Die Organisatoren der Buchmesse haben dem Druck der chinesischen Zensurbehörde weiter nachgegeben und nach Dai Qing den zweiten chinesischen Schriftsteller als Teilnehmer eines Symposiums ausgeladen. Doch Autor Bei Ling [mehr…] wird an einer Veranstaltungen zur Meinungsfreiheit außerhalb des offiziellen chinesischen Auftritts während der Buchmesse teilnehmen, meldet hr-online.
Ähnlich wie bei der kritischen Autorin Dai Qing hatte die chinesische Seite am Mittwoch mit einem Boykott der zweitägigen Veranstaltung in Frankfurt gedroht, sollte der exilchinesische Schriftsteller Bei Ling nach Frankfurt kommen. Projektleiter Peter Ripken hätte Bei Ling am Mittwoch besorgt über die „sehr schwierige Lage“ informiert, hatte der in den USA lebende Schriftsteller und Verleger am Donnerstag telefonisch der Deutschen Presse-Agentur dpa in Peking berichtet. „Er sagte, bitte komme nicht“, berichtete Bei Ling. Es würde sonst zu einer Konfrontation kommen, die dem Symposium und der Frankfurter Buchmesse schaden würde, hatte er die Begründung wiedergegeben.
„Ich kann bis Oktober warten, aber das heißt nicht, dass ich mit der Entscheidung der Frankfurter Buchmesse übereinstimme“, wird Bei Ling am Mittwoch zitiert. „Hier geht es um Meinungsfreiheit.“ Immerhin habe die Buchmesse hier ihre Tradition zu verteidigen, für Rede- und Publikationsfreiheit einzutreten. „Diese Vorfälle jetzt sind kein guter Anfang“, sagte Bei Ling. „Es muss verschiedene Stimmen geben“, sagte Bei Ling. „Auch die Ansichten der Exilschriftsteller müssen gehört werden.“
Boos machte deutlich, dass sowohl Bei Ling als auch Dai Qing nicht der Runde der Podiumsgäste angehörten. Diese Liste sei von den fünf Organisatoren des Symposiums, darunter die chinesische Zensurbehörde, die Frankfurter Buchmesse und die Schriftstellervereinigung P.E.N., abgesprochen und stehe außer Frage. Bei Ling und Dai Qing seien nur als Teilnehmer eingeladen gewesen. Beide Autoren hätten im Gespräch mit der Frankfurter Buchmesse gesagt, sie wollten nicht die Verantwortung dafür übernehmen, dass eventuell die offiziell eingeladenen Gäste doch nicht nach Frankfurt kämen. „Wir wollen mit den chinesischen Partnern reden, daher müssen wir Kompromisse machen“, sagte Boos.
„Wir machen bei der Nichteinladung oder Wiederausladung nicht mit“, sagte der P.E.N.-Generalsekretär Herbert Wiesner am Donnerstag in einem Interview mit der Nachrichtenagentur epd.
Auf Deutsch sind bisher keine Titel von Bei Ling erschienen.