
Während in den beiden Messezelten am Rheinufer [mehr…] reges Treiben herrschte, lockten auch am dritten Messetag zahlreiche Rahmenveranstaltungen Besucher an.
So gab es im Gutenberg-Museum die zweite Exposition éphémère, an der fast 20 Einbandgestalter aus Tschechien, Frankreich, Belgien und Deutschland teilnahmen. Der ehemalige Präsident der Internationalen Vereinigung Meister der Einbandkunst, August Kulche, erläuterte anhand eigener Exponate sein Verständnis der Einbandgestaltung. Für ihn muss es eine freie Kunst bleiben, denn „der Buchbinder von heute sollte wie ein Couturier arbeiten“, das Äußere eines Buches spricht für sich.
Der 82-Jährige bedauert, dass der Buchbindermarkt in Deutschland wenig beachtet wird. Die Ausstellung im Gutenberg-Museum kann einen kleinen Beitrag dazu leisten, diese jahrhunderte alte Kunst wieder mehr in den Fokus zu rücken.
Die zahlreichen Besucher der Exposition scheinen August Kulche Recht zu geben. Auch der stellvertretende Direktor des Hauses, Dr. Claus Maywald, freut sich über das Interesse. „Diese zweite Ausstellung haben wir gut vorbereitet. Es gibt beispielsweise Mappen, in denen man Informationen über die einzelnen Künstler, die Blätter mit Angaben zu ihrer Person und ihren Werken mitbrachten, sammeln kann. Auch der Zeitpunkt im Rahmen der Minipressen-Messe ist gut gewählt, die Kooperation klappt hervorragend.“
Zur dritten Ausstellung im Jahr 2011 hat August Kulche übrigens versprochen, am Stand im Museum zu zeigen, wie auf Einbände Vergoldungen angebracht werden. Offensichtlich gehen dem Altmeister die Ideen nicht aus.
Am Abend zeigte das Theater Curioso ebenfalls im Gutenberg-Museum Gern – Gerner – Gernhardt, eine szenische Verbeugung vor Robert Gernhardt. Viele der über 30 Texte entstammen dem Band Kippfigur. Katrin Israel beginnt mit dem Atelierbesuch im Foyer des Museums, anschließend versammeln sich die Zuschauer im Kinosaal und erleben ein spritziges, witziges, heiteres Programm, dargeboten außerdem von Helmut Heitel – wunderbar als Maler und als lieber Gott, Henning Eckel, herrlich als eifersüchtiger Ex-Liebhaber, und Michael Ihringer als smarter, aber nicht sehr trinkfester Teufel. Die Kurzpausen zwischen den einzelnen Texten füllte Günter Bozem mit Hilfe seines umfangreichen Vorrats an Percussion-Instrumenten kongenial aus.
Ein Abend, an dem Robert Gernhardt wohl seine Freude gehabt hätte. Wer das Theater Curioso am 23. Mai verpasste, hat am 20. Juni Gelegenheit, die Vorstellung in Darmstadt im Theater Moller Haus zu sehen.
JF