
Gestern Abend war der bekannte Dirigent und Pianist Justus Frantz in der Buchhandlung Bollinger in Oberursel zu Gast und stellte sein gerade im Westend Verlag erschienenes Buch 50 einfache Dinge, die Sie über Musik wissen sollten vor.
Ausschlaggebend für die Premiere in Oberursel war wohl auch die Tatsache, dass Martina Ricken-Bollinger in ihrer Buchhandlung einen kleinen Bösendorfer-Flügel hat, der an diesem Abend natürlich ebenfalls zur Geltung kam.
Der Gedanke, ein Buch über klassische Musik zu schreiben, gefiel Justus Frantz am Anfang gar nicht. „Beschriebene Musik ist wie a erzählt’s Mittagessen“, sagte der Wiener Tenor Leo Slezak. Schließlich ließ sich Justus Frantz doch überzeugen und sprach bei sich bietenden Gelegenheiten Texte auf Band, Franz-Josef Leuker, bei dem sich der Dirigent ausdrücklich bedankte, übernahm die redaktionelle Arbeit.
Jetzt liegt ein Buch für Liebhaber klassischer Musik vor, das in vier großen Abschnitten u. a. erklärt, was unter Motiv, Thema, Satz, Werk, Metrum, Rhythmus, Generalbass, Kontrapunkt und Fuge zu verstehen ist, wichtige Komponisten vorstellt und Musikempfehlungen gibt. Auf 240 Seiten soll Musik als kreativste Kommunikation vermittelt werden.
Am Flügel erklärte der Meister, was unter einer Kadenz zu verstehen ist.
Justus Frantz, der nicht nur 1986 das Schleswig-Holstein Musik Festival gründete und 1995 die Philharmonie der Nationen ins Leben rief, sondern auch gemeinsam mit der Schott AG Mainz seit 2006 ein Projekt mit Klassik-Workshops für Kinder und Jugendliche realisiert, erinnerte zu Beginn seiner Lesung an die Aufführung von Beethovens 9. Sinfonie im Januar 2003, die er im Berliner Konzerthaus dirigierte. „Für mich sind diese vier Sätze das Mächtigste, was es in der Musik gibt“, bekannte er. Und: Musik ist jedes Mal neu, wird immer anders interpretiert und gehört, selbst wenn eine Sinfonie wie eben die 9. von Beethoven schon hundert Mal vorher dirigiert wurde.
Jedes Konzert ist ein Trialog zwischen Musikern, Zuhörern und dem Werk. „Leidenschaftslosigkeit ist in der Musik nicht erlaubt“, unterstrich Justus Frantz und fügte hinzu: „Man darf aber auch nichts mehr wollen als im Werk innewohnt.“
Selbstverständlich gibt es sehr unterschiedliche Interpretationsweisen. Deutlich wird das an Herbert von Karajan, der ein sehr strenger und komplizierter Dirigent war. Leonard Bernstein dagegen war emotional, manchmal chaotisch – beide Musiker gehören zu den ganz großen.
Energisch wehrte sich Justus Frantz gegen akustische Umweltverschmutzung, der man kaum entgehen kann.
Zum Abschluss des Abends setzte er sich noch einmal an den Flügel und spielte einen seiner Lieblingskomponisten: Frédéric Chopin.
JF







