
Adrienne Hinze wird heute 40 Jahre alt.
Wie ich Adrienne kennen gelernt habe, kann ich nicht mehr genau sagen. Es wird wohl ein Termin auf der Frankfurter Buchmesse gewesen sein, dann ein abendliches Wiedersehen auf einer Party. Und lief vermutlich ungefähr so: Adrienne erzählte etwas, ich nickte ab und zu, wir aßen etwas, Adrienne erzählte weiter, wir verständigten uns darüber, wen im Raum wir nett fänden und wen wir nicht vermissten, Adrienne fragte irgendwann beiläufig, wie es mir gehe, ich sagte „ok“, sie erwiderte „ach so“ und ich „genau“, Adrienne erzählte weiter und ich hörte einfach gerne zu. Als hätten wir uns schon immer gekannt.
So ist es bis heute geblieben. Wir verstehen uns mit vielen Worten und manchmal auch schweigend. Adrienne hinterfragt Dinge, deren Existenz mir gar nicht bewusst war, sie ist schnell ohne zu drängen, und nicht selten fällt irgendwann in unseren Gesprächen der Satz: „Wie bin ich jetzt eigentlich darauf gekommen?“ Das ist eben das Besondere: Mit Adrienne kommt man auf andere Gedanken, ob man will oder nicht.
Oft geht es um die Kinder- und Jugendbuchszene. Adrienne hat Germanistik studiert und nach Volontariaten beim Eselsohr und bei dtv Stationen bei Sauerländer, Beltz und S. Fischer absolviert. Drei Jahre lang war sie Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen, eine Zeit, in der sie viel bewegt hat.
Ihr Wunsch nach Teamarbeit hat sie dann Ende letzten Jahres wohl dazu bewogen, die Einzelkämpfer-Position in der Geschäftstelle der avj aufzugeben und Neues zu wagen, ein Schritt, den viele bedauert haben. Seit Juli arbeitet sie in der Presseabteilung der Frankfurter Buchmesse. Bei allem Wechsel – ihre Wurzeln in Wiesbaden hat die Hessin immer gepflegt. Wer so schnell ist, muss wohl fest bei sich sein.
Noch ein paar Stärken von Adrienne: Sie kann organisieren und nervenstark improvisieren. Als sie zum ersten Mal auf der Frankfurter Buchmesse den avj-Stand aufbauen sollte, fehlten einige Utensilien. Meine BuchMarkt-Kolleginnen berichteten mir später: „Adrienne war da, sie hat sich den Tacker geliehen, viele Grüße.“ Und alle Raucher am BuchMarkt-Stand hätte ihr in der Krisensituation auf der Stelle ihre letzte Zigarette angeboten, soviel war klar.
Adrienne verblüfft: Unvergessen der Gesichtsausdruck meines coolen Tischnachbarn bei einem ausgiebigen Abendessen in Bologna. Adrienne saß uns gegenüber, hatte über ihren Tag auf der Kinderbuchmesse am Gemeinschaftstand der deutschen Jugendbuchverlage berichtet, in gleicher Tonhöhe und ohne die geringste Unterbrechung den Satz „Die Nudeln sind ja warm“ eingefügt und dann weiter über neue Illustratoren und internationale Kontakte erzählt.
Schließlich: Bei allem, was sie tut, ist Adrienne mit Herzblut dabei. Vielleicht liegt das an ihrer ersten Ausbildung – zur Versicherungskauffrau. Jedenfalls stelle ich mir vor, dass sie das nicht ganz ausgefüllt hat und dass sie danach das Sicherheitsdenken immer wieder gegen neue berufliche Abenteuer eingetauscht hat, bei verlässlicher Homebase im Privatleben.
Wie bin ich jetzt eigentlich darauf gekommen? Ach so. Adrienne wird 40. Lass dich drücken. Und dann erzähl weiter.
Susanna Wengeler
Kontakt: hinze@book-fair.com
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