
Der Argument Verlag, 1959 in Berlin aus einer Initiative gegen den Atomtod entstanden, wird in diesem Monat 50 Jahre alt. Der Verlag wurde von dem Philosophen Wolfgang Fritz Haug gegründet, der später als FU-Professor für seinen legendären „Kapitalkurs“ berühmt war. Er und die Soziologin Frigga Haug manövrierten den linken Verlag durch fünf stürmische Jahrzehnte: Ein halbes Jahrhundert kritischer Geist und verlegerische Praxis.
Es begann mit einem am 2. Mai 1959 verteilten Flugblatt der Berliner Studentengruppe gegen Atomrüstung: „Das Argument: Tatsachen – was weiter?“ Schon nach einem Jahr wurden aus den regelmäßig erscheinenden mehrseitigen Flugblättern broschierte Bücher: „Das Argument, Zeitschrift für Philosophie und Sozialwissenschaften“. Während der Studentenbewegung stieg die Auflage des „Argument“ sprunghaft an, erstmalig wurden auch Bücher herausgegeben. Die wissenschaftlichen Reihen „Argument Sonderbände“ und „Argument Classics“ bilden noch heute die Basis zur Diskussion linker Theorie. Zentrale Themen sind: Frauenstudien und Feminismus, Psychologie, Philosophie, Marxismus, Medizin, Ideologie, Rassismus, Arbeit und Ökonomie, Kultur, Politik und Gesellschaft.
Zu den bedeutendsten Publikationen des Argument Verlages gehören die „Gefängnishefte“ von Antonio Gramsci (sowie seine Korrespondenz). Das Projekt fußt auf dem Engagement von Wolfgang Fritz Haug, der die Veröffentlichung initiierte sowie als Mitübersetzer und Co-Editor betreute. Seit 1994 erscheint unter seiner Herausgeberschaft ein weiteres Großprojekt: das „Historisch-Kritische Wörterbuch des Marxismus“ (erschienen sind 8, geplant 15 Bände). Für das Argument-Team aktueller denn je – fällt doch das Jubiläumsjahr mit einer weltweiten Marx-Renaissance zusammen, von den Medien staunend verfolgt.
Seit über 20 Jahren ist der Argument Verlag bekannt für subversive Kriminalromane von Frauen. 1988 hob die international für ihre sozialwissenschaftliche Methode „Erinnerungsarbeit“ bekannte Professorin Frigga Haug (Hamburg, Sydney, Durham, Toronto u.v.m.) die Ariadne Krimis aus der Taufe: Hier ermitteln Frauen, mal selbstsicher, sarkastisch und schnoddrig wie Marlowe, mal schüchtern, chaotisch oder gar widerwillig. Neben Spannung gibt es Liebe und Politik, Abwasch und Kindergeschrei, Lesbenalltag, große Abenteuer, Träume und heiße Debatten.
Aktuell liegt der Schwerpunkt auf Entdeckung und Aufbau deutscher Krimi-Talente, die das Genre hierzulande aus seinem Schneewittchenschlaf reißen, die Realität auf Korn nehmen und zeitlos interessante Figuren entwickeln. Der heiß diskutierte Kriminalroman „Nachtkrater“ von Christine Lehmann steht seit Februar 2009 auf der KrimiWelt-Bestenliste, und Dagmar Scharsichs semi-historisches Romanexperiment „ Der grüne Chinese“ wird als „wunderbar und leider viel zu selten im deutschen Kriminalroman“ (www.krimiblog.de) bezeichnet.
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