
Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch.
Frankfurter Rundschau
Calvin wird 500 – und schon gibt’s zwei neue Bücher über ihn: Herman Seiderhuis Johannes Calvin. Mensch zwischen Zuversicht und Zweifel (Gütersloher) und Volker Reinhardt Die Tyrannei der Tugend (C.H. Beck). Sonst weiter nichts.
Frankfurter Allgemeine Zeitung
„Urgestalten der Kriegsphantasie“: Die dritte radikale Widerstandsbewegung: der Islamismus von Ernst Nolte ist neu bei Landt erschienen.
Joseph Hanimann rezensiert August Strindbergs Reportage Unter französischen Bauern (Eichborn).
Sebnem Isigüzels Roman Am Rand – ein „bizarres Märchen“, so Rezentin Ariane Breyer ist bei Berlin erschienen.
Annotationen
Carl-Christian Elze gänge (Connewitzer Verlagsbuchhandlung) und Björn Quiring Shakespeares Fluch (Wilhelm Fink).
Zu Walter Kempowski gab es in Rostock ein Symposium – nun wird er endgültig zum Großschriftsteller, meint Edo Reents.
Auf der letzten Seite zwei Geburtstags-Porträts: Volker Braun, „gesamtdeutscher Autor schon vor dem Mauerfall“ (hat am 7. Mai den 70.) und Amoz Oz (wird heute 70).
Die Welt
Vor 150 Jahren starb Alexander von Humboldt. Er „lehrte seine Zeitgenossen wie uns Heutige nicht nur, wie man eine Entprovinzialisierung des Denkens in Gang bringt, sondern zeigte auf, dass der Prozess der Globalisierung als Ineinanderwirken von Erfahrenem und Erfundenem die Entwicklung neuer, relationaler Logiken erfordert,“ sagt Ottmar Ette, Autor des Buches Alexander von Humboldt und die Globalisierung bei Insel.
Jonathan Franzen kommt sich vor wie ein gefährdeter kleiner Vogel, erfährt man im Interview, das Wieland Freund mit ihm geführt hat. Zuletzt ist Die Unruhezone bei Rowohlt erschienen.
In zehn Bänden stellt die WELT-Edition 60 Jahre Deutschland vor. Bis zum 15. August zum Subskriptionspreis von 119,- € für alle zehn Bände im Schuber.
Zu Amos Oz‘ 70. Geburtstag stellt Michael Borgstede die „größte und schillerndste Gestalt“ der israelischen Literaturszene vor. Sein Meisterwerk Eine Geschichte von Liebe und Finsternis ist wie sein übriges Werk auf deutsch bei Suhrkamp erhältlich.
Wirtschaftswoche
Dort gibt Jeff Jarvis, Autor von „Was würde Google tun?“ (Heyne) und Verfechter des For-Free-Publishing im Interview zu: „Ich bin ein Heuchler“. und ergänzt:
„Ich hätte das Buch einfach auf Google stellen sollen, damit möglichst viele Leute es finden, lesen und verlinken können. Aber ich habe einen Vorschuss von meinem Verleger akzeptiert, und mein Kind geht bald aufs College.“ Und auf Nachfrage: „Die Verlagsbranche vermarktet Bücher immer noch sehr gut, hat die Vertriebswege über die Buchhandlungen. Ich hatte einen ausgezeichneten Lektor. All diese Vorzüge habe ich genossen – neben einem sehr anständigen Honorar. Die neue Medienwelt ist hingegen noch nicht groß genug, hat die kritische Masse noch nicht erreicht. Aber sie ist auf dem Weg dorthin.“ Zum Weiterlesen hier.
Süddeutsche Zeitung
Willi Winkler über die Vermutung, Walter Kempowski habe für die Amerikaner spioniert. 2009 ist bei Knaus Langmut erschienen.
„Der Versuch, sinnlich zu schreiben und dabei genau zu bleiben, der auch etwas ins Verschnörkelte geraten kann, ist in der deutschsprachigen Literatur nicht die Regel“, findet Hans-Peter Kunisch und hält Esther Kinsky „als Schriftstellerin für eine Entdeckung.“ Ihr Romandebüt Sommerfrische ist bei Matthes & Seitz erschienen.
„Nüchtern, fast neutral, aber nicht kalt“ dagegen ist Sybille Bedfords Erinnerungsbuch Rückkehr nach Sanary bei SchirmerGraf.
„Zäh dahinfließend“ sei Irina Tabunowas Fremdes Territorium im Berliner Taschenbuch Verlag.
Meiner modernisiert das Layout der Philosophischen Bibliothek.
Marcus Chowns Das Universum und das ewige Leben bei dtv soll „ein unbedingt lesenswertes Buch“ sein, „das Möglichkeiten und Fehler des gegenwärtigen Menschheitsprojekts mit großer Deutlichkeit ausdrückt“, findet Burkhard Müller: „Man nehme es auf den Schoß wie eine Katze, steichle es erst mit dem strich, dass es schnurrt und die knisternden Funken der Erkenntnis zieht. Dann packe man es fest und bürste es gegen den Strich: dann erst, wenn es faucht und kratzt und auf alle Weise Widerstand leistet, wird es sich ganz offenbaren.“
Das politische Buch
Peter Johann Mainka erzählt die Geschichte der brasilianischen Stadt Rolandia, die 1932 von Bremer Kaufleuten und NS-Gegnern gegründet worden ist: Roland und Rolandio im Nordosten von Paraná – Gründungs- und Frühgeschichte einer deutschen Kolonie in Brasilien. Zu beziehen über jmtiemann@hotmail.com.
Bei Propyläen ist eine Sammlung von Texten Peter Scholl-Latours erschienen: Der Weg in den neuen Kalten Krieg.
„In dem Maße, in dem autoritäre Mangementkonzepte durch eine größere Selbständigkeit ersetzt wurden, verloren die sozialen Auseinandersetzungen an Dynamik“, resümiert Gottfried Oy nach der Lektüre von Arndt Neumanns Kleine geile Firmen von Edition Nautilus.
Neue Zürcher Zeitung
Uner „Sich mit dem Unglück arrangieren“ gratuliert die Zeitung zum 70. Geburtstag von Amos Oz. Sein letzter Roman erschien 2007 unter dem Titel Verse auf Leben und Tod (Suhrkamp)
Wie jeden Montag werden literarische DVDs besprochen, unter:
> „Brechts Wampe“: Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt Regie: Slatan Dudow, Suhrkamp Filmedition
> „Karmakars Lektion“: Hamburger Lektionen, Regie: Romuald Karmakar, Suhrkamp Filmedition
> „Žižeks Perversion“: The Pervert’s Guide to Cinema presented by Slavoj Žižek, Regie: Sophie Fiennes, Verlag Zweitausendeins.