
Es war die Initialzündung der Studentenbewegung. Doch erst im Mai dieses Jahres wurde bekannt, dass der Westberliner Polizist Karl-Heinz Kurras, der am 2. Juni 1967 während einer Demonstration gegen den Schah von Persien den Studenten Benno Ohnesorg erschoss, ein Stasispitzel war.
Der FOCUS-Redakteur Armin Fuhrer (Foto) bringt nun Licht in den Fall Kurras. Der be.bra Verlag stellte das bisher nicht angekündigte Buch Wer erschoss Benno Ohnesorg heute Mittag in Berlin der Presse vor.
Das Pressegespräch fand im Café Schleusenkrug im Tiergarten statt, ein Ort, wo sich Kurras häufig mit seinen Kontaktpersonen traf. Mit dabei war auch Helmut Müller-Enbergs, Historiker beim Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen. Er und seine Kollegin Cornelia Jabs hatten Kurras Spionagetätig im Mai aufgedeckt.
Helmut Müller-Enbergs hob die lebendige Darstellung und die Genauigkeit des Buches hervor, das dazu anrege, sich näher mit dem Thema zu beschäftigen. Fuhrer zeige den Alltag eines Agenten und entwerfe so ein differenziertes Bild. Nach Angaben von Müller-Enbergs hatte der DDR-Geheimdienst in seiner Geschichte mehr als 624.000 Bürger, darunter 12.000 Westdeutsche und Berliner, als IM geführt. Kurras war einer von ihnen. Mehr noch: Er gehörte zu den 6 Prozent unter ihnen, die ihre Dienste von sich aus angeboten hatten. Er habe das aber nicht des Geldes wegen gemacht, sondern weil er das Projekt DDR voranbringen wollte.
Wer war der Mann, der Benno Ohnesorg erschoss? Was bewegte ihn, sich in den Dienst der Stasi zu stellen? Und inwieweit war die West-Berliner Polizei in den vier Jahrzehnten der deutschen Teilung eigentlich von der Stasi infiltriert? Das seien Fragen, die ihn beschäftigten, so Fuhrer, der nach gründlichem Studium der Akten die Hintergründe der zwölf Jahre währenden Stasi-Tätigkeit von Karl-Heinz Kurras beleuchtet.
Kurras sei aber nur ein Rädchen im Getriebe gewesen, so Fuhrer. „Die Durchdringung der Westberliner Polizei durch die Stasi ist bisher nur ansatzweise erforscht.“ Fuhrers Buch ist ein erster Baustein zur Aufarbeitung.
Informationen unter www.kurras-und-die-stasi.de
ML