruppe, zu der ja auch die große Buchhandelskette Schweitzer Fachinformationen gehört und die von dieser Problematik auch betroffen ist:
Offener Brief des AWS-Vorstandes – E-Book-Pakete
Sehr geehrter Herr Dr. Beck,
in den letzten Monaten haben Fachbuchhandlungen und wissenschaftliche Verlage ihr gemeinsames Engagement im Vertrieb von E-Books kontinuierlich und erfolgreich ausgebaut. Die lokale Präsenz von wissenschaftlichen Buchhandlungen und die Entwicklung maß-geschneiderter Lösungen im institutionellen Umfeld machen Fachbuchhandlungen – auch im Bereich digitaler Medien – zu einem geschätzten Geschäftspartner von Bibliotheken in Universitäten und Fachhochschulen. UTB, Springer und Thieme stehen stellvertretend für Verlage, die im Dialog mit Fachbuchhandlungen Modelle, Services und Erweiterungen des digitalen Leistungsspektrums entwickeln und im Interesse aller Beteiligten umsetzen.
In einem sehr offenen und von der AWS zu Beginn dieses Jahres organisierten Gespräch zwischen Bibliotheken, Buchhandlungen und Verlagen zum Thema E-Books wurden die Vorteile einer engen und konstruktiven Zusammenarbeit deutlich: genaue Kenntnis des Kundenumfelds, Vor-Ort-Service und persönliche Kontakte zu Entscheidern und Nutzern stabilisieren die Geschäftsbeziehung zwischen Bibliothek und Buchhandel, nicht nur im Printgeschäft, sondern auch im digitalen Umfeld.
Mit Befremden nimmt daher die AWS – als Vertretung der wissenschaftlichen Sortiments- und Fachbuchhandlungen – die Entscheidung des Beck-Verlags zur Kenntnis, 350 aktuelle juristische Lehrbücher und Kommentare als E-Book-Pakete ausschließlich direkt zu vermarkten. Dieses Vorgehen gefährdet nicht nur langfristig aufgebaute Kundenbeziehungen, zum Nachteil von Verlag und Buchhandel, sondern entzieht dem Fachbuchhandel eine wesentliche Grundlage seines Handlungsspektrums: Print- und digitale Medien sind nicht trennbar – sie sind komplementäre Produkte und professionelle Handelsunternehmen können nur mit einem medienübergreifenden Angebot die vielfältigen Anforderungen unterschiedlicher Kunden-umgebungen abdecken.
Wir fordern Sie an dieser Stelle auf, Ihr Vorgehen zu überdenken und Maßnahmen zu ergreifen, mit denen der Fachbuchhandel in die Vermarktung Ihres E-Book-Angebots einbezogen wird.
Eine Gelegenheit zum Gespräch bietet die AWS-Jahrestagung, Anfang Mai in Bonn, bei der über 130 Teilnehmer aus Buchhandel, Verlagen und Zwischenbuchhandel mit Referenten aus Wissenschaft und Bibliotheken über die zukünftigen Handelsprozesse diskutieren. Sie sind dazu herzlich eingeladen.
Mit freundlichen Grüßen
AWS-Vorstand
Thomas Emig (Vorsitzender)