
Faillace, Juergen Boos, Victorio Taccetti,
Daniel Divinsky, Mempo Giardinelli
Mit filmischen Impressionen begann gestern die Pressekonferenz zum Buchmessegast Argentinien im nächsten Jahr.
Messedirektor Juergen Boos über das Land: “Argentinien ist für uns schon besetzt mit Erinnerungen, bevor wir es überhaupt angeschaut haben. Das ist ungewöhnlich für einen Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Üblicherweise haben wir es zu tun mit unentdeckten Literaturen.”
Bereits 1976 war die lateinamerikanische Literatur der erste Ehrengast in Frankfurt, Argentinien ist nach Mexiko 1992 und Brasilien 1994 das dritte lateinamerikanische Gastland auf der Messe.
Schon zur diesjährigen Bücherschau informieren über 40 Veranstaltungen über den Gast des nächsten Jahres.
Mit 300 Verlagen und etwa 22.000 Neuerscheinungen bietet der argentinische Buchmarkt eine Fülle von Publikationen. 2011 wird Buenos Aires zur Welthauptstadt des Buches. Mit dem Ehrengastauftritt hat Argentinien eine Übersetzungsförderung aufgelegt, rund 100 Titel wird das Programm entsprechend unterstützen.
Der stellvertretende Außenminister Argentiniens, Botschafter Victorio Taccetti, wies auf das 200-jährige Jubiläum der Unabhängigkeit seines Landes im nächsten Jahr hin. “Wie in vielen anderen Ländern der Welt wurde in Argentinien der Kampf um die Freiheit von belesenen Menschen der damaligen Zeit angetrieben und geführt”, unterstrich er. “Durch die Bücher und das Lesen wurden soziale Integration und die Chancengleichheit erreicht, und in der Bevölkerung bildete sich ein kritischer Geist heran, der die Demokratie der Nationen gewährleistet und stärkt. Auf diese Art und Weise ist der Mensch weiterhin ein ‘Homo sapiens’ und wird nicht zum ‘Homo videns’, der passiv vor dem Fernseher sitzt, wie Sartori feststellt.”
82 Millionen Bücher wurden 2008 in Argentinien produziert, der argentinische Verlagssektor wächst seit 2003 durchschnittlich um 8,5 Prozent jährlich – Ergebnis von aktualisierter und moderner Gesetzgebung über Autorenrechte und Förderung des Lesens.
Botschafterin Magdalena Faillace, Präsidentin des Ehrengast-Organisationskomitees, ging auf die Unabhängigkeitsbewegung ihres Landes ein, die aus Indianern, Schwarzen und ihrer familiären Verbindung untereinander bestand – ein sensationelles ethnisches Aufeindandertreffen, das sich selbstverständlich auch in der Kultur widerspiegelt.
Auf der Buchmesse soll die Identität der verschiedensten Ausdrucksformen argentinischer Kultur gezeigt werden.
Außerdem informierten die Verleger Gloria Lopez Llovet de Rodrigué und Daniel Divinsky über ihre Sparte, der Autor Mempo Giardinelli sprach über die Literatur seines Landes, die so große Namen wie Borges, Cortázar, Bio Casares und Silvina Ocampo aufweist. Es gilt nun, jüngere Autorinnen und Autoren stärker bekannt zu machen.
JF