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Seckbacher Studie zum Landkartenmarkt

Desiree Beutler, David Wimmer und Isabell
Kramer (v.l.) präsentierten die Studie

Gestern Abend – zwei Tage vor Übergabe der Zeugnisse – stellten in den Schulen des Deutschen Buchhandels in Frankfurt-Seckbach die Auszubildenden eine Studie zum Landkartenmarkt vor.

Dr. Thomas Casagrande, Leiter Ausbildung, begrüßte Teilnehmer und Gäste, Gerhard Heimler, Leiter des GeoCenter Schulungszentrums Stuttgart und Leiter der Projektgruppe zum Landkartenmarkt an der Schule, führte kurz ins Thema ein.

Ausgangspunkt für die 16 teilnehmenden Azubis war die Frage, ob die gute alte Landkarte in Zeiten digitaler Routenplaner und Navigationssysteme überhaupt eine Überlebenschance hat.

In 11 Buchhandlungen wurden Kunden befragt, an 20 bundesweit ausgewählte Buchhandlungen wurden Fragebögen verschickt, von 412 ausgeteilten Bögen erhielten die zukünftigen Buchhändler 397 auswertbare zurück.

Detailliert werden die Ergebnisse der sechswöchigen Arbeit, die außerhalb des Unterrichts mit viel Engagement bewältigt wurde, auf 29 Seiten in Diagrammen dargestellt.

Das Fazit ist zunächst Geschlechter spezifisch unterteilt. Danach ist der Landkartenkäufer zwischen 40 und 60 Jahre alt, benutzt gerne analoge Karten für Outdooraktivitäten, achtet beim Kauf in erster Linie auf den Maßstab und verwendet ergänzend digitales kartografisches Material.

Die an Landkarten interessierte Frau ist zwischen 20 und 30 oder 40 und 50 Jahre alt, kauft vorrangig Stadtpläne und Straßenkarten, achtet beim Kauf primär auf Handhabung und Lesbarkeit und nutzt ebenfalls Navigationssysteme und Downloads aus dem Internet.

Beide Kundengruppen würden elektronische Medien auch im Buchhandel kaufen. Interessant ist, das Marken und Verlage, Preis und GPS-Tauglichkeit weder für Käuferin noch für Käufer eine Rolle spielen.

Die Studiengruppe sieht folgende Konsequenzen für den Buchhandel: Die Chancen liegen im Outdoorsegment (Wandern und Radfahren), Straßenkarten sind immer weniger gefragt.
Überlegungen, ob nicht auch digitale Karten, Navigations- und GPS-Geräte im Buchhandel angeboten werden können, sind nicht von der Hand zu weisen.

In der anschließenden Diskussion sieht Wolfgang Schmelzle, Dozent Rechnungswesen und allgemeine Wirtschaftslehre, die Altersstruktur der Landkartenkäufer mit Beunruhigung und fragt, wie die jungen Leute erreicht und interessiert werden können.

Ein Auszubildender weist darauf hin, dass für ihn als künftigen Buchhändler eine Schulung zum Kartenmaterial notwendig wäre, nur so könne er kompetent anbieten und verkaufen.

Wolfgang Brendel von der Spezialbuchhandlung Landkarten Schwarz in Frankfurt, leider der einzige anwesende Buchhändler, bestätigte den Rückgang im Landkartensegment, besonders deutlich ist das bei Straßenkarten spürbar. Eine Erweiterung des Sortiments um beispielsweise Navigationsgeräte hält er aufgrund des Preiskampfes für schwierig.

Im Schlusswort forderte Gerhard Heimler: Buchhandlungen müssen mehr als nur Produkte anbieten, denn das kann das Internet ebenfalls, und zwar rund um die Uhr. Kompetente Beratung, spezielle Veranstaltungen – diese Vorteile müssen verstärkt im Buchhandel genutzt werden.

JF

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