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Frankfurt am Main: Der lange Tag der Bücher

Plakat zum Event

Gestern fand von 11 bis 23 Uhr der 6. lange Tag der Bücher, veranstaltet von zwölf literarischen Verlagen Frankfurts und dem schauspielfrankfurt, statt.

Bürgermeisterin Jutta Ebeling eröffnete die Veranstaltung. Unter dem Schauspiel-Motto des Jahres, „Hin und weg“, versammelte sich im Haus am Willy-Brandt-Platz die „Crème de la Crème“, wie Ebeling sagte, der Frankfurter Verlagsszene. Autoren, Verleger und Leser gaben sich im Schauspiel ein Stelldichein.

Das Motto war in jeder Hinsicht doppelsinnig. Die seit 2001 amtierende Intendantin Elisabeth Schweeger wird das schauspielfrankfurt verlassen, der neue Intendant, Oliver Reese, am 15. Juni offiziell präsentiert.

Auch in der Verlagslandschaft gibt es Umbrüche. Doch: „Frankfurt ist eine prosperierende Literaturstadt – ich sage das aus gutem Grunde“, unterstrich die Bürgermeisterin. Die Literatur sei in der Mainmetropole bunt und vielfältig vertreten.

Der Organisator des langen Tages der Bücher, Florian Koch, freute sich, dass der Hauptveranstaltungsraum Chagall-Saal wieder komplett ausgestattet ist: Die Commedia dell’arte hängt nach langer Restaurierung wieder an ihrem Platz.

Zur literarischen Vielfalt erklärte Koch, dass Suhrkamp Frankfurt zwar verlassen wird, einige „Kinder des Verlages“, wie der Verlag der Autoren, der Schöffling Verlag, Weissbooks und die Frankfurter Verlagsanstalt aber hier bleiben.

Er dankte den Sponsoren Stiftung Polytechnische Gesellschaft, schauspielfrankfurt, Kulturamt der Stadt Frankfurt, Accente Services, Literaturbetrieb und den Medienpartnern hr2kultur, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurter Rundschau und Frankfurter Neue Presse und wies gleichzeitig darauf hin, dass die Stiftung Polytechnische Gesellschaft im nächsten Jahr nicht mehr als Sponsor zur Verfügung stehen wird. Zwar ist der Eintritt zu den zwölf Lesungen frei, aber an der Tür zum Chagall-Saal wurde ein Spendenkästchen angebracht. Schließlich wolle man die seit 2004 erfolgreiche Veranstaltung auch 2010 weiterführen.

Die erste knappe Stunde bestritt der Stroemfeld Verlag. Schon als junger Mann war Verleger KD Wolff vom Autor Robert Walser begeistert. In Wolfram Groddeck fand er einen kongenialen Partner für die historisch-kritische Neuausgabe sämtlicher Drucke und Manuskripte Walsers. Das Mammutwerk – 44 Bände in zwei Formaten – ist auf 15 Jahre geplant, der erste Band erschien 2008.
Martin Butzke vom schauspielfrankfurt rezitierte mit viel Einfühlungsvermögen zwei Geschichten aus der Edition Geschwister Tanner.

Heiner Boehncke stellte in der zweiten Stunde Ursula Neeb vor. Sie las aus ihrem historischen Frankfurt-Roman Der Wundermann, erschienen letztes Jahr im Societäts-Verlag.

Die Edition Büchergilde bestritt die folgende Lesung. Lothar Ruske präsentierte den Autor und Liedermacher Salli Sallmann. In der Verschwiegenen Bibliothek, einer Sammlung verbotener DDR-Autoren, erschien in diesem Jahr als zehnter Band Badetag. Sallmann, 1953 im damaligen Karl-Marx-Stadt geboren, während seines Studiums Mitglied des Chansonclubs Leipzig, war 1977 verhaftet und dann nach West-Berlin abgeschoben worden.
In seinen Liedern, Gedichten und Prosatexten schildert er Unzulänglichkeiten des DDR-Alltags. Seine zur Gitarre gesungene Tramperromanze lässt die 70er Jahre, in denen der Song entstand, für Momente aufblitzen.

