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Gestern Abend: Alle kamen zu Reinhold Joppich

Uwe Timm war zur Audienz beim Papst (hat dafür im BuchMarkt [mehr…] schön über Rinaldo geschrieben) und Günter Wallraff war angeblich auf „Testreise zu den Schwarzen nach Ghana“. Aber alle anderen Freunde, auch Topautoren wie Dieter Wellershoff, Frank Schätzing oder Werner Köhler und Wolfgang Schorlau, u.v.a), wollten gestern Abend mit Reinhold „Rinaldo“ Joppich dessen 60. Geburtstag feiern.

Das dort, wo man auch seinen 50. gefeiert hatte – damals recht gemütlich und locker an runden, gestern an ganz langen Tischen. Und doch platzte der große Saal des Restaurants mit dem beziehungsreichen Namen „Zeit der Kirschen“ aus allen Nähten. Grob geschätzt waren neben Rinaldos Familie mindestens 140 FreundInnen von „Rinaldo“ da; erst spät, nach dem Essen, konnte zur Livemusik aus den Sechzigern (Joppich: „Damals wurde noch ehrliche Musik gemacht“) der Band des Leverkusener Buchhändlers Manfred Gottschalk getanzt werden.

Vorher jede Menge Berührendes und Liebevolles: Seine Tochter Floriane sprach mit großer Zuneigung und Wärme über Interna aus dem Umfeld eines gelegentlich zum Ausbruch neigenden Vulkans; KiWi-Verleger Helge Malchow (auch auf dem Weg zur 60 und wie sein Vertriebschef ebenfalls jetzt genau 25 Jahre im Verlag) mit gleicher Hochachtung über seinen Freund und dessen überbordende Leidenschaft fürs Büchermachen und dessen Solidarität mit den Schwachen, seinen immerwährenden Kampf gegen die Ungerechtigkeit.

Wie sehr Rinaldo (Malchow: „die Seele des Verlags“) geliebt wird, zeigten viele persönliche, liebevolle Reden (nicht nur die seiner Tochter, auch die seines Bruders) und Überraschungen, die an diesem Abend über den immer rastlosen Kämpfer ausgeschüttet wurden, wie auch ein persönliches Lied seines Partners bei vielen der Joppich-Auftritte, mit denen er seit über 20 Jahren im Buchhandel italienische Autoren wie Ignazio Silone vor dem Vergessen bewahrt (dafür wäre eine Anerkennung aus Italien längst fällig).

Höhepunkt war das gemeinsame Lied aller Gäste über und für Rinaldo, gefolgt vom gekonnten Rap, mit dem Jasha Brümmer, Sohn von KiWi-Werbeleiterin Ulla Brümmer, den Mann überraschte, den man „für KiWi hätte erfinden müssen, wenn er nicht seit 25 Jahren der Verlag“ wäre, wie Malchow sagte – und nicht nur Alt-Verleger Dr. Reinhold NevenDuMont, der beide eingestellt hatte, applaudierte heftig.

Und dann wurde es einige Minuten etwas stiller, als sich fast alle im Saal über die für bekennenden TAZ-Leser gefertigten Kopie einer „Sonderausgabe zum 21.11.“ beugten (das Original auf Zeitungspapier hat nur Rinaldo) – mit viel Insider-Wissen liebevoll von den Kollegen gemacht und schon deshalb weit mehr wert als die 3 Euro, für die die Zeitung im Publikum „verkauft“ wurde. Der Erlös wanderte übrigens auch in die schon recht gefüllte Zigarrenkiste, aus der die Freunde und Kollegen ihm eine Kubareise finanzieren. (Das „Vertreter-Kombinat“ hatte eine Extra-Tour gemacht und ihm eine Reise nach London geschenkt. Raphael Pfaff: „Wir wollen ihn nicht loswerden, aber wir wissen, dort dort war er noch nie“).

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