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Berlin: Buchpremiere mit Giwi Margwelaschwili

Giwi Margwelaschwili

Eine beeindruckender Auftritt gestern Abend in Berlin. Giwi Margwelaschwili (Foto) las bei der Verbrecherversammlung, einer wöchentlichen Veranstaltungsreihe des Verbrecher Verlags in der Kreuzberger Bar „Monarch“. Es war bereits die vierte Veranstaltung in diesem Rahmen mit dem deutsch-georgischen Autor und es ist immer wieder ein Erlebnis ihm zuzuhören.

Gestern stellte Giwi Margwelaschwili seinen autobiografisch gefärbten Roman „Der Kantakt“ vor. In dem 800 Seiten starken Buch berichtet er von seinen Lese-Lebenserfahrungen als Stadtschreiber von Rheinsberg. Damals, 1995, las er Kurt Tucholskys „Rheinsberg – Ein Bilderbuch für Verliebte“. Wie schon in früheren Romanen verknüpftt Margwelaschwili mit „Der Kantakt“ die Lesewelt mit der realen Welt. Durch „Selbstverlesestofflichung“ gerät er als Leser immer tiefer in den Inhalt des Buches. Margwelaschwili beschreibt, wie der Leser mit dem Liebespaar Wölfchen und Claire im Zug fährt, mit ihnen durch Rheinsberg spaziert und versucht mit ihnen in Kontakt zu treten. Er will sie darauf aufmerksam machen, dass sie Figuren der Literatur sind und ihre Liebe daher unvergänglich ist. Doch das gestaltet sich schwieriger als erwartet.

„Kantakt“ sei die russische Aussprache von Kontakt und erinnere zugleich an den Philosophen Kant, erläuterte Margwelaschwili, der 1927 als Sohn georgischer Einwanderer in Berlin geboren wurde. Nach dem Krieg verschleppte ihn der sowjetische Geheimdienst nach Georgien. Erst 1987 konnte Margwelaschwili nach Deutschland ausreisen.

In dem Roman „Der Kantakt“, das erfuhr das Publikum im zweiten Teil des Abends, geht es auch um Margwelaschwilis persönliche Lebensumstände und die Zeit des Kalten Krieges. Die Zuhörer dankten nach anderthalb kurzweiligen Stunden mit lang anhaltendem Applaus und einige diskutierten anschließend noch lange mit dem großen Autor, der erst allmählich entdeckt wird. Er sei „ein weiser Anarchist, ein närrischer Philosoph, einer, der Grenzen erkennt, aber nicht anerkennt“, urteilt Katja Lange-Müller über Giwi Margwelaschwili.

ML

www.verbrecherei.de

www.giwi-margwelaschwili.de

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