Gestern, Sonntag, ging die BUCH WIEN 09 zu Ende. Vier Tage lang trafen sich Publikum, Verlage und Autoren in der Halle D am Wiener Messegelände, eine Woche dauerte die begleitende Lesefestwoche mit Veranstaltungen in der ganzen Stadt. „Beim zweiten Mal gelten keine Ausreden mehr“, hatte Matthias Limbeck, Geschäftsführer von Co-Veranstalter Reed Exhibitions, zur Eröffnung festgehalten. Wie fällt nun die Bilanz der zweiten Auflage der neuen Wiener Buchmesse aus?
Prinzipiell waren sich insbesondere die österreichischen Aussteller darin einig, dass eine eigene Buchmesse sinnvoll und wichtig für die Branche und die Stadt ist. Besonders an den ersten beiden Messetagen klagten aber viele über geringes Publikumsinteresse, die erhofften Synergieeffekte mit der Fachmesse Interpaedagogica in der Nebenhalle blieben unter den Erwartungen. Wie viele Besucher den Weg auf die Messe gefunden haben, war am Montag Vormittag noch nicht bekannt. In der medialen Berichterstattung sei aber ein „deutlicher Schritt nach vorne gelungen“, so Inge Kralupper, Geschäftsführerin des Hauptverbands des Österreichischen Buchhandels, der die Messe gemeinsam mit Reed veranstaltet.
Aussteller kritisierten hingegen, dass in der Stadt zu wenig Werbung sichtbar gewesen sei. Einige klagten über eine mangelnde Serviceorientierung von Reed Exhibitions oder hatten mit den Standpreisen zu kämpfen, die nur wenig unter denen der beiden deutschen Buchmessen liegen. In der Messebuchhandlung hingegen freute man sich über rege Nachfrage und mehr Umsatz als im Vorjahr.
Klar war, dass das Profil der Messe in den kommenden Jahren geschärft und weiterentwickelt wird. Kralupper, die auch „die deutsche Verlagslandschaft so vollständig wie möglich“ auf der Messe abbilden will, freute sich in diesem Jahr über Teilnehmer wie Rowohlt oder dtv, die erstmals mit einem eigenen Stand dabei waren. Traugott Schreiner, Key Account Manager bei Rowohlt, gab sich pragmatisch: „Ausschlaggebend war, dass wir Autoren hier ins Programm bringen wollten, was nur möglich ist, wenn man ausstellt.“ Wie die Veranstaltungen im Rahmen der begleitenden Lesefestwoche gelaufen sind, aber auch der Verkauf in der Messebuchhandlung werden jetzt analysiert, um über das Engagement im nächsten Jahr zu entscheiden. „Es stellt sich trotzdem die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer Messe vier Wochen nach Frankfurt.“
Als Maßstab dient der BUCH WIEN allerdings weniger die Frankfurter, als vielmehr die Leipziger Buchmesse: Für Kralupper ist die BUCH WIEN „ganz klar überwiegend eine Publikumsmesse“. Christian Emminger, Österreich-Vertreter der Random-House-Verlage, wünschte sich deshalb „noch mehr Angebot für das Publikum, einen Non-Book-Bereich und weitere Angebote für Kinder und Jugendliche. Alles, was die Messe lebendiger macht, ist gut.“ Sein Kollege Martin Schlieber, der für Deuticke, Zsolnay, Hanser reist, vermisste „Wärme und Emotion“, die den Kunden geboten werden müssten. Dass zur BUCH WIEN, anders als bei der Vorgängerveranstaltung „Buchwoche“, eine Eintrittskarte gelöst werden muss, fand er hingegen gut: „Die Wertigkeit der Veranstaltung und damit der Anteil der wirklichen Leser im Publikum steigt dadurch.“
Kralupper bemerkte, dass die Messe zunehmend auch für Fachkontakte genutzt wird: „Nicht alle Buchhändler fahren nach Frankfurt.“ Einige deutsche Verlage organisierten rund um die Messe Geschäfts- oder Pressetermine. Die selbständige Verlagsvertreterin Ulla Harms, die für die deutschen Verlage in ihrem Portfolio einen gemeinsamen Stand organisiert hat, konnte sogar eine Lizenzanfrage weiterleiten. Der Austausch mit den östlichen Nachbarländern, den die BUCH WIEN im Vorjahr als einen ihrer Schwerpunkte festgelegt hatte, blieb allerdings unter der Wahrnehmungsschwelle der Öffentlichkeit. Eindeutig positiv fiel hingegen die Bilanz im neu gestalteten Kinderbuchbereich aus, wo zwischen den einzelnen hervorragend besuchten Programmpunkten auch genug Gelegenheit zum Herumlümmeln und Lesen war.