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Heinold fragt: Wer war’s?

Lesen Sie aufmerksam folgenden Text und schicken Sie uns die richtige Lösung: Der gelernte Landwirt hatte bereits auf verschiedenen Höfen als Verwalter gearbeitet, als er sich als 21-Jähriger entschloss, in einem theologischen Verlag den Beruf des Buchhändlers zu erlernen.

Nach buchhändlerischen Wanderjahren gründete er in einer berühmten südeuropäischen Stadt einen Verlag und wählte eines ihrer Wahrzeichen als Vorlage für sein Verlagssignet. Als erste Titel brachte er zwei Gedichtbände heraus, einen davon von einem Autor, der – zugleich Grafiker – dieses Signet schuf. Es wird in einer bereits neun Jahre später von einem weiteren berühmten Buchkünstler überarbeiteten, wesentlich markanteren Form bis heute geführt. Das Wappentier sitzt allerdings nicht mehr in einem Kreis, sondern auf einer Linie.

Schon im Jahr nach der Verlagsgründung hatte er mit dem Geschichtswerk des Sohnes eines aus politischen Gründen hingerichteten Vaters einen Bestseller im Programm und übersiedelte mit seinem Unternehmen an den seinerzeitigen Zentralort des deutschen Buchhandels. Von dort aus entfaltete er eine rege Tätigkeit, verlegte aber schon wenige Jahre später den Wohn- und Verlagssitz in eine als geistiges Zentrum bekannte mitteldeutsche Universitätsstadt.

„Die Verlagsrichtung wird durchaus vornehm sein“, hatte er bei der Gründung im „Börsenblatt“ verlautbart. An einen befreundeten Autor schrieb er zu gleichen Zeit: „Ich habe den kühnen Plan, ich möchte einen Versammlungsort moderner Geister haben.“ Dieses Vorhaben setzte er mit zahlreichen Reihen- und Seriengründungen und gewichtigen Werkausgaben in die Tat um. Er schuf einen Buchtyp, der sich sowohl von den zeitüblichen Massenprodukten wie von den ebenso zeitüblichen überladenen Prachtausgaben unterschied. Damit gilt er bis heute als Wegbereiter einer an englischen Vorbildern orientierten neueren Buchkunst in Deutschland.

Der Verleger heiratete zweimal: beide Ehefrauen waren Autorinnen seines Verlages und arbeiteten darin aktiv mit. Seine erste Frau wurde unter einem Doppelnamen bekannt, sie hängte ihrem Mädchennamen den ihres Verleger-Ehemannes an. Als Vertreter bürgerlicher Reformbewegungen und einer der wichtigen neuen „Kulturverleger“ der Jahrhundertwende war er eines der zwölf Gründungsmitglieder des Deutschen Werkbundes, brachte aber auch antimoderne, technikfeindliche, neuromantische und nationalkonservative Schriften heraus. Nach seinem Tod drei Jahre vor der nationalsozialistischen „Machtergreifung“ übernahmen zwei seiner Söhne den Verlag und steuerten ihn wie so manche ihrer Kollegen mit einer Art von Anpassungsstrategie durch das Dritte Reich.

Der eine der beiden Söhne eröffnete den Verlag in einer rheinischen Großstadt im Jahr der Gründung der Bundesrepublik Deutschland neu, der andere errichtete drei Jahre später eine Zweigstelle in einer benachbarten rheinischen Metropole. Jahrelang bestand das Kuriosum eines Verlages mit einem traditionsreichen Namen und zwei Gründersöhnen, die den Verlag als Einheit getrennt an zwei benachbarten Orten führten, aber in der Branche immer gemeinsam auftraten.

92 Jahre nach der Gründung kaufte ein süddeutscher Buchhändler den Verlag und fusionierte später ihn und seine weiteren Verlage mit denen einer ortsansässigen „esoterischen“ Verlegerin. Schließlich wurde nach dem Tod des Buchhändlers, der als „Erfinder“ des Buchkaufhauses gilt, der Verlag an diese Partnerin verkauft und zusammen mit deren anderen Verlagen bald darauf von einer großen deutschen Verlagsgruppe übernommen. Diese führt ihn mit dem noch immer vom Begründer und dessen Söhnen geprägten Programm als Imprint-Verlag unter dem Slogan „Wissen der Welt“ weiter. Schwerpunkte sind eine von Anfang an im Verlag gepflegte spezielle Gattung der Volksdichtung sowie Weisheit und Philosophie einer entfernten Region.

Heinold fragt: Unter welcher Marke tritt der Verlag heute am Markt auf?

Senden Sie die Lösung an heinold@buchmarkt.de. Einsendeschluss ist der 18. Februar 2010. Unter den Einsendern, deren Lösung komplett und richtig ist, verlosen wir ein Exemplar „Bücher und Buchhändler“ (Bramann) von Wolfgang E. Heinold.

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