
des Vorstands der Ludwig-Börne-Stiftung (r),
gratuliert dem Preisträger Frank Schirrmacher
In der Paulskirche in Frankfurt am Main wurde heute Vormittag der Ludwig-Börne-Preis 2009 an Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, verliehen.
In ihrer Ansprache unterstrich Oberbürgermeisterin Petra Roth, dass so viel Nähe zwischen Ludwig Börne, der Jury und dem Preisträger selten festzustellen sei.
Necla Kelek, Autorin u.a. von Die fremde Braut und Bittersüße Heimat, hielt die Laudatio. „Einer wie mir“, so stellte sie an den Anfang, “wird möglich gemacht, was Ludwig Börne einst verweigert wurde.“ Ihre Thesen zur Migration stellte sie u.a. in der FAZ vor und dankte dem Herausgeber für diese Plattform.
Risikobereitschaft und der Mut, Verantwortung zu übernehmen, sind heute mehr denn je gefragt – Eigenschaften, die damals schon Börne anmahnte.
Necla Kelek ging auf die in Deutschland immer noch sehr verbreitete Ansicht, Migranten seien Opfer und werden auch als solche behandelt, ein. Diese Sicht ziehe eine endlose Sozialarbeit nach sich und zeitigt entmutigende Ergebnisse. Ein Kulturabbruch drohe.
Es gehe vielmehr darum, Menschen, die in zwei oder mehr Kulturen zuhause sind, verstärkt in die Gesellschaft einzubeziehen. Mit den Kindern vietnamesischer Einwanderer sei das beispielsweise gut gelungen.
Die Türken jedoch grenzen sich in Deutschland nach wie vor ab. Hochzeitsarrangements machen das besonders deutlich; kaum eine(r) heiratet eine(n) aus dem anderen Kulturkreis.
Wer also Muslime integrieren will, muss über die Rechte jedes Menschen diskutieren. Dabei haben gleiche Begriffe oft ganz unterschiedliche Bedeutungen. Ein für alle verbindlicher Gesellschaftsvertrag soll gemeinsam erarbeitet und umgesetzt werden.
Necla Kelek forderte die Stärkung der säkularen Muslime.
Sie erinnerte auch an die Gedanken Moses Mendelssohns, des Pioniers der jüdischen Aufklärung. Er starb im gleichen Jahr, in dem Ludwig Börne als Juda Löb Baruch geboren wurde – 1786.
Frank Schirrmacher dankte seiner Laudatorin, in dem er sagte: „Wenn es nur einen einzigen Grund gäbe, warum ich diesen Preis verdient hätte, wäre es der, die Gelegenheit für die Rede von Necla Kelek zu bieten.“
Er erinnerte an das Jahr 1827, in dem sich etwa 600 Meter von der Paulskirche entfernt Ludwig Börne und Heinrich Heine in der Judengasse trafen und damit der Grundstein für eine heftige Kontroverse zwischen verschieden Ansichten gelegt wurde.
Noch weiter in der Vergangenheit zurückgehend verwies er auf Shakespeare und verglich seine Ansichten mit der derzeit herrschenden Krise. Trifft nicht auch heute Börnes auf dem englischen Dramatiker fußender Ausspruch zu, dass aus Lumpen Papier (u.a. zum Drucken von Banknoten) gemacht wird und dieses Papier andererseits Lumpen macht?
Die gegenwärtige Situation sei nicht nur ein Systemfehler, sondern ein erheblicher Verlust der Kontrolle. Und bilden nicht auch die Wirtschafts- und Finanzeliten eine Parallelgesellschaft?
Woher aber können wir Hilfe erwarten? Sie kann nur von den heute 5- bis 15-Jährigen kommen. Daher ist der Bildung dieser Generation höchste Aufmerksamkeit zu schenken. Bildungsversagen verändert die Psychologie einer Gesellschaft. Darauf ist zu achten.
JF