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Judith Hermann mit Friedrich-Hölderlin-Preis geehrt

Franz Josef Ament (l.) überreicht die Hölderlin-Plakette,
daneben Ursula Jungherr, Judith Hermann, Jochen Hieber

Im Bad Homburger Kurtheater wurde gestern in einer Festveranstaltung die Autorin Judith Hermann mit dem Friedrich-Hölderlin-Preis 2009 ausgezeichnet. Den Förderpreis erhielt Lena Gorelik.

Der Hölderlin-Preis wird seit 1983 vergeben. Der Jury gehörten neben der Oberbürgermeisterin und Kulturdezernentin Dr. Ursula Jungherr weiter Jochen Hieber, FAZ (Vorsitzender}, Prof. Dr. Anne Bohnenkamp-Renken, Freies Deutsches Hochstift, Prof. Dr. Werner Hamacher, Goethe-Universität Frankfurt, Prof. Dr. Gerhard Kurtz, Hölderlingesellschaft und der Vorjahrspreisträger Ror Wolf an.

Bei der Preisvergabe steht die Fähigkeit, Fremdes und Eigenes wahrzunehmen und literarisch zu verarbeiten im Vordergrund.

Den Förderpreis, der jungen Schriftstellern als Ermutigung und Bestärkung auf ihrem weiteren Weg dienen soll, erhielt in diesem Jahr die in St. Petersburg geborene Lena Gorelik. Ihr Thema, so schilderte die Laudatorin Ursula Jungherr, ist Russland, seine Emigranten, das Leben in einer fremden, neuen und selbst gewählten Welt. Sie las aus ihrem jüngsten Buch Verliebt in St. Petersburg, erschienen 2008 bei SchirmerGraf.

Judith Hermann erhielt den Friedrich-Hölderlin-Preis für ihre bisherigen Bücher und insbesondere für ihren vor wenigen Wochen bei S. Fischer publizierten Prosaband Alice, in dem fünf Geschichten vom Sterben erzählen. Jochen Hieber betonte in seiner Laudatio die Komposition, die eindringliche Sprache, die Form des Herumerzählens um ein Schweigen und zieht eine Verbindung zu Hölderlin: „Wohl im Januar 1800 und also hier in Homburg notierte er, er ist dreißig Jahre jung, das Epigramm ‚Sophokles’. Es lautet: ‚Viele versuchten umsonst das Freudigste freudig zu sagen / Hier spricht endlich es mir, hier in der Trauer sich aus’… Das Freudigste in der Trauer auszusprechen – das vermag Judith Hermann in ihrem Buch Alice.“

Judith Hermann sprach in ihrer Dankesrede von Dingen, die verloren gehen, und Dingen, die aufgefunden werden. Schreiben heißt für sie, gleichzeitig Dinge zu bergen und Dinge zu verlieren, sich ihrer zu entäußern. Außerdem erzählte sie von ihrer ersten Begegnung mit Hölderlin-Texten.

Im Theaterfoyer konnten die Besucher 13 Arbeiten des Künstlers Robert Schwarz betrachten, sie gehören zu einer über 30 Bücher umfassenden Hölderlin-Reihe. Dabei durchdringen Text und Bild einander. Bis auf eine einzelne Auflage von fünf Büchern sind alles andere Unikate.
Die Exposition ist Teil der Hölderlintage, die sich in diesem Jahr den Schriftsteller Friedrich Hölderlin, Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich von Kleist und Stefan George zuwendet.

JF

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