
Im Albert Mangelsdorff Foyer der Alten Oper Frankfurt fand soeben der Empfang des Hoffmann und Campe Verlags mit der achten Verleihung des Julius-Campe-Preises der Kritik statt.
Das erste Mal, so hob Verlagschef Günter Berg in seiner Laudatio hervor, geht der Preis an eine Frau. „Wir ehren eine professionelle Sammlerin und Bewahrerin“, erläuterte Günter Berg. Mit anderen Sammlern hat Dr. Elisabeth Niggemann eines gemeinsam: Es gibt für sie keinen Sättigungspunkt, das allerdings von Staats wegen.
Christian Brückner las das Gedicht Traum von Hermann Hesse und versetzte die Zuhörer damit an einen Ort der Andacht, Einkehr und Ehrfurcht – eine Bibliothek.
Während in Hesses Gedicht Buchstaben verschwinden, neue entstehen – ein Alptraum für die Generaldirektorin der Deutschen Nationalbibliothek – kümmert sich Elisabeth Niggemann jährlich um 100.000 neue Titel und eine etwa gleich große Anzahl sogenannter grauer Bücher. Sie koordiniert drei große Standorte der Bibliothek.
Dabei zeichnet sie eine Haltung aus, die sie für diesen Preis prädestiniert: Je ambitionierter die Ziele sind, desto mehr Spaß macht es, diese zu erreichen. Schwierigkeiten auf diesem Weg scheut Elisabeth Niggemann nicht.
In ihrem Dank nach Erhalt der Urkunde, die ihr Günter Berg unter viel Applaus überreichte, sieht sie die Würdigung ihrer Arbeit auch als Ehrung für die Anstrengungen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Alles an diesem Preis findet sie sympathisch: den Verleger, den Verlag, den Namen des Preises, den Preis selbst in Gestalt der Heinrich-Heine-Werkausgabe und 99 Flaschen Wein und den Ort der Verleihung. Nur eine Rede halten zu müssen, fand sie nicht so gut.
Elisabeth Niggemann nutzte die Gelegenheit, um die Arbeit der Bibliotheken an diesem Tag ins Blickfeld zu rücken. Mit den elektronischen Möglichkeiten haben sich die Bedingungen für die Bibliotheken verändert, neue Aufgaben sind hinzugekommen.
Schwierig gestaltet sich gegenwärtig die Konservierung digitaler Werke, während bei der Konservierung traditioneller Bücher viel erreicht worden ist.
Ein anderes Feld, das der Regelung bedarf, ist das Urheberrecht. Hier sieht sich die Generaldirektorin im Zwiespalt zwischen dem öffentlichen Auftrag der Vermittlung von urheberrechtlich geschützter Literatur und der Einhaltung der Gesetzte. Das 20. Jahrhundert ist für sie ein großes schwarzes Loch, in dem ungehobene Schätze schlummern. Denn wenn die Urheberrechte nicht bekannt sind, können die Bücher nicht digitalisiert werden.
Als Vorsitzende der Conference of European National Librarians treibt sie das Projekt EUROPEANA voran.
JF