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Schopenhauer: Von der Taschenuhr zur Digitalisierung

Arthur Schopenhauer

Im Hinblick auf den morgigen 222. Geburtstag des deutschen Philosophen und Autors Arthur Schopenhauer wurde heute Vormittag im Literaturhaus Frankfurt mit einer Matinee das Schopenhauer-Jahr 2010 eingeleitet, das mit einer Reihe unterschiedlicher Veranstaltungen den großen Denker, dessen Todestag sich am 21. September zum 150. Mal jährt, ehrt.

Stellvertretend für die erkrankte Literaturhaus-Chefin Maria Gazzetti eröffnete Prof. Dr. Matthias Koßler, Präsident der Schopenhauer-Gesellschaft, die gemeinsame Auftaktveranstaltung.

Einleitend erinnerte Dr. Thomas Regehly, Archivar der Schopenhauer-Gesellschaft, an die Zeit des Philosophen in Frankfurt; er lebte von 1833 bis zu seinem Tod 1860 in der Mainstadt und schrieb hier seine Hauptwerke. Berühmt geworden, konnte sich Schopenhauer der vielen Besucher kaum erwehren und musste darauf achten, wenigstens die Morgenstunden für seine Arbeit zu nutzen. Zeit spielte in seinem Leben immer eine große Rolle.

Daher ist der Vortrag über Schopenhauers goldene Taschenuhr nicht verwunderlich. Peter Michael Kegelmann, Uhren-Experte und Auktionator, berichtete, illustriert von Dias, von dem kostbaren Zeitmesser Schopenhauers, ein Erbstück des Vaters Heinrich Floris. Die Uhr wurde augenscheinlich auf einer Europareise der Schopenhauers im Jahr 1787 in London erworben und ist ein Meisterwerk des Uhrmachers William Travers. Spätestens als Arthur Schopenhauer volljährig wurde, ging sie in seinen Besitz über. Die Uhr musste nur sieben Mal repariert werden im Laufe der Jahre, das zeugt von hoher Handwerkskunst. Nach Schopenhauers Tod erhielt Bähr die Uhr, ein Jura-Student, mit dem Schopenhauer interessante Dispute führte. 1970 gelangte sie ins Schopenhauer-Archiv.

Über Schopenhauers frühes Interesse an Uhren und Zeit sprach anschließend Matthias Kegelmann und zeigte ebenfalls Dias dazu. Er hatte für seine Ausführungen vor allem die Reisetagebücher durchforscht. So haben die Museumsbesuche in London 1803 den damals fünfzehnjährigen Arthur enorm beeindruckt. Immer wieder finden sich später in Schopenhauers Schriften Parallelen zum Zeitbegriff, zum Uhrwerk als inneren Antrieb des Menschen.

Aus der Vergangenheit in die Gegenwart führte Dr. Mathias Jehn, Leiter des Archivzentrums der Universitätsbibliothek Frankfurt. Auf dem Weg zum digitalen Schopenhauer-Archiv lautete sein Thema. Erstaunlicherweise sind bisher nur etwa 50 Prozent der Werke des Philosophen ediert worden. Seit 2009 gibt es ein Neuverzeichnis des Bestandes mit einer modernen Datenbank, 2011 soll das digitale Archiv online gestellt werden.

Zum Abschluss der Veranstaltung überreichte Matthias Koßler den Preis des Essaywettbewerbs Schopenhauers Einfluss auf die bildenden Künste an Martina Kurbel.

Musikalisch umrahmt wurde die Matinee von Britta Roscher, Querflöte, und Ulrich Schlosser, Gitarre, mit Werken von Mauro Giuliani, Gioacchino Rossini, Erik Marchelie und Maximo Pujol.

JF

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