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„Vom Stellenwert der Worte“ und von einer Jubiläums-Ausstellung

Durs Grünbein

Am Dienstag, 1. Dezember, fand die Vorlesung eines Poetik-Dozenten erstmals im neuen, größten Hörsaal der Goethe-Universität Frankfurt statt. Prof. Dr. Dr. Matthias Lutz-Bachmann, Vizepräsident der Universität, hatte mit technischen Schwierigkeiten zu kämpfen, einer der riesigen Lautsprecherkomplexe hatte sich statt dem Publikum zu- von diesem zur Wand gedreht. Eilends wurden Techniker herbeigerufen, um die richtige Akustik zu gewährleisten.

Matthias Lutz-Bachmann bezeichnete die älteste Poetik-Dozentur Deutschlands [mehr…] als „Juwel unserer Zusammenarbeit mit Verlagen und Stiftern“.

Raimund Fellinger bekräftige anschließend, dass der Suhrkamp Verlag, der die Poetikdozentur seit 1963 unterstützt, dies auch weiterhin tun wird. Er erinnerte mit Ausschnitten aus den Vorlesungen von Ingeburg Bachmann (1959), Hans Magnus Enzensberger (1964/65) und Uwe Johnson (1979) an exemplarische Statements zu dieser Dozentur.

Frankfurts Kulturdezernent Felix Semmelroth erinnerte an die Anfänge. Legenden besagen, dass inhaltliche Vorschläge damals von Theodor W. Adorno unterbreitet wurden. Zwischen 1968 und 1979 gab es aufgrund der gesellschaftlichen Umbrüche eine „Poetik-Pause“.

Als der diesjährige Dozent Durs Grünbein ans Mikrofon trat, zeigte er sich zunächst bestürzt über die Größe des Hörsaals, fühlte sich wie lost in space. Zudem erinnerte er an die historische Belastung dieses Ortes; in unmittelbarer Nähe stand das IG Farben-Haus.

Auf den Literaturbetrieb eingehend, charakterisierte er den gegenwärtigen als eine ununterbrochene Frankfurter Buchmesse.

Durs Grünbein schilderte seinen Werdegang, das Finden von Worten, die Begegnung mit Dichtung, das Schreiben als Möglichkeit, unverwechselbar zu werden. Die Wende in Deutschland empfand er als Absturz in die Zeitentiefe und gleichzeitig als Neugeburt.

„Poesie ist das schlechte Gewissen der Literatur“, schloss er seinen Vortrag.

Am Dienstag, 2. Dezember, fanden sich Interessierte zur Ausstellungseröffnung Fragen zeitgenössischer Dichtung – 50 Jahre Frankfurter Poetik-Vorlesungen – 40 Schriftstellerpublikationen der UB im Ausstellungsraum in der B-Ebene der U-Bahn-Station Bockenheimer Warte in Frankfurt ein.

Berndt Dugall, Direktor der Universitätsbibliothek, erinnerte an fast 30 Jahre Ausstellungsgeschichte und gleichzeitig an das Ende einer Ära, denn im nächsten Jahr wird dieser Platz wohl nicht mehr zur Verfügung stehen.
In diversen Vitrinen ist Material zu den 63 Dozenturen und ihren 72 Dozenten zusammengetragen worden, vieles komme, darauf wies Wolfgang Schopf hin, noch aus dem Archiv der Peter Suhrkamp-Stiftung.

Drei Hauptgesichtspunkte, so erläuterte Prof. Dr. Ulrich Wyss, Stiftungsgastdozentur Poetik, seien bei der Konzipierung der diesjährigen Ausstellung ausschlaggebend gewesen:

1. Kann Poetik in Vorträgen dargestellt werden und gibt es Schriftsteller, die eine Dozentur abgelehnt haben?
2. Was sagt die Poetik-Dozentur über die Literaturgeschichte der letzten 50 Jahre aus?
3. Welche Extravaganzen haben sich die Dozenten während der Vorlesungen geleistet?

Auf alle diese Fragen bietet die Exposition Antworten, manches Kuriosum befindet sich unter den ausgestellten Dokumenten.

Diese interessante Sammlung ist noch bis zum 29. Januar 2010 zu sehen, außerdem kann man Schriften und Plakate erwerben, die sonst nicht zu haben sind.

JF

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