
Bildschirmen über Erfolg…
Prominenter Redner, kabarettistisches Unterhaltungsprogramm, Live Band, Fotografen für die Gäste, ein auswahlreiches Buffet und das alles in einem riesigem Saal, in dem die Redner jeweils auf vier Leinwänden in Großformat zu verfolgen waren: Der Deutsche Ärzteverlag ließ es gestern auf seiner 60-Jahr-Feier im Kölner Theater am Tanzbrunnen an nichts fehlen.
Knapp 350 Gäste waren der Einladung zur Jubiläumsfeier gefolgt und damit wurde die Veranstaltung zu einer Demonstration der Netzwerkfunktion, die der Deutsche Ärzte Verlag unter den Medizinern hat. Entsprechend brauchte Geschäftsführer Dieter Weber bei seiner Begrüßung geschlagene 15 Minuten, um die Ehrengäste zu nennen, bevor er dann noch einmal die Strukturen des Ärzteverlages erläuterte und seine jüngsten Beteiligungen aufzählte, in dessen Zentrum das Deutsche Ärzteblatt mit seiner Auflage von knapp 400.000 Exemplaren (etwa wie Süddeutsche Zeitung) steht. Für Weber seien die neuen Medientechnologien die künftige Herausforderung. 1996 habe der Verlag das erste Online-Angebot gestartet, jetzt müsse daran gearbeitet werden, wie damit Geld verdient werden könne.

der Online-Welt
Prof. Dr. med. Dr. h.c. Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer, erinnerte an die Anfänge des Verlages, der hälftig jeweils der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung gehört. Die Unternehmensgruppe begann mit einem Startkapital von 20.000 DM. Heute hat die Unternehmensgruppe Deutscher Ärzteverlag 700 Mitarbeiter und macht 140 Mio. Euro Umsatz. Er dankte ausdrücklich für die Arbeit der Verlagsmitarbeiter und hatte nichts auszusetzen: „Weiter so!“, rief er ihnen zum Abschluss seiner Rede zu.
Danach betrat Gastredner Stefan Aust das Podium, der über Märkte Medien und Moral reden sollte. Der Ex-Spiegel-Mann sprach hauptsächlich über Finanzmärkte und zeigte auf, warum die Finanzkrise nichts anderes als eine Art Kettenbrief bzw. ein Pyramidenspiel war, bei dem windige Finanzberater für kleinen Einsatz große Renditen versprechen, dieses aber nur bei den ersten Ausschüttungen einhalten können bis das System zusammenbricht. „Die Kleinen kommen ins Gefängnis, die Finanzinvestoren werden nicht verfolgt“, so Aust. Am Ende verglich er auch die Sozialsicherungssysteme mit einem solchen Pyramidenspiel. Und er kam zu dem Schluss: Auch das heutige Gesundheitssystem sei ein Schneeballsystem, bei dem die ersten aus dem Topf noch bedient werden könnten. Die Frage sei, wann diese Blase platzt, so Aust.

(Rothacker), Rolf Hammann (Lehmanns) und
Elisabeth Straßmeier (Froberg)
Mit Witz und Sprachspiel nahm anschließend der Münchener Kabarettist Willy Astor die Ärzteschaft („Profi-laxe“, „Manche haben sich im Naturheil verfahren“) und das Rheinland aufs Korn („Ihr armen Kölner werdet nie erleben wie es sich anfühlt, wenn man 19 Mal Deutscher Meister war.“), erntete dann aber doch Applaus als er eine Kölner Jeckenkappe aufsetzte und sich als „Jeck Nicholson“ vorstellte.
Am Ende heizte eine Live Band mit Klassikern aus 60 Jahren Pop-Geschichte ein und ließ einen Abend ausklingen, der vor allem für das persönliche Gespräch genutzt wurde.