Venedig heißt die Stadt, in der allerlei geheimnisvolle Dinge passieren. Clemens Greve stellte den Autor Fortunato (Thomas Montasser) vor, von dem soeben eine neue Krimi-Reihe für Kinder, Die Spur der Drachen, im Baumhaus Verlag erschienen ist, der erste Band Dragos dunkle Reise liegt vor und wird im Mai auch als Hörbuch auf den Markt kommen.
Fortunato bleibt nicht auf dem Podium sitzen, sondern läuft durchs Publikum, spricht die Zuhörer direkt an.

Schauspieler vom Theaterhaus Ensemble Frankfurt lasen um 15 Uhr aus An der Arche um acht von Ulrich Hub, erschienen im Verlag der Autoren. Thomas Maagh moderierte diese Stunde.

Fliegende Koffer von Annegret Held erschien vor kurzem im Eichborn Verlag. Norbert Schreiber machte mit der Autorin bekannt, die ihre Themen in ihrem Berufsalltag als Polizistin, Sekretärin oder Altenpflegerin aufspürte. In ihrem neuesten Roman geht es um Luftsicherheitsbeamte an einem Flughafen, um Liebe, Gewinner und Verlierer.
Norbert Schreiber, 25 Jahre bei hr2kultur, nutzte die Gelegenheit, um sich von seinem Publikum zu verabschieden – er verlässt den Sender aus Alters(teilzeit)gründen.

Weissbooks hatte Premiere beim langen Tag der Bücher. Während im Vorjahr noch die leider nicht mehr existierende Heinrich & Hahn Verlagsgesellschaft dabei war, rückte nun der Anfang 2008 gegründete Verlag von Rainer Weiss und Anya Schutzbach nach. Sonja Vandenrath stellte den Autor Daniel Zahno vor, der aus seinem soeben erschienenen Debütroman Die Geliebte des Gelatiere las.

Heinz-Jürgen Jungheinrich bestritt mit dem Chef-Dramaturg der Oper, Norbert Abels, und dem Dielmann-Verlag die nächste Stunde. Seit 1997 an der Oper Frankfurt, präsentierte Abels Szenen einer Operngeschichte, praktisch ein Zusammenschnitt aus 400 Jahren, der von Monteverdi bis Pintscher reicht.

Nanettes Gedächtnis von Friedmar Apel, publiziert im Suhrkamp Verlag, stand im Mittelpunkt der 19-Uhr-Lesung. Alf Mentzer moderierte die Lesestunde, in der es um die Buchhändlerin Nanette, eine Gedächtniskünstlerin, die ihre Fähigkeiten durch einen mysteriösen Vorfall verloren hat, ging.

Der Schöffling Verlag mit Autor Markus Orth und seinem Porträt Das Zimmermädchen stand im Anschluss auf dem Programm. Michael Hohmann moderierte.

Italienische Momente erlebten die Zuhörer ab 21 Uhr: Maria Gazzetti und Maria Cecilia Barbetta unterhielten sich über Die Änderungsschneiderei Los Milagros, erschienen 2008 im S. Fischer Verlag.

Hans Sarkowicz bestritt mit der Autorin Nora Bossong und ihrem Roman Webers Protokoll, Frankfurter Verlagsanstalt, die letzte Runde des langen Tags der Bücher.

Ein gelungener Lese-Tag, der wie gewohnt von einem Büchertisch, in diesem Jahr organisiert von der Buchhandlung Buch & Wein, begleitet wurde.

Das Lesecafé im Glas Haus bot nicht nur Speisen und Getränke, hier konnte man auch in auf den Tischen ausgelegten Neuerscheinungen der beteiligten Verlage schmökern.

Erstmals fand vor dem schauspielfrankfurt ein Bücherflohmarkt statt, auf dem u.a. hochwertige Editionen – darunter Eichborns Die Andere Bibliothek – angeboten wurden. Viele Besucher interessierten sich an den Ständen der sieben privaten und antiquarischen Buchhändler für die etwa 8000 bis 10000 Publikationen. Stefan Beuttler, Buchhändler aus Leidenschaft, organisierte den Markt.
Ein Stand des Literaturbetriebs machte auf die Aktivitäten dieses Vereins aufmerksam, außerdem konnte man Rheingauer Wein, Literaturlese, erstehen.

JF

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