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Feierliche Taufe des neuen Simplicissimus

Reinhard Kaiser (l.) und Heiner Boehncke

Gestern Abend hatte der Eichborn Verlag in den Barbarossa-Saal des Main-Kinzig-Forums Gelnhausen eingeladen, um ein vorab in Rezensionen bereits hoch gelobtes Buch aus der Taufe zu heben: Der abenteuerliche Simplicissimus Deutsch von Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen in Reinhard Kaisers Übersetzung ins heutige Deutsch, soeben erschienen als Band 296/297 in der Reihe Die Andere Bibliothek.

Das Datum war gut gewählt und stand schon lange im Kalender des Verlags, es war der 333. Todestag von Grimmelshausen.

Prof. Dr. Heiner Boehncke, Initiator der Übersetzung, wollte in seiner Begrüßung daher nicht nur von einer Buchpräsentation sprechen, sondern eher von einer Taufe, die er praktisch als Ministrant begleite.

Erich Pipa, Landrat des Main-Kinzig-Kreises, begrüßte die Ehrengäste und dankte besonders für das finanzielle Engagement der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen.

Gelnhausens Bürgermeister Thorsten Stolz zog eine Verbindung vom Veranstaltungsort in der Nähe der von Barbarossa gegründeten Kaiserpfalz zum etwa 300 Meter entfernten Geburtshaus Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausens, dessen genaues Geburtsdatum leider unbekannt ist. Der Todestag hingegen – der 17. August 1676 – ist dokumentiert.

Dr. Thomas Wurzel, Geschäftsführer der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, würdigte Bestrebungen der Stadt, Gelnhausen die Bezeichnung Grimmelshausen-Stadt hinzuzufügen. Er bekannte sich zur Simplicissimus-Übersetzung als einem wichtigen Kulturprojekt, das seine Stiftung förderte.

Stephan Gallenkamp, Vorstand des Eichborn Verlags, dankte Reinhard Kaiser für seinen Mut und sein großes Engagement. Reinhard Kaiser hat durch seine Übersetzung den Simplicissimus entstaubt und wieder lesbar gemacht. Seit den Anfängen der Anderen Bibliothek gehört der Autor und Übersetzer dazu und hat wesentlich zum Erfolg der bibliophilen Reihe beigetragen. Das wird auch im Grußwort der Herausgeber Klaus Harpprecht und Michael Naumann, das Stephan Gallenkamp verliest, deutlich. Ein Dank gilt auch der Herstellungsabteilung, die ein wunderbares Buch schuf.
Stephan Gallenkamp machte darauf aufmerksam, dass auf hr2 im September der neue Simplicissimus, gelesen von Felix von Manteuffel, zu hören sein wird.

Im Zwiegespräch erörterten Reinhard Kaiser und Heiner Boehncke Umstände, Schwierigkeiten und Herausforderungen bei der nun vorliegenden neuen Übersetzung des 1668/1669 erstmals veröffentlichten Romans. Reinhard Kaiser verwies auf das Grimmsche Wörterbuch als eine außerordentlich nützliche Hilfe; 5000 Stellen darin beziehen sich auf den Simplicissimus. Außerdem zog er andere Übersetzungen zu Rate, eine englische von 1996 war besonders hilfreich. Natürlich ist bei solch einer Arbeit außerdem viel Sekundärliteratur notwendig. Zuerst stellte sich Reinhard Kaiser die Frage, ob man ein solches Werk überhaupt übersetzen muss. Denn eine Übersetzung ist immer auch ein Interpretieren. Um das herauszufinden, begann der Autor mit späteren Kapiteln des Buches und fertigte drei Versionen an, die dem Original unterschiedlich nahe kamen. Um den richtigen Ton zu finden, ging er davon aus, dass nicht der gegenwärtig vorherrschende Sprachstil im Vordergrund steht, sondern das Ergebnis eine verständliche Ausgabe sein muss. Die Frage, ob man das Werk überhaupt übersetzen darf, wird im neuen Buch in einem fiktiven Dialog zwischen Kaiser und Grimmelshausen beantwortet.

Anschließend las Reinhard Kaiser einige Kapitel aus dem Simplicissimus. Zum Schluss dankte er allen, die dieses Projekt unterstützten.

Für die musikalische Umrahmung der Feier sorgte auf eindrucksvolle Weise das Ensemble Phoenix Munich; Joel Frederiksen (Bass; Laute, Erzlaute), Paulina van Laarhoven (Viola da Gamba), Sven Schwannberger (Counter-Tenor; Flöte, Laute, Theorbe) mit englischen, italienischen und deutschen Liedern aus dem Barock.

JF

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