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Literaturquiz mit Peter Härtling

Christiane de Bary, Peter Härtling

Gestern Abend stand wieder die Literatur im Kreuzverhör. Diese seit mittlerweile 30 Jahren von hr2kultur produzierte Live-Sendung mit wechselnden Veranstaltungsstätten kam diesmal aus dem Bibliothekszentrum Frankfurt-Sachsenhausen. Dem Ort, einem ehemaligen Straßenbahndepot, angemessen, ging es um Straßen- und Eisenbahnen.

Im Podium versammelte sich um Moderator Peter Härtling das Rateteam: der Germanist Ulrich Karthaus, Bibliotheksleiter Thomas Schweier, die Gewinnerin aus der letzten Sendung, Christiane de Bary, Autorin und Kritikerin Irene Ruttmann und der Journalist und Autor Wolfram Schütte. Am Lesepult stand Peter Heusch.

Im ersten Text ging es um Jakob, der die Wege der Züge aufzeichnet. Schnell wurden Buchtitel und Autor erraten, es handelte sich um Mutmaßungen über Jakob von Uwe Johnson, erstmals 1959 im Suhrkamp Verlag erschienen. Im gleichen Jahr kamen auch Die Blechtrommel von Günter Grass und Billard um halbzehn von Heinrich Böll heraus, stellte man im Podiumsgespräch fest.

Von einer Kleinbahn im Pariser Süden und ihrem lebenslustigen und ungewöhnlich pfeifenden Lokführer handelte die nächste Geschichte. Der Autor war Franz Hessel, der Text wurde dem Band Teigwaren leicht gefärbt, 1926 erstmals bei Rowohlt veröffentlicht, entnommen. Franz Hessel, so bemerkte das Auditorium, ist ein zu Unrecht vergessener Autor. Er war mit Henri-Pierre Roché befreundet, der die Romanvorlage für François Truffauts berühmten Film Jules et Jim (1962) lieferte.

Ein Brief, im Abteil auf der Zugfahrt aus dem Bodetal im Harz zurück nach Berlin an die Frau geschrieben, war Gegenstand der nächsten Raterunde. Diesmal hieß der Autor Theodor Fontane, sein Roman Cécile, erstmals im Dominik Verlag Berlin 1887 veröffentlicht.

Um Mary, eine junge Frau in Wien, der das Verkehrsgewirr von Straßenbahnen Angst macht, geht es in der fünften Raterunde. Die Geschichte entstammt dem Roman Die Strudlhofstiege von Heimito von Doderer, 1951 bei Biederstein erschienen.

Ein recht ruppiges Gedicht, das vom stinkenden Bruder, dem man zwangsläufig in der engen Bahn gegenübersteht, handelt, folgte. Der Autor: Hans Magnus Enzensberger. Das Gedicht gehört zu Verteidigung der Wölfe, 1957 bei Suhrkamp erstmals aufgelegt.

Den Abschluss der kurzweiligen Veranstaltung bildete eine gemächliche Eisenbahnfahrt mit ruhigen und freundlichen Menschen. Beschrieben wurde diese Fahrt von Robert Walser, enthalten ist sie in Kleine Dichtungen, erschienen 1914 im Kurt Wolff Verlag.

Für Hörer und Publikum gab es noch ein Rätsel für Zuhause: Es handelt sich um einen Mann, der sämtliche Fahrpläne auswendig lernt, sich am liebsten auf Bahnhöfen aufhält und selbst nie den Zug benutzt. Wer das Rätsel löst und die Antwort in einem Brief an hr2kultur schickt, hat die Chance auf ein Buch seiner Wahl. Und ist möglicherweise bei der nächsten Sendung live dabei.

JF

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