
Lesen Sie aufmerksam folgenden Text und schicken Sie uns die richtige Lösung: Das heute fernab der alten Heimat ansässige Unternehmen galt bis 1945 über 200 Jahre lang als der führende Verlag einer Provinz, die nach dem Zweiten Weltkrieg verloren ging.
Der Gründer war Sohn eines Coburger Rotgerbers und Bürgermeisters, erlernte in seiner Heimatstadt den Buchhandel und ließ sich 1732 nach einem buchhändlerischen Zwischenspiel in Berlin in das Bürgerbuch der Hauptstadt der erwähnten Provinz eintragen, um sich dort als Buchhändler selbstständig zu machen. Seine Frau entstammte als Tochter eines bedeutenden Berliner Verlegers einer alten Buchhändlerfamilie.
Das neu gegründete Unternehmen publizierte Bücher nicht nur in deutscher, sondern auch in der Sprache eines benachbarten Landes – eine für die damalige Zeit außerordentliche kulturpolitische Leistung, zumal zum Programm Schulbücher in dieser zweiten Sprache gehörten. Schon zu Lebzeiten des Gründers errang der Verlag seine führende Stellung, zumal er neun Jahre nach der Gründung das Privileg zur Herausgabe einer Tageszeitung erwarb, nachdem die Provinz infolge eines Eroberungskrieges an Preußen gefallen war. Dem Verlag wurde eine Buchhandlung angeschlossen, die weit reichende Handelsbeziehungen u.a. nach Osteuropa unterhielt.
Ein Sohn aus zweiter Ehe des Gründers führte das Unternehmen fort, galt aber als sorgloser, den Freuden des Lebens und der Künste zugewandter Lebemann. Als dessen Sohn zur Leipziger Messe entsandt wurde, um das Haus dort zu vertreten, musste er zu seinem Schrecken erfahren, dass sein Vater bei einem befreundeten Drucker in der Messestadt tief in der Kreide stand. Der Vater ließ ihn gewähren, als der Youngster das Unternehmen zu sanieren begann, vor allem durch das Eintreiben von Außenständen. So hatte zum Beispiel ein befreundeter Buchhändler in der Hauptstadt des benachbarten Landes, in dessen Sprache ein Teil des Programms erschien, 30 Jahre lang nicht abgerechnet.
Dieser Sohn baute nach Beilegung von Erbstreitigkeiten als nunmehriger Universalerbe vor allem die verlagseigene Druckerei tatkräftig aus. Da der König von Preußen aus politischen Gründen vorübergehend Sitz in der Provinzhauptstadt nahm, wurde die schon 60 Jahre lang erscheinende Tageszeitung quasi Regierungsorgan und veröffentlichte die berühmten Aufrufe „An Mein Volk“ und „An Mein Kriegsheer“.
Unter wechselndem Schicksal, in wirtschaftlichem Auf und Ab und mit einem bunt gemischten Programm blieb der Verlag weiterhin im Familienbesitz. Der Mannesstamm starb aus, nachdem der Namensträger zur 150-Jahr-Feier in den erblichen Adelsstand versetzt worden war. Sein Schwiegersohn, ebenfalls von Adel, erhielt die Erlaubnis, den Adelstitel des verstorbenen Schwiegervaters seinem eigenen hinzuzufügen. Er führte das zum Großunternehmen aufgestiegene Haus, dessen Druckerei er weiter modernisierte, bis zum Schicksalsjahr 1945. Vor allem aber erwarb er eine Zeitschrift und gründete unter deren Namen einen Tochterverlag. Der Herausgeber dieser Zeitschrift wurde zum Hauptautor des Tochterunternehmens und brachte in Form seiner gängigen Unterhaltungsromanen einen Bestseller nach dem anderen heraus.
Doch im Inferno des Krieges, als die Provinzhauptstadt zur Festung erklärt wurde, ging die Gesamtfirma unter, der Verleger starb auf dem Weg in die Deportation. Nur die belletristische Tochterfirma überlebt: ein ehemaliger Miarbeiter führt sie nach dem Zweiten Weltkrieg in München fort und widmet sich zunehmend Themen der einstigen Heimat. 1974 erwirbt er den Verlag von der Erbengemeinschaft und vererbt ihn fünf Jahre später dem Kulturwerk der verloren gegangenen Provinz, in dessen Besitz er noch heute ist und aktiv publiziert. Verlagsort ist seit einigen Jahren eine bekannte süddeutsche Universitätsstadt, wo das Unternehmen als Mieter eines großen konfessionellen Verlagshauses unter dessen Adresse zu finden ist.
Heinold fragt: Wie lautet die vollständige Verlagsbezeichnung?
Senden Sie die Lösung an: heinold@buchmarkt.de. Einsendeschluss ist der 16. Juli 2009. Unter den Einsendern, deren Lösung komplett und richtig ist, verlosen wir ein Exemplar „Bücher und Buchhändler“ von Wolfgang E. Heinold (Bramann).