
Nein, das haben sich Selinde Böhme und Rudolf Müller nie träumen lassen, dass ihre Buchhandlung einmal im Geburtshaus von Heinrich Heine ansässig sein würde. Dass sie, wie es der Düsseldorfer Kulturdezernent Hans-Georg Lohe gestern Abend in seiner Eröffnungsansprache formulierte, das „Herzstück des literarischen Lebens in Düsseldorf“ sind – dafür freilich haben die beiden Buchhändler viel getan.
Schließlich kommt es nicht von ungefähr, dass ein Weltautor wie Cees Nooteboom öffentlich bekennt, seine Lieblingsbuchhandlung auf der ganzen Welt sei einfach die in Düsseldorfer Altstadt, und keiner hat wohl mitgezählt, wie oft er zu Lesungen im Laufe der Jahre bei Müller & Böhm war. Dass in den 20 Jahren des Bestehens der Buchhandlung etwa 650 Autoren gelesen haben, darf allerdings als gesichert gelten.
Müller & Böhm aber wollten ihr Jubiläum (und zugleich ihr Hochzeitstag, wie sie am Ende der Veranstaltung verrieten) nicht allein feiern. Sie hatten einen Jubilar eingeladen, der zweimal pro Jahr die Literaturfreunde Deutschlands (so sie nicht Abonnenten sind) in die Buchhandlungen lockt: Norbert Wehr und seine Zeitschrift „Schreibheft“. Auf ihn hielt Regina Wyrwoll, Generalsekretärin der Kunststiftung NRW, eine Laudatio: „Wehr hat mit dem „Schreibheft“ ein Werk geschaffen, das allen Kriterien künstlerischer Arbeit entspricht“.
Unter der Moderation von FAZ-Kulturkorrespondent Andreas Rossmann berichtete Wehr dann aus dem Alltag des Zeitschriftenmachens: „Heute könnte man so was ja vielleicht von den Bahamas aus machen, aber damals ging es nur in Essen – und eigentlich ist das bis heute so“, erzählte er und bedauerte, keinen Gründungsmythos für das finanziell bis heute unabhängige Blatt liefern zu können: Er habe schon als Student am „Schreibheft“ mitgewirkt; und irgendwie war ihm das Blatt schon immer wichtiger als das Studium.
Die Düsseldorfer Schauspelerin Kathleen Morgeneyer las zahlreiche Texte aus verschiedenen Schreibheft-Ausgaben – Pech für alle, die es in Düsseldorf verpasst haben – um die Künstlerin live zu erleben, werden sie demnächst nach Frankfurt reisen reisen müssen…