
Lesen Sie aufmerksam folgenden Text und schicken Sie uns die richtige Lösung: Ein relativ kurzer Krieg hatte zur Folge, dass in der Mitte Europas ein neues Kaiserreich entstand. Aus dem besiegten Nachbarland flossen Gelder, die zu einem Wirtschaftsboom führten. Diesen Boom nutzte der Sohn eines Gutsbesitzers zur Gründung einer spezialisierten Fachbuchhandlung im Herzen der neuen Reichshauptstadt.
Der gelernte Buchhändler hatte in der Hauptstadt des besiegten Nachbarlandes in Fachverlagen gearbeitet und anschließend einen von ihnen in seiner Heimat als Reisender bei Endkunden vertreten. Das hatte ihn in Kontakt zu einer Berufsgruppe gebracht, auf deren Bedarf er seine Buchhandlung neuen Typs ausrichtete. Er vertrieb dort weiterhin Spezialwerke aus dem Nachbarland, teils in der Originalsprache, teils in der seinerzeit völlig neuen Form der Koproduktion.
Der Gründer nahm seinen Bruder als Teilhaber in die Firma auf und gliederte der Buchhandlung einen Fachverlag an. Der Erfolg dieses neuen Verlags beruhte darauf, dass er sich auf eine Zielgruppe konzentrierte sowie die neue Technik der Fotografie für die optimale Reproduktion von Abbildungen einsetzte. Eigene Fotografen des Verlages reisten mit transportierbaren Dunkelkammern durch Europa, denn da es noch keine Trockenplatten oder gar Filme gab, musste jede Platte an Ort und Stelle präpariert und entwickelt werden. Die Bildwerke des neuen Verlages wurden vornehmlich im Lichtdruck hergestellt, einige mit farbigen Lithografien ausgestattet. Dem Buchprogramm wurden Fachzeitschriften angeschlossen, die rasch tonangebend wurden.
Nach dem relativ frühen Tod der beiden Verleger blieb die Firma im Familienbesitz, wurde aber bald in eine GmbH und darauf in eine AG umgewandelt. Ein Neffe des Gründers wurde Vorstand und baute den Verlag nach einem großen Krieg mit seinem Bruder neu auf. Gemeinsam führten sie ihn auf hohem fachlichen und ausstatterischen Niveau mit externen Fachleuten als Berater weiter. Zum ursprünglichen Fachgebiet des Verlags waren inzwischen weitere Sparten getreten, für die ebenfalls großangelegte Bildwerke geschaffen wurden. In einem benachbarten deutschsprachigen Land entwickelte sich aus der Vertriebsfirma ein selbstständiger Verlag mit einem Namenszusatz in der Firmierung, der später als Imprint eines bekannten Literaturverlags dieses Nachbarlandes weiterlebte.
Inflation und Weltwirtschaftskrise brachten das deutsche Stammhaus in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Ein Vergleich wurde geschlossen, die AG liquidiert, Verlag und Buchhandlung an neuer Adresse in der Reichshauptstadt zunächst als GmbH, dann als AG weitergeführt. Der seinerzeit als 25-Jähriger in die Firma eingetretene Neffe des Gründers wurde während eines erneuten großen Krieges denunziert, kam ins Konzentrationslager und wurde schließlich auf einem berüchtigten Todesmarsch bei Kriegsende befreit.
Buchhandlung und Verlag, Verlagsarchiv und die Druckstöcke waren dem Bombenkrieg zum Opfer gefallen. Mühsam begann der Wiederaufbau des Verlags durch die beiden Brüder in einer schwäbischen Universitätsstadt, wo der Verlag noch heute seinen Sitz hat, einen zweiten am alten Firmensitz, wo die Buchhandlung neu errichtet wurde. Sie ist nach wie vor in ihren Spezialgebieten tätig, auch als Versandbuchhandlung, Bibliothekslieferant und Antiquariat sowie mit einigen angegliederten Museumsbuchhandlungen.
Der Verlag bringt weiterhin Bildbände in den angestammten Themengebieten heraus. Die Leitung beider Firmen liegt seit 1990 in den Händen eines Enkels des Verlagsgründers, der damit das Unternehmen in der dritten Generation führt.
Heinold fragt: Wie lautet der Name des Verlags (Kurzform genügt) und wo sind die beiden Verlagssitze?
Senden Sie die Lösung an: heinold@buchmarkt.de. Einsendeschluss ist der 15. Juni 2009. Unter den Einsendern, deren Lösung komplett und richtig ist, verlosen wir ein Exemplar „Bücher und Buchhändler“ von Wolfgang E. Heinold, 5. neubearbeitete Auflage, 239 S., Bramann 2007.}







