Home > News > Heinold fragt: Wer war’s?

Heinold fragt: Wer war’s?

Lesen Sie aufmerksam folgenden Text und schicken Sie uns die richtige Lösung: Der Verlag entstand wenige Wochen nach einer Revolution, die zur allgemeinen Überraschung friedlich verlief. Sie hatte zur Folge, dass der Staat, in dessen Hauptstadt er im Wohnzimmer des Verlegers gegründet und anfangs geführt worden war, im Nachbarstaat aufging.

In dieser Situation gab niemand in der Branche dem jungen Verlagsgründer eine Chance. Der Sohn eines Verlegers hatte Philosophie und Lateinamerikanistik studiert, war sieben Jahre lang Lateinamerika-Redakteur an einer Tageszeitung gewesen und hatte fünf Jahre lang das Verlagswesen als Assistent der Geschäftsleitung des führenden Verlages seines Landes kennen gelernt.

Kurz nach der friedlichen Revolution wurde im Nachbarstaat, in dem sein Staat später aufging, eine Ausstellung des Verlages eröffnet, in dem er Assistent der Geschäftsleitung war. Er vertrat den Verleger bei der Veranstaltung und sprach dabei auch über sein kurz vor der Realisierung stehendes eigenes Verlagsprojekt. In der spontanen Aufbruchstimmung jener Tage erklärten sich die leitenden Mitarbeiter einer großen Verlagsgruppe im Nachbarstaat in einer Versammlung durch Handaufheben bereit, sich an dem neuen Verlagsprojekt zu beteiligen.

Nach Hause zurückgekehrt, las der vor der Gründung stehende Verleger in der Presse, jene große Verlagsgruppe im Nachbarstaat wolle sich als Kommanditist bei ihm beteiligen. Mit den neuen wirtschaftlichen Verhältnissen nicht vertraut, schlug er zunächst im Lexikon unter „Kommanditist“ nach, ehe er energisch dementierte. Die große Verlagsgruppe war kollegial genug, ihn dennoch bei der Gründung mit Computern usw. materiell zu unterstützen.

Mit Geschick besetzte der neue Verlag eine Lücke in der politischen Sachliteratur. Er wandte sich den Themen zu, über die bisher in seinem Staat nicht berichtet werden durfte. Dieser thematische Ansatz war der eigentliche Gründungsimpuls. Das Rückgrat des Verlages bildete zunächst eine Schriftenreihe zur Aufarbeitung der politischen Vergangenheit. Sie wurde von einer neu gegründeten Behörde herausgebracht, die sich bis heute ausschließlich dieser Aufarbeitung widmet. Die Schriftenreihe ging nach zehn Jahren in einen anderen Verlag über.

Der neu gegründete Verlag hatte von Anfang an ein klares Profil, auch wenn er sein Themenspektrum ständig erweiterte. Standardwerke zu Politik und Personen des untergegangenen Staates festigten seinen Ruf als zuverlässiger, unbestechlicher Chronist des Zeitgeschehens. Das kam ihm zugute, als er sich thematisch ganz anderen Gebieten zuwandte. Dazu gehörten u.a. der Kampf gegen eine Sekte, die sich juristisch verbissen wehrte, aber auch der Untergrund großer Städte, historische Reiseführer, militärhistorische Forschungsbände oder das lange verdrängten Thema Kolonialismus.

Der Familienname des Verlegers blieb Bestandteil der Firmierung, auch als diese einige Zeit nach der Gründung leicht geändert wurde. Dabei fiel ein angehängter Begriff weg und der Vorname des Verlegers trat in abgekürzter Form hinzu. Der Name hätte leicht zur Belastung werden können, zumal zwei umstrittene Parteien sich nach ihrem Zusammenschluss des gleichlautenden politischen Begriffs bedienten. Dank einer seriösen, soliden, kontinuierlichen und mutigen Verlagsstrategie hatte der Verlagsname inzwischen längst Eigenständigkeit erlangt. Er steht für einen klassisch profilierten, von einer Verlegerpersönlichkeit geprägten Sachbuchverlag, der in jedem Programm Überraschungen für Leser und Leserinnen bietet, die sich neugierig und kritisch mit der Gegenwart und jüngeren Vergangenheit auseinandersetzen.

Heinold fragt: Wie heißt der Verlag (abgekürzter Vorname, Name, Verlagsort)?

Senden Sie die Lösung an: heinold@buchmarkt.de. Einsendeschluss ist der 15. Dezember 2009. Unter den Einsendern, deren Lösung komplett und richtig ist, verlosen wir ein Exemplar „Bücher und Buchhändler“ (Bramann) von Wolfgang E. Heinold.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Anzeige