
Am Wochenende fand das erste Jahrestreffen Junger Verlagsmenschen in den Schulen des Deutschen Buchhandels in Frankfurt/Seckbach statt [mehr…]. 120 Praktikanten, Volontäre und junge Verlagsmitarbeiter diskutierten über die Rolle des Netzwerks in der Branche. buchMarkt.de hat mit Gesa Jung, Juniorlektorin im Goldmann Verlag und 2. Vorsitzende des Vereins Junge Verlagsmenschen e.V., über Networking, den klassischen Blick über den Tellerrand und die Zukunft des Netzwerks gesprochen.
BuchMarkt: Gestern Abend haben Sie ein T-Shirt mit der Aufschrift „Was hier so nett nach Party aussieht, ist in Wirklichkeit härtestes Networking“ getragen. Ist mit diesem Spruch der Charakter des Netzwerks Junge Verlagsmenschen beschrieben?
Gesa Jung: Ich finde schon, dass dieser Spruch sehr gut zu unserem Netzwerk passt. Wir nehmen das Netzwerk natürlich ernst, das ist ja auch der Grund, warum wir es gegründet haben. Aber wir sind keine Hardcore-Netzwerker, wie man sie vielleicht in anderen Branchen findet. Wir sind keine exklusive Gruppe, sondern unser Netzwerk ist sehr offen. Und deshalb passt dieser ironische Spruch gut zu uns.
Was hat den Anstoß gegeben, das Netzwerk vor zwei Jahren ins Leben zu rufen?
Die Idee für das Netzwerk hatte Christine Mikliss, unsere 1. Vorsitzende. Sie hat in New Yorker Verlagsszene Praktika absolviert, und dort mitbekommen, dass die jungen Leute in der Branche wesentlich vernetzter sind als hier. In den Mittagspausen gab es zum Beispiel book lunches, bei denen kurze Vorträge gehalten wurden und sich Leute aus verschiedenen Verlagshäusern zusammenfanden. Als Tine dann nach München kam, kannte sie niemanden und dachte sich: Hier gibt es so viele Verlage, da lohnt es sich, so etwas ins Leben zu rufen. Sie hat die Praktikanten und Volontäre der Münchner Verlage angeschrieben und einen Stammtisch vorgeschlagen. Zum ersten Stammtisch kamen 60 oder 70 Leute, das war der Wahnsinn. Aus diesem Stammtisch ist relativ schnell eine Gruppe von Leuten entstanden, die diese Begeisterung für den Austausch und das Vernetzen für mehr nutzen wollten als nur für einen regelmäßigen Stammtisch. Und so ist der Verein entstanden.
Offenbar existiert in der Verlagsbranche ein sehr großes Bedürfnis danach, sich zu vernetzen und auszutauschen. Woher rührt dieses Bedürfnis?
Zum einen gibt es viele sehr kleine Verlage, in denen man in seinem eigenen Saft schmort. Zum anderen kommt man gerade in den großen Verlagen mit anderen Abteilungen zwar häufig in Kontakt, hat aber selten die Ruhe, die über ihren Arbeitsalltag auszufragen. Unser Netzwerk bietet die Möglichkeit, sich mit vielen verschiedenen Leuten aus allen möglichen Abteilungen und Verlagen auszutauschen. Ich glaube, viele junge Verlagsmenschen haben das Bedürfnis, den klassischen Blick über den Tellerrand zu wagen, und bisher gab es keine Institution, die das ermöglicht hat. Dazu kommt vielleicht noch ein weiterer Grund, nämlich dass der Einstieg in die Verlagsbranche nicht so richtig geregelt ist. Da gibt es so viele Möglichkeiten und auch so viele Unsicherheiten, und bei uns kann man mit Gleichgesinnten über die Probleme dabei reden.
Welches Resümee ziehen Sie nach dem ersten Jahrestreffen?
Wir sind noch dabei, ein Resümee zu ziehen, aber wir können jetzt schon sagen, dass wir sehr zufrieden sind. Es ist für uns schon ein Erfolg, dass 120 Leute den teilweise sehr weiten Weg auf sich genommen haben, um sich hier über das Netzwerk auszutauschen. Und die Arbeit in den Workshops fand ich sehr inspirierend. Im Organisationsteam sitzen seit anderthalb Jahren dieselben Leute, wir hatten viele Ideen und haben schon vieles umgesetzt. Aber gerade sind wir in einer Phase, in der wir auf die ersten Probleme stoßen, und da war es spannend, einmal frischen Wind von Leuten zu bekommen, die in das Netzwerk bisher nicht involviert waren.
Wie wird das Netzwerk in fünf oder zehn Jahren aussehen?
Ich kann mir ehrlich gesagt vorstellen, dass das eine richtig große Sache wird. Im Moment hat das Netzwerk 1.200 Mitglieder, der Verein hat 200 Mitglieder, und wir bekommen jeden Tag mindestens zwei neue Mitgliedsanträge. Durch die große Struktur wird alles etwas schwieriger, aber gleichzeitig können wir finanziell besser planen. Meine Hoffnung ist, dass wir in den nächsten Jahren viele unterschiedliche Aktionen machen, und vor allem hoffe ich, dass wir in der Branche als Ansprechpartner wahrgenommen werden. Dass man das Gefühl bekommt, wir sind das Netzwerk für junge Leute, mit uns kann man reden und tolle Sachen auf die Beine stellen.
Katharina Bendixen